Fertigungstechnik

KWC-Fehlmann: Schweiz-Schweizer Perfektion

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«Lastenheft nehmen wir sehr ernst»

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Auf die Frage des SMM, wie gut die WZM-Hersteller ihre Offerte an das Pflichtenheft angepasst haben, antwortet Hanspeter Fehlmann: «Ich hatte teilweise das Gefühl, dass sich die eingereichten Offerten nicht an unserem Lastenheft orientierten. Die Offerten waren entweder zu teuer und fielen raus, weil sie unseren technischen Ansprüchen nicht genügten. Fehlmann hat das dagegen vorbildlich gemacht.»

J. Solenthaler: «Wenn wir ein Lastenheft bekommen, nehmen wir das sehr ernst. KWC hat ein vorzügliches und detailliertes Lastenheft erstellt. Wir gehen jeden einzelnen Punkt durch und gleichen ihn mit unseren möglichen Lösungsportfolios ab. Wenn beispielsweise als Werkzeugaufnahme ein HSK 63 gefordert wird, dann bieten wir das an. Gegebenenfalls schlagen wir eine Alternative vor, wenn wir es für sinnvoll halten. Aber wenn ein Werkzeugspeicher mit 80 Werkzeugen gefordert ist, dann bieten wir einen 80er-Werkzeugspeicher an, keinen doppelt so grossen. Es macht keinen Sinn, etwas zu gross zu dimensionieren. Wir könnten den Werkzeugspeicher mit bis zu 346 Werkzeugplätzen auslegen. Es gibt Anwendungen, wo das technologisch sinnvoll und wirtschaftlich ist. Aber KWC brauchte das nicht.»

Erheblich schnellerer Prozess

Hanspeter Fehlmann: «Ich kann Herrn Solenthaler nur bestätigen, wir benötigen praktisch keine Schwesterwerkzeuge, deshalb reichen die 80 Plätze voll und ganz. Apropos Werkzeuge: Zum vollautomatischen Messen der Werkzeuge setzen wir auf ein integriertes Blum-Lasermesssystem. Damit entfällt auch die Voreinstellung der Werkzeuge grösstenteils, weil das direkt in der Maschine passiert.

Vergleichen wir die Versa mit der bisherigen Maschinenlösung, sind wir allein bei den Hauptzeiten um 30 % schneller. Wenn dann noch die automatisierte Fertigung hinzukommt, dann haben wir gegenüber der bisherigen Lösung sicher 50 % mehr Werkstück-Durchsatz bei gleicher Zeit. Das ist für uns entscheidend gewesen, um die Kapazität des Werkzeugbaus zu erhöhen.»

Spindelwahl: 30 000 1/min mit HSK50-Schnittstelle

Hanspeter Fehlmann: «Unsere ursprüngliche Intention war, auf eine 25 000er-Spindel zu setzen. Sie verfügt über ein hohes Drehmoment und mit HSK63 über eine sehr steife Schnittstelle. Entschieden haben wir uns aber in enger Absprache mit den Fehlmann-Spezialisten und nach einigen Fräsversuchen für eine 30 000er-Spindel. Sie verfügt über ein Drehmoment von 35 Nm und einen HSK 50.»

J. Solenthaler: «Die optimale Spindelwahl ist sehr wichtig, damit das Werkstück perfekt gefertigt werden kann. Es hängt unter anderem vom Bauteilspektrum, von den Oberflächenanforderungen und nicht zuletzt von den eingesetzten Fräserdurchmessern ab. Die hohen Drehzahlen sind ganz entscheidend für die Schlichtqualität und gleichzeitig für einen schnellen Schlichtprozess. Da KWC oft mit einem 3er-Fräser vor- und feinschlichtet und der grösste Schaftfräser 16 mm misst, haben wir eine 30 000er-Spindel mit HSK-50-Schnittstelle vorgeschlagen. Unsere Fräsversuche im Vorfeld haben schliesslich gezeigt, dass unsere 30 000er-Fehlmann-Spindel perfekt für die Anforderungen bei KWC konzipiert ist.»

Hanspeter Fehlmann: «Die Entscheidung fiel uns nicht leicht. Im Werkzeugbau haben wir bisher auf Steilkegel gesetzt. In der Produktion haben unsere Werkzeuge HSK63-Schnittstellen. Das war auch ein wichtiger Punkt, ob wir im Werkzeugbau ebenfalls auf HSK 63 gehen wie in unserer Produktion, auch um die Werkzeuge untereinander tauschen zu können. Aber nach einigen Überlegungen sind wir zum Schluss gekommen: Die Anforderungen sind zu unterschiedlich. Deshalb setzen wir im Werkzeugbau auch in Zukunft auf eine eigene Werkzeugverwaltung und auf eine eigene Werkzeug-Schnittstelle.

Fehlmann: Spindeln werden in Eigenregie gefertigt

Bevor ein Unternehmen in eine WZM investiert, findet im Idealfall eine Werksbesichtigung statt. So auch in diesem Fall, wie Hanspeter Fehlmann sagt: «Wir haben im Vorfeld das Unternehmen Fehlmann in Seon besucht und durften einen Blick in deren Produktion werfen. Das war sehr überzeugend. Fehlmann hat in den letzten Jahren intensiv in seinen Werkzeugmaschinenpark investiert, so dass sie heute über eine enorme Fertigungstiefe verfügen. Sogar die Spindeln fertigen sie in Eigenregie. Diese hohe Fertigungskompetenz, die in dem Unternehmen alltäglich gelebt wird, war für uns sicher auch ein wichtiger Punkt, dass Fehlmann ein Partner ist, der weiss, worauf es ankommt.»

Grosses Vertrauen in Schweizer Werkzeugmaschinenbau

Auf die Frage des SMM, warum eine hohe Fertigungstiefe denn von Bedeutung sei, antwortete Hanspeter Fehlmann: «Wir haben auch eine sehr grosse Eigenfertigung. Dadurch hat man die Kernkompetenzen einfach im Griff. Wenn Fehlmann das Herzstück der Maschine – die Hochleistungsspindeln – selbst fertigt, dann heisst das für mich, dass das Unternehmen über ein aussergewöhnliches Know-how verfügt. Und wenn ich eine Spindel in den Service geben muss, weiss ich, dass ich da auf der sicheren Seite bin mit Fehlmann. Das sind Faktoren, die spielen für uns eine ganz wesentliche Rolle. Da geht es um Prozesssicherheit und Vertrauen in die Produktionstechnik.»

Bereits 50 Stunden mannlos gefertigt

Bereits in den ersten Monaten nach Inbetriebnahme konnte die Versa mit ihrem Erowa-Palettensystem ihre Stärken unter Beweis stellen. Das 6-fach-Paletten-Wechselsystem ist eine Erowa-Standardlösung, bestückt mit MTS-400-Paletten (400 x 400 mm). Für den KWC-Werkzeugbau ist dieses Palettensystem von der Grösse und Anzahl her wie massgeschneidert.

Hanspeter Fehlmann: «Ein prozesssicheres Palettenwechsel-System war für uns ein ganz wichtiger Aspekt, um über das Wochenende und die Nacht mannarm fertigen zu können. Wir konnten bereits nonstop 50 Stunden mannlos fertigen. Das macht die Versa ausgezeichnet. Hier ist die Zuverlässigkeit, mit der das Fertigungssystem arbeitet, mit allem was dazugehört, schon beeindruckend. Und es zeigt sich aus meiner Sicht, dass die beiden Schweizer Unternehmen Fehlmann und Erowa ausgezeichnete Systempartner sind.»

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