Querverschiebung des legendären grünen Krokodils Historische Verschiebung

Redakteur: Silvano Böni

Während zweier Monate verschob die Bauberger AG, Spezialistin für Industrieumzüge, Spezialtransporte und Maschinenmontagen, insgesamt 50 Loks, Tram- und Bahnwaggons im Verkehrshaus Luzern. Highlight war die Querverschiebung des legendären grünen Krokodils.

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Das grüne Krokodil musste um rund 12 Meter verschoben werden. Für die Spezialisten der Bauberger AG kein Problem.
Das grüne Krokodil musste um rund 12 Meter verschoben werden. Für die Spezialisten der Bauberger AG kein Problem.
(Bild: Bauberger)

Wer kennt sie nicht, die grosse Schienenhalle im Verkehrshaus Luzern, wo die Geschichte des Schweizer Schienenverkehrs dokumentiert wird? Im Zuge der NEAT-Sonderausstellung war es an der Zeit, die seit 20 Jahren fast unveränderte Halle neu zu gestalten. In zahlreichen Einzelschritten wurden während zweier Monate 35 Loks, Zug- und Tram-Waggons intern verschoben sowie über ein Dutzend in Depots in der deutschen und welschen Schweiz ausgelagert. Viele der Verschiebungen geschahen während der Besuchszeiten, nachts wurden in Zusammenarbeit mit SBB Historic einige Wagen auf dem Schienennetz abtransportiert.

Spezialkonstruktionen nötig

Die Platzverhältnisse in der Schienenhalle waren sehr beengt, die Bodenbelastung mit 400 kg/m2 gering. Der vordere Teil der Halle ist ein Pavillon aus der Gründungszeit um 1957, entsprechend filigran ist die Statik, zudem senkt sich der Boden wegen des Seeuntergrunds. Sämtliche Verschiebungen wurden daher mit Spezialkonstruktionen und hydraulischen Maschinenhebern vorgenommen: Der Hallenboden wurde mit Sand abgedeckt und mit 30 mm dicken Stahlplatten verstärkt, die Loks und Waggons an den Hebepunkten hydraulisch angehoben, die Quertraversen eingebaut und dann auf Fahrschienen an den Bestimmungsort verschoben.

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Ein Krokodil schlägt quer

Nach zwanzig Jahren am selben Standort war es dann am 29. Februar 2016 so weit: Die fast 100-jährige Lok, das legendäre grüne Krokodil, wurde wieder bewegt – und zwar nicht wie gewohnt vorwärts, sondern seitwärts. Doch wie ein Baum, der Wurzeln geschlagen hat und sich nicht versetzen lassen wollte, zierte sich das historische Gefährt anfangs etwas.

Nach drei Metern war dann aber der Bann gebrochen und der 126 Tonnen schwere Koloss rollte danach auf Panzerrollen gemütlich zwölf Meter vom Süd- zum Nordgleis. Nach dem hydraulischen Anheben und Deinstallieren der gelben Fahrschienen stand die Elektrolok tags darauf in alter Frische am neuen Standort.

Wunder der Technik

Die leistungsstarke Elektrolok war Anfang des letzten Jahrtausends dank ihrer gelenkigen Schnauze, die es ermöglichte, sehr enge Kurven zu fahren, ein Wunder der Technik, das in alle Welt exportiert wurde. Und noch heute fasziniert das «grüne Krokodil», wie es wegen seiner Ähnlichkeit zum Reptil im Volksmund liebevoll genannt wird, Gross und Klein.

Übrigens: Bauberger AG verschob vor genau neun Jahren das Gotthardmassiv, die Coronado und das Mesoscaphe sowie letztes Jahr den Fieseler Storch im Verkehrshaus Luzern. <<

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