Interview: Maurice Meytre (Geschäftsführer) und Jürg Aegerter (Verkaufsleiter), Ypsotec AG

«Hausaufgaben gemacht»

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Gibt es überhaupt noch viele Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung?

M. Meytre: An der internen Effizienzsteigerung arbeiten wir seit Jahren. So sind 5S und Lean Management in aller Munde und werden täglich verbessert und weiterentwickelt. Für 2015 sind die Schwerpunkte zur Effizienz­steigerung im Bereich ERP geplant. Dabei geht es darum, Daten schneller und übersichtlicher aufbereitet zu bekommen. Es besteht ein Massnahmenplan mit mehreren Punkten und Aspekten, woran gearbeitet werden kann.

Wo sehen Sie generell die Wettbewerbsvorteile von Ypsotec?

M. Meytre: Wir haben zwei Standorte mit speziellen Stärken. Einerseits unser Standort Grenchen mit einer hohen Automatisationskompetenz zur Fertigung von Komponenten durch Drehen und Fräsen ab Stange oder automatisiert mit Losgrössen von 1000 bis 1 Million. Anderseits bieten wir in unserem Tochterunternehmen in Tabor Futterdrehen und Fräsen für Bauteile mit Losgrössen von 500 bis 5000 Stück. Grössere Werkstücke bis Ø 350 mm und sämtliche Frästeile von 2 ccm bis 5000 ccm und Längen bis 24000 mm werden ebenfalls wirtschaftlich in Tabor gefertigt.

J. Aegerter: Hier können wir sehr gut Synergien nutzen. Wir gewinnen Aufträge für Grenchen über unser Werk in Tabor und umgekehrt. Als Schweizer Unternehmen wird man von einigen potentiellen Kunden schnell als zu teuer abgetan. Auch ist der Standort Grenchen für Décolletagebearbeitung bekannt, nicht für Fräsbearbeitung. Hier ist das Werk in Tabor ein Türöffner.

Wo sehen Sie die Vorteile am Werkplatz Schweiz?

M. Meytre: Der grösste Vorteil ist das Humane Kapital mit gut ausgebildeten Mitarbeitern und der grossartigen Lehrlingsausbildung. Wir haben hier in Grenchen ungefähr zehn Prozent Lehrlinge. Insgesamt gibt es hier am Jurasüdfuss sehr gute Mitarbeiter im Décolletagebereich. Dadurch können wir hochkomplexe, präzise Drehteile von Ø 2 bis 65 mm wirtschaftlich ab Stange fertigen.

Wie hoch ist der Exportanteil bei Ypsotec?

J. Aegerter: Wir exportieren zu etwa 35 Prozent und verkaufen 65 Prozent im Inland. Doch unsere Kunden im Inland exportieren ebenfalls zu 90 Prozent. Schwerpunkt ist dabei der EU-Raum, gefolgt von den USA und Asien.

Was sind wichtige Kundensegmente für Ypsotec?

J. Aegerter: Neben der Medizintechnik sind die Automationstechnik und die Antriebstechnik mit ihren vielseitigen Kundenanforderungen die Schwerpunkte. Durch höchste Flexibilität und den Willen, den Kunden vom Start an mit bester Performance zu bedienen, können wir heute Losgrössen von 1000 bis 100 000 Stück weltweit wirtschaftlich fertigen. Weitere Kundensegmente sind die Robotik, Komfortsysteme in der Automobilbranche und der Halbleiterindustrie. Unsere Kunden haben hohe Anforderungen in Bezug auf Toleranz und Finish auch bei der Bearbeitung anspruchsvoller Materialien.

M. Meytre: Auch die Baugruppenfertigung ist ein wichtiges Standbein bei Ypsotec. Wir konnten Ende 2014 ein sehr interessantes Projekt gewinnen für einen namhaften international tätigen Kunden. Hierfür fertigen wir eine Baugruppe mit 1,1 Mio. Komponenten pro Jahr. Die einzelnen Teile werden gedreht und als Baugruppe durch Laserbearbeitung verbunden. Weitere Baugruppen fertigen wir je nach Kundenwunsch in Grenchen oder in Tabor mit unterschiedlichen Anforderungen und Losgrössen. Immer just in time zum Kundentermin.

Wie erfüllen Sie die Kundenbedürfnisse?

J. Aegerter: Wir kennen unsere Kunden sowie deren Verhalten sehr genau und können individuell auf die Anforderungen eingehen. Wir bieten kompetente Beratung, welche bereits bei der Angebotsabgabe beginnt. Weiter können wir flexibel auf die Kundenwünsche reagieren mit einem Maschinenpark von über 70 CNC-Maschinen. Wir begleiten den Kunden in sämtlichen spantechnischen Belangen von der 0-Serie bis zur Serienreife und Just-in-time-Anlieferungen. Wichtig ist auch die Einhaltung aller regulatorischen Vorschriften, welche bei uns als Standard hinterlegt sind. Neben der eigentlichen Produktion sind wir auch absolut führend in der Messtechnik, um die oft geforderten Form- und Lagetoleranzen zu gewähren. Wir haben zusätzlich ein Lieferantenportfolio, welches uns erlaubt, dem Kunden spezielle Zusatzleistungen wie Vergolden, Härten, Eloxieren usw. mit anzubieten. Gerade die letzte Komponente erfordert viel Know-how und eine ebenfalls gute Zusammenarbeit auf allen Ebenen.

Vielen Dank für das Gespräch. <<

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