Swissmechanic Im Gespräch mit Stefan Fluri, Präsident der Sektion Biel

Redakteur: Redaktion SMM

Ein Unternehmer als Sektionspräsident spricht Klartext. Er äussert sich kritisch gegenüber der Finanzierungspolitik der Berufsbildung.

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Swissmechanic: Die angespannte Wirtschaftssituation hat auch im Jurabogen und im Berner Seeland, also dem Einzugsgebiet der Mitglieder der Sektion Biel, unübersehbare Spuren hinterlassen. Wie präsentiert sich aus Ihrer Sicht die Wirtschaftslage in der Sektion Biel?

Stefan Fluri: Analog grosser Teile der übrigen Schweiz in der MEM-Industrie und der Uhrenindustrie sind auch wir vom Rückgang der Wirtschaft betroffen. Besonders spürbar hat sich die Situa­tion in der Werkzeug-und Maschinenindustrie ausgewirkt, dazu gehören auch die Zulieferbetriebe. Es gibt auch Unternehmen, die von der Krise weniger oder überhaupt nicht tangiert wurden. Dies trifft vor allem auf Firmen zu, die in besonderen Nischen tätig sind oder sich durch eine entsprechende Diversifikation relativ schadlos halten konnten.

Stellt man Unterschiede zwischen Firmen aus dem deutsch- und französischsprachigen Gebiet fest?

Für den ersten Moment fehlen mir noch genauere Angaben. Ich glaube jedoch nicht, dass sich die wirtschaftliche Situation zwischen den beiden Sprachgebieten unterschiedlich entwickelt hat.

Gesamtschweizerisch konnte per Ende 2009 nochmals eine Zunahme der Zahl an neuen Lehrverhältnissen registriert werden. Wie sieht die Situation in der Sektion Biel aus?

Leider hat sich die Zahl der Lernenden im Jahre 2009 gegenüber dem Vorjahr um 9 Lernende oder 4,9 % reduziert. Diese Zahl ist jedoch nicht dramatisch und liegt im natürlichen Schwankungsbereich.

Wie sich die Zahlen für das neue Lehrjahr 2010 entwickeln werden, ist ungewiss. Bestimmt werden einige Unternehmen den Entscheid, Lernende in einer wirtschaftlich schwierigen Situation auszubilden, gewissenhaft überlegen.

Gemäss den gesamtschweizerischen Prognosen wird sich in den nächsten Jahren der Bestand an Schulabgängern teilweise dramatisch verringern. Man spricht von Rückgängen, je nach Region, von bis zu 18 Prozent und mehr. Trifft diese Situation auch für die Sektion Biel zu, könnte sich dies bei der Anwendung des heutigen Pauschaltarifs in der Subventionierung massiv in der Rechnung niederschlagen. Welche Überlegungen macht sich diesbezüglich Ihre Sektion?

Das könnte nicht nur, sondern es wird unbestritten ein massives Problem für den Fortbestand unserer stets hochgehaltenen dualen/trialen Ausbildung werden. Anhand der vorliegenden Zahlen des Kantons Bern müssen wir ebenfalls mit bis zu 18 Prozent weniger Schulabgängern rechnen. Wir haben verschiedene Szenarien durchgespielt und entsprechende Rechnungsmodelle aufgestellt. Zum heutigen Zeitpunkt scheint eine Lösung noch nicht in Sicht. Insbesondere bedauern wir ausserordentlich, dass sich die zuständigen Stellen im Kanton Bern mit ihrem Beharren auf den noch gültigen Pauschalansätzen des Kantonsbeitrags I der längerfristigen Konsequenzen für die gesamte Bildungspolitik einer gesamten Branche nicht bewusst sind. Manchmal bekommt man den Eindruck, dass im Kanton Bern Kräfte am Werk sind, die bewusst die berufliche Bildung in den Betrieben (Meisterlehre) zu Gunsten einer verstaatlichten Schulung verdrängen wollen. Nur so kann man sich erklären, dass der Kanton Bern nicht bereit ist, die Finanzierung der Verbandsträgerschaften in der Berufsbildung auf 25 bis ca. 35 Prozent zu erhöhen, so wie sie seitens Swissmechanic seit vielen Jahren mit überdurchschnittlichem Erfolg praktiziert wird. Adäquate staatliche Einrichtungen werden hingegen beinahe zu 100 Prozent finanziert. Dieser vom Kanton Bern eingeschlagene Weg ist unverständlich und muss dringend korrigiert werden. Man kann nicht seitens der Politik Lobhymnen auf die duale Berufsbildung singen und in der Realität dieser gleichzeitig die Finanzunterstützung entziehen.

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