Interview: Maurice Meytre (Geschäftsführer) und Jürg Aegerter (Verkaufsleiter), Ypsotec AG «Hausaufgaben gemacht»

Autor: Anne Richter

Die Ypsotec AG aus Grenchen mit einem Standort in Tabor (Tschechien) ist ein führender Hersteller von komplexen Präzisionskomponenten. Im Interview mit SMM erläutern Geschäftsführer Maurice Meytre und Marketingleiter Jürg Aegerter die Herausforderungen, die sich vor allem durch den starken Franken ergeben.

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(Bild: Ypsotec)

SMM: Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die SNB war für viele Unternehmen in der Schweiz ein Schock. Herr Meytre, was haben Sie gedacht, als der Franken immer stärker wurde?

Maurice Meytre: Da stellt man sich natürlich alle möglichen Szenarien vor. Wichtig ist für uns, dass wir keine übereilten Entscheide treffen, aber rasch handeln wo möglich. Sehr wichtig ist auch, zu verfolgen, wie sich der Euro und Aktivitäten des Markts weiter entwickeln. Insgesamt kann man aber sagen, dass durch die Aufhebung des Mindestkurses sich die Unsicherheit, die generell schon vorhanden ist, noch erhöht hat.

Was sind kurzfristige Massnahmen bei Ypsotec, um Verluste oder Ausfälle zu kompensieren?

M. Meytre: Kurzfristig sind unsere Lieferanten angehalten, Preisvorteile bei EU-Beschaffung weiterzugeben. Auch erwarten wir uns Preisvorteile durch gesunkene Energiekosten bei externen Arbeiten wie z. B. beim Härten, das sehr hohe Energiekosten beinhaltet. Als weitere Massnahme haben wir uns auch ganz genau die Daten angeschaut. Wir haben eine Aufstellung gemacht, welche Lieferanten in Euro fakturieren und welche in Franken. Das gleiche haben wir mit unseren Kunden gemacht. Auch haben wir uns die einzelnen Produkte und die Margen angeschaut.

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Zu welchen Ergebnissen sind Sie dabei gekommen?

Jürg Aegerter: Aus Kundensicht sind wir mit einzelnen strategischen Kunden Vereinbarungen eingegangen zur gegenseitigen Stärkung. Das heisst einerseits Preiserhöhungen mit EU-Kunden, anderseits Preisnachlässe bei CH-Kunden. Von einzelnen Kunden werden wir uns in Zukunft auch trennen, da passen die gegenseitigen Forderungen und Leistungen nicht mehr überein; wenn es beispielsweise wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll ist, das Produkt weiter herzustellen.

Wie sind hier Ihre Erfahrungen?

J. Aegerter: Insgesamt haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Doch tendenziell haben vor allem Kunden Probleme, uns entgegenzukommen, die selber nur geringe Margen erzielen. Das betrifft vor allem die Automobilbranche. Auch ist es schwierig, Preisverhandlungen zu führen, wenn der Kunde Alternativen hat und es beispielsweise viele Wettbewerber gibt.

Jetzt gibt es auch die Aussage, dass die Unternehmen über drei Jahre Zeit hatten, sich auf einen stärkeren Franken vorzubereiten. Wie sehen Sie das?

M. Meytre: Die letzten Jahre haben wir genutzt, um wieder in die Gewinnzone zu gelangen. Mit der letzten starken Abwertung des Euros haben wir anfangs Verluste gemacht. Jetzt stehen wir schlussendlich wieder vor ähnlichen Herausforderungen wie vor drei Jahren. Doch wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.

Was haben Sie konkret getan?

M. Meytre: Wir haben konsequent Prozesse mit hohem manuellem Anteil nach Ypsotec in Tabor, Tschechien, ausgelagert. Das betrifft beispielsweise hochkomplexe Frästeile, die teilweise mehrfach manuell umgespannt werden müssen, Montageteile, das Futterdrehen und auch Entgraten. Es handelt sich hierbei um Prozesse und Bauteile, bei denen auf Grund geringer Stückzahlen eine Automatisierung nicht lohnt.

Was bleibt dann am Ypsotec-Standort in Grenchen?

J. Aegerter: Am Standort Schweiz haben wir noch intensiver in die Automatisierung investiert und in neue Maschinentechnolo­gien. Im Bereich Langdrehen haben wir in die neuste Maschinengeneration investiert. Mit drei Revolvern und über 60 Werkzeugen bietet diese Maschine maximale Freiheit durch 12 Achsen, hohe Produktivität sowie hohe Präzision. Wir haben hier eine Maschine für hochkomplexe Bauteile, die trotzdem einfach und in gewohnter Weise mit Fanuc-Steuerung programmierbar ist. Ausserdem haben wir damit die Bearbeitungsmöglichkeiten auf Teile mit bis zu 38 mm im Durchmesser ausgedehnt.

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Redaktorin SMM