Internationale Branchenmesse für Stahlexperten
>> Das Stammhaus der Kaltenbach GmbH + Co. KG in Lörrach führte im Mai zum 8. Mal die 5-tägige Fachmesse IPS «International Partners in Steel» durch. Der diesjährige Branchentreff bot Fachbesuchern umfangreiche Informationen zum Thema «Logistic Process Control». Rund 3300 Fachbesucher aus aller Welt nutzen diese Plattform, um sich über branchenspezifische Entwicklungen und Trends rund um die automatisierte Fertigungstechnik zu informieren.
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Im Jahre 1887 gegründet, war die Kaltenbach GmbH + Co. KG zunächst ein Begriff als Hersteller von Kreissägemaschinen. Das Angebot wurde laufend ausgebaut. Heute bietet das Unternehmen ein umfassendes Programm an Maschinen und Anlagen für die Metallbearbeitung an, so unter anderem zum Sägen, Bohren, Biegen, Stanzen, Brennen, Ausklinken und Schweissen. Der Exportanteil beträgt 70 %, über die Hälfte davon entfällt auf Europa.
Auf der Fachmesse bei Kaltenbach in Lörrach trifft sich alle zwei Jahre die Stahlbranche aus der ganzen Welt, um sich einen Überblick über branchenspezifische Entwicklungen und Trends zu verschaffen. Von innovativen Softwarelösungen über die Bearbeitung von Blechen, Rohren und Profilen bis hin zu Oberflächenbearbeitung und Lagereinrichtungen wurden dieses Jahr neuartige Problemlösungen präsentiert.
40 Partnerfirmen zeigten an der Branchenveranstaltung auf über 3000 m2 Ausstellungsfläche ihre Innovationen für die Bereiche Stahlbau und Stahlhandel. Kaltenbach ist Impulsgeber, Veranstalter und Aussteller. Das Motto der diesjährigen Veranstaltung hiess «Logistic Process Control», LPC, ein Thema, das die Branche die nächsten Jahre besonders beschäftigen dürfte. Im Vordergrund steht dabei die Schlüsselfrage «Wie kommen das richtige Material und die dazugehörigen Informationen zur richtigen Zeit an den richtigen Ort und wie, wann und wohin werden die aktuellen Prozessdaten zurückgemeldet?»
Logistic Process Control LPC
Im neuen Technology-Center in Lörrach konnten sich die Besucher davon überzeugen, dass LPC durch seine automatische Fertigungssteuerung ein grosses Potential in der kompletten Stahlbearbeitung bietet.
Blech-, Rohr- und Profilbearbeitung, Handling, Trennen, Schneiden, Umformen, Verbinden, Schweissen und Befestigen: Die einzelnen Problemlösungen der gesamten Prozesskette der Profil- und Blechbearbeitung überzeugen. Oberflächenbearbeitung, Werkzeuge, CAD/CAM-Systeme, Datenverarbeitung und Lagereinrichtungen ergänzen das LPC-System.
Die schnellsten Sägen der Welt
Firmenchef Valentin Kaltenbach konnte auch dieses Jahr mehrere Neuheiten vorstellen: Eine Verdopplung des Durchsatzes beispielsweise wurde durch drei technologische Highlights beim Einsatz der neuen Profil-Bandsäge KBS 1051 realisiert. Für Laufruhe und reproduzierbare Vorschubwerte der schnellsten Bandsäge der Welt sorgt der erstmalige Einsatz einer Kugelrollspindel für den Vorschub des Sägerahmens. Die automatische, variable Anpassung der Sägebandneigung an wechselnde Profilquerschnitte ermöglicht das AFC-System (Auto Feed Control). Der kräftig dimensionierte Sägebandantrieb mit 12,9 kW erlaubt in Kombination mit AFC erstmals den wirtschaftlichen Einsatz von Hartmetallsägeblättern bei Profil-Bandsägen – ein Quantensprung in punkto Schnelligkeit. Bei einem HEM-400-Stahlträger, für den eine konventionelle Bandsäge 4,30 Minuten zum Durchsägen benötigt, schafft es die KBS 1052 in 1,38 Minuten – unter alltäglichen Produktionsbedingungen. Kaum auf dem Markt, konnten schon die ersten 50 «Neige-Bandsägen» verkauft werden.
Um die nach Herstellerangaben schnellste Universalkreissäge der Welt handelt es sich bei der KKS 463 NA, die alle Teilprozesse im Rekordtempo möglich macht. Es ist die optimale Abstimmung aller Komponenten auf den maximalen Durchsatz, durch die das schnelle Zuschneiden der Werkstücke realisiert wurde. Ein durchgehender einteiliger Maschinenkasten ermöglicht die abweichungsfreie Anordnung von Nachschubautomat, Säge und Abschnittgreifer. Sämtliche Rüstarbeiten, die bei anderen Universalsägen notwendig sind, entfallen.
Weiterentwicklungen, Neues, Innovationen
Das Unternehmen hat seine Bohrmaschinen KDM, KDL und KDE komplett überarbeitet. Die neue Hochleistungs-Bohrmaschine KDL, Flaggschiff für Spitzenleistungen und grosse Bauteile, verfügt über ein Tellermagazin mit sechs Werkzeugen in jeder der drei Bearbeitungsachsen. Je nach Modell kann die Maschine Stahlträger bis zur Abmessung 2000 × 700 mm bearbeiten.
Perfekte Nähte automatisch schweissen: Mit der völlig neuartigen Roboterschweissanlage KWR 601 können Schweissprozesse im Stahlbau automatisiert und die Produktivität bei gleichbleibender Qualität massgeblich gesteigert werden. Die Anlage ist speziell für die Bearbeitung von Baugruppen mit Stahlträgern und Anbauteilen ausgelegt und kann Träger bis zur Abmessung von 600 × 300 mm vollautomatisch bearbeiten.
Die KBS 2101 ist die grösste Hochleistungsbandsäge von Kaltenbach und kann geschweisste Träger bis zur Abmessung 2050 × 800 mm sägen. Sie verfügt über eine Gehrungseinrichtung und schwenkt programmgesteuert. Gehrungswinkel sind von –40 bis +30 Grad möglich. Die Maschine kann für Einzel-, Lagen- und Bündelschnitte eingesetzt werden.
Für seine Blechbearbeitungszentren der Baureihe KF bietet Kaltenbach neu einen integrierten Entnahmeroboter an, mit dem sich die Entnahme und die Sortierung der gefertigten Teile automatisieren lässt. Der Roboter verfährt auf einer Bodenschiene. Die Grösse des Sortierbereiches kann kundenspezifisch ausgelegt werden.
Weil das Strahlen und Konservieren kein Nischenbereich für Kaltenbach ist, war die Stahloberflächen-Bearbeitung ein Schwerpunktthema an der IPS 2011. Zusammen mit den Firmen SPS und Intec wurde eine komplette Strahl- und Konservierungslinie vorgestellt. Die Firmen Dr. Demuth und Metalltechnik Schmidt informierten unter dem Motto «low operating costs» über aktuelle Trends beim Einsatz von Farb- und Strahlmitteln. Eine Weltneuheit bei der Endbeschichtung von Stahlkonstruktionen führte die Firma Intec vor. Der Farbspritzautomat kann Stahlkonstruktionen in 3D abtasten. Damit können die Teile sehr genau und vollautomatisch lackiert werden, was den Lackverbrauch extrem reduziert.
Seminare, Tour de Suisse, Tour de France
Zusammen mit ihren 40 Partnerfirmen konnte Kaltenbach an den fünf Messetagen der IPS 2011 über 3300 Fachleute aus 52 Ländern begrüssen. Die Besucher der täglich acht bis zehn Fachseminare in Deutsch und Englisch drängten sich geradezu in die Hörsäle.
Unter dem Motto «Swiss Tour» fuhren Busse nach Dietikon zur Firma Pestalozzi + Co. AG und nach Rothrist zur Ferroflex AG, zwei modernen Stahlhandelsbetrieben, wo realisierte Problemlösungen im Produktionsbereich vorgeführt wurden. Eine «France Tour» brachte Interessenten zu Kaltenbach in Burnhaupt.
Claudio D’Altri, Geschäftsführer von Kaltenbach Schweiz, betreute Kunden und Interessenten. Die Vielzahl seiner Gäste zeigte eindrücklich, dass Kaltenbach auch in der Schweiz ein wichtiger Anbieter ist.
Logistische Herausforderung
Die IPS-Tage in Lörrach erforderten vom Veranstalter einige logistische Leistungen: In 20 Hotels war für 2000 Übernachtungen gesorgt, im extra aufgestellten nostalgischen Zirkus-Spiegelzelt mit 26 Meter Durchmesser, dem grössten seiner Art, wurden an den fünf Messetagen gegen 5000 Essen ausgegeben. Jörg Tetling, Vertriebsleiter bei Kaltenbach und Hauptverantwortlicher der IPS, führte Pressevertreter aus aller Welt durch die Messe und erklärte praxisnah am Objekt, auf was Firmenchef Valentin Kaltenbach bei seinem Begrüssungs-Fachreferat anhand von eher technischen Fakten hingewiesen hatte.
Der letzte Branchentreff im Jahre 2009 stand unter dem Motto «Automation – If Steel Is Your Deal»: Die Automatisierung der Produktionsprozesse in der Profil- und Blechbearbeitung. Einen derartigen Grossanlass mitten in der Wirtschaftsflaute durchzuziehen, verwunderte damals. «Jetzt erst recht gegen die Krise antreten», hatte Firmenchef Valentin Kaltenbach damals erklärt. Dass sich diese Investition und das unbeirrte Suchen nach neuen Problemlösungen in der Krise gelohnt hat, zeigte die IPS 2011 eindrücklich. <<
* Rolf Dorner ist Fachjournalist BR, SFJ und
* Mitarbeiter des SMM
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