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Raumtransporter mit Schweizer Technologie >> Albert Einstein fliegt zur ISS

Redakteur: Luca Meister

Der vierte europäische Weltraumtransporter vom Typ «ATV» befindet sich in den letzten Vorbereitungen im Europäischen Raketenstartzentrum in Kourou, Französisch-Guayana. Der Satellit soll am 18. April an Bord einer Ariane 5-Trägerrakete gestartet werden und einige Tage später an die Internationale Raumstation ISS andocken.

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Der «ATV3 Edoardo Amaldi» während des Andock-Manövers an die Internationale Raumstation ISS im März 2012.
Der «ATV3 Edoardo Amaldi» während des Andock-Manövers an die Internationale Raumstation ISS im März 2012.
(Bild: Esa)

Auf Vorschlag der Schweizer Delegation hat die Esa den Weltraumtransporter auf «Albert Einstein» getauft. Der vierte europäische Raumtransporter (Automated Transfer Vehicle – Automatisches Transportraumschiff) wurde in den letzten Monaten mit Versorgungsgütern gefüllt. Dazu zählen neben Nahrung und Kleidern für die Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation ISS auch wissenschaftliche Experimente. Diese Güter werden im sogenannten ICC (Integrated Cargo Carrier) transportiert. Nach dem Andocken an der ISS werden die Astronauten in diesen Teil des ATV hineinschweben und die Fracht in die ISS transferieren. Weiter enthält der ICC auch Tanks für Trinkwasser für die Astronauten, für verschiedene Gase (z. B. Sauerstoff) sowie Treibstoff für die Manövriertriebwerke der ISS, die während der gedockten Phase der Mission automatisch transferiert werden.

Mission dauert bis Oktober

Der fertig integrierte ATV-4 wird an der Spitze einer Ariane-5 Trägerrakete installiert, die ihn am 18 April in eine Erdumlaufbahn befördern wird. Mit Hilfe seiner autonomen und hochpräzisen Navigationsge-räte wird Albert Einstein sich mit mehreren Manövern der ISS annähern und andocken. Die Dauer der Mission ist bis Mitte Oktober 2013 vorgesehen. Vermutlich wird der Start von ATV-4 im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung in Bern direkt übertragen.

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Absinken der ISS verhindern

Die unbemannten Raumtransporter ATV sind der wichtigste Beitrag Europas zum Nutzungsprogramm der ISS sowie die grössten und leistungsfähigsten Raumschiffe, die bisher in Europa entwickelt und gebaut wurden. Die Raumfahrzeuge haben den Zweck, die ISS logistisch zu versorgen, d.h. sie übernehmen den Transport von Versorgungsgütern für die ISS-Besatzung. Eine weitere wichtige Fähigkeit des ATV-4 ist, dass er die ISS in eine höhere Umlaufbahn befördern kann, um so das langsame Absinken der Station durch die Reibung an der sehr dünnen Atmosphäre zu kompensieren («Reboost-Manöver»). Dazu werden die im ATV-Service-Modul eingebauten Raketentriebwerke verwendet.

«Müllabfuhr»

Am Ende der Mission wird der ATV-4 dann als «Müllwagen» verwendet, mit welchem an Bord der ISS nicht mehr gebrauchte Ausrüstungsteile und Schmutzwasser entsorgt werden. Nach dem Abdocken verglüht der Transporter beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.

Der erste Flug eines ATV («ATV-1 Jules Verne») fand 2008 statt, wobei es sich hierbei noch um einen Testflug handelte. Der operationelle Einsatz der ATV's begann im Februar 2011 mit «ATV-2 Johannes Kepler», gefolgt von «ATV-3 Edoardo Amaldi», der im März 2012 gestartet war. Ganz in der Tradition seiner Vorgänger trägt ATV-4 einen berühmten Namen, nämlich den des wohl bekanntesten Wissenschaftlers des 20. Jahrhunderts, Albert Einstein. Der Vorschlag dafür kam von der Schweizer Esa-Delegation.

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