Restauration eines historischen Flugzeugs Konservieren und schmieren verleiht Flügel

Quelle: Pressemitteilung 4 min Lesedauer

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Die Faszination, einen Oldtimer zu fliegen, und der gute Zustand des über 80 Jahre alten Trainingsflugzeugs «AT-16 Harvard IIb» motivierten Natascha Wirth (39) und Clemens Rüb (37) zur Restauration. Das Projekt wird durch Produkte von Motorex beflügelt.

Mit viel Begeisterung für historische Flugzeuge restaurieren Natascha Wirth (Underwriter Aerospace, Pilotin) und Clemens Rüb (Flugzeugmechaniker, Pilot) in Bleienbach einen 80 Jahre alten IFR-Trainer «AT-16 Harvard IIb».(Bild:  Motorex)
Mit viel Begeisterung für historische Flugzeuge restaurieren Natascha Wirth (Underwriter Aerospace, Pilotin) und Clemens Rüb (Flugzeugmechaniker, Pilot) in Bleienbach einen 80 Jahre alten IFR-Trainer «AT-16 Harvard IIb».
(Bild: Motorex)

Ihre Herzen schlagen für die Leidenschaft zu fliegen. So lernten sich Natascha Wirth (Underwriter Aerospace, Pilotin) und Clemens Rüb (Flugzeugmechaniker, Pilot) durch ein Restaurationsprojekt eines Flugzeugs «Harvard IV» vor einigen Jahren kennen. Gemeinsam haben sie die Maschine, eine von insgesamt fünf in der Schweiz verbleibenden, wieder flugfähig aufgebaut. Ein Erfolgserlebnis, das neben viel Freude auch wichtiges Know-how vermittelte und die Lust auf mehr weckte.

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Instrumentenflug trainieren

Im Jahr 1948 kaufte die Schweiz vierzig überschüssige kanadische Flugzeuge «AT-16 Harvard IIb». Diese einst in den USA gebauten Militärflugzeuge dienten nach einer umfangreichen Revision und dem Umbau durch Schweizer Spezialisten als Trainingsflugzeuge für die Ausbildung zum Instrumentenflug (IFR – Instrumental Flight Rating). Der hintere Teil des Cockpits konnte komplett abgedeckt und somit ohne visuelle Orientierungshilfe der reine Instrumentenflug simuliert werden. Die Maschinen wurden fast zwanzig Jahre lang genutzt, bevor sie im Jahr 1966 durch zeitgemässe Flugzeuge der Bauart P-3 (Pilatus) ersetzt wurden. Die Maschine «U-328» gelang nicht zum Schrottplatz. Sie wurde für Ausstellungszwecke umgebaut. Bis zum Jahr 2015 war sie im Fliegermuseum Dübendorf zu sehen. Danach landete sie durch glückliche Fügungen beim Hunterverein Obersimmental. Der nunmehr begonnene, auf etwa fünf Jahre Dauer geschätzte Wiederaufbau wird durch den eigens gegründeten Verein «U-328» organisiert. Das Flugzeug ist aktuell am Flugplatz Bleienbach stationiert.

Historische Flugzeuge erhalten

Kulturgut und Liebhaberobjekt für Luftfahrtenthusiasten: Der Verein «U-328» beabsichtigt, ein Trainingsflugzeug «AT-16 Harvard IIb» aus ehemaligen Schweizer Militärbeständen flugfähig zu restaurieren.  (Bild:  Verein U-328)
Kulturgut und Liebhaberobjekt für Luftfahrtenthusiasten: Der Verein «U-328» beabsichtigt, ein Trainingsflugzeug «AT-16 Harvard IIb» aus ehemaligen Schweizer Militärbeständen flugfähig zu restaurieren.
(Bild: Verein U-328)

Der Hunterverein Obersimmental bricht zu neuen Horizonten auf. Im Frühling 2024 konnte der Verein aus dem Bestand des Air Force Center Dübendorf eine «Dornier DO 27 H-2» und eine «Noorduyn Aviation AT-16 Harvard IIb» übernehmen. Während die «DO 27 H-2» für die Ausstellung in St. Stephan vorbereitet wird, wird die «AT-16» mit der Nummer U-328 am Flugplatz Bleienbach vom neugegründeten Verein «U-328» wieder flugtüchtig gemacht. Dieser Verein hat die Aufgabe das Projekt zu leiten, den Wiederaufbau durchzuführen und später den Betrieb des Flugzeuges zu gewährleisten. Das Flugzeug wird so original wie möglich erhalten und in Zukunft wieder in St. Stephan für die Bevölkerung zugänglich gemacht.

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Projekt verbindet Generationen

Beim Wiederaufbau ist beabsichtigt, das Flugzeug «U-328» flugfähig herzurichten. Dabei soll es so originalgetreu wie möglich erhalten werden. Zudem soll wertvolles Wissen über historische Militärflugzeuge weitergegeben und ein Stück Kulturgut bewahrt werden. Mit dem Projekt wird auch die Faszination für die Luftfahrt und für technische Berufe über Generationen übergreifend geteilt. Die vielfältigen Arbeitsschritte bieten ein überraschend breites Spektrum, um berufliches Wissen anzuwenden und zu erweitern. Das ist ein Ansatz, der selbst junge Menschen begeistern kann. So gehören neben erfahrenen Berufsleuten auch junge Automatiker, Avioniker und Elektroniker zum Team für Wiederaufbau des Flugzeugs in Bleienbach.

Konservieren unabdingbar

«Die Maschine war glücklicherweise bis auf wenige Komponenten komplett», weiss Natascha neben dem in der Zwischenzeit nahezu vollständig zerlegten Flugzeug zu berichten. Um die 30 000 Einzelteile soll die Maschine haben. Ersatzteile sind für das einst in grossen Serien gebaute Flugzeug noch recht gut verfügbar. Transportiert wurde die Maschine bei demontierten Tragflächen aus dem Museum in Dübendorf per Sattelschlepper im Frühling 2024. Dabei stellte sich für Clemens sofort die Frage der Konservierung. Der Rumpf besteht aus einem Rohrrahmen aus Stahl, welcher mit Aluminiumblechen für den Flugzeugbau vernietet ist. Die passivierte Oberfläche verleiht dem Flugzeug den charakteristischen leicht grauen Farbton vergangener Zeiten. Damit während der Restauration die Oberflächen vor äusseren Einflüssen geschützt sind, suchte er ein gut anhaftendes Schutzfluid. Dieses durfte nicht verklumpen wie Wachs. Es sollte einen leichten, staubtrockenen Schutzfilm bilden, der sich wiederum gut entfernen liess.

Schützen und schmieren

Die Luftfahrt stellt spezifische Ansprüche an die eingesetzten Schmier- und Betriebsstoffe. Als die Maschine «U-328» in den 1940er-Jahren gebaut wurde, orientierten sich die Ingenieure an den besten seinerzeit verfügbaren Produkten. Derzeit wissen Spezialisten sehr konkret, welche Motorenöle für historische Flugzeuge und welche Fette für den Propeller verwendet werden können. Als zertifizierter Flugzeugmechaniker kennt auch Clemens Rüb geeignete Produkte zum Reinigen, Schmieren und Konservieren. Er übernimmt gegenüber dem BAZL (Bundesamt für Zivilluftfahrt) bei der Wiederinbetriebnahme die Verantwortung. Dazu wird jede Restauration mit einer Vielzahl von Fotos, akribisch geführten Revisions und Prüftabellen Schritt für Schritt dokumentiert.

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Hohe Leistung

Die starke Motorisierung zeichnet viele Militärflugzeuge aus und steht für fliegerisch hohen Spassfaktor. So auch bei der AT-16 Harvard IIb. Sie ist mit einem Triebwerk «R-1340 AN-1» (Spitzname Wasp) des amerikanischen Herstellers Pratt & Whitney ausgerüstet. Der luftgekühlte 9-Zylinder-Einfachstern-4-Takt-Motor hat 22 l Hubraum. Er ist nur 401 kg leicht. Er hat 550 PS Nennleistung bei bei 2200 min–1 Drehzahl. Die Antriebsleistung wird über eine unterarmdicke Kurbelwelle direkt auf einen verstellbaren, 2,75 m im Durchmesser messenden 2-Blatt-Propeller abgegeben. Motor und Propeller werden zu einem späteren Zeitpunkt durch Fachbetriebe überholt. Sie sind danach für weitere 1000 Flugstunden geeignet. Das erfordert etwa 125 000 CHF Investition. Doch alle Enthusiasten historischer Luftfahrzeuge sind überzeugt, dass der Aufwand gerechtfertigt ist.

(kmu)

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