Flexibel statt fix Manufacturing-as-a-Service wird zum Industriestandard

Ein Gastbeitrag von Berkeley Kommunikation 3 min Lesedauer

Die Fertigungsindustrie durchläuft einen tiefgreifenden Wandel. Manufacturing-as-a-Service (MaaS) entwickelt sich vom reinen Outsourcing-Modell zur strategischen Antwort auf Fachkräftemangel, steigende Produktionskomplexität und den Druck zu mehr Nachhaltigkeit. Angetrieben von Künstlicher Intelligenz ermöglicht MaaS Unternehmen, flexibel auf spezialisierte Fertigungskapazitäten zuzugreifen – ohne eigene Investitionen in Maschinen und Know-how.

Plattformen wie das Partfox-Netzwerk verbinden Einkäufer in Echtzeit mit passenden CNC-Fertigern.(Bild:  Orderfox)
Plattformen wie das Partfox-Netzwerk verbinden Einkäufer in Echtzeit mit passenden CNC-Fertigern.
(Bild: Orderfox)

Ein mittelständisches Maschinenbauunternehmen erhält einen Grossauftrag, doch die eigenen CNC-Kapazitäten sind ausgelastet, Fachkräfte fehlen, und für einen Einzelauftrag lohnt sich die Investition in neue Maschinen nicht. Was vor wenigen Jahren noch ein echtes Problem gewesen wäre, lässt sich heute innerhalb von Stunden lösen. Über eine digitale Plattform findet sich ein spezialisierter Fertigungsbetrieb, der exakt die benötigten Kapazitäten und Kompetenzen mitbringt. Der Auftrag läuft, die Lieferkette steht – ganz ohne eigene Investitionen.

Dieses Szenario beschreibt den Kern von Manufacturing-as-a-Service (MaaS). Statt in eigene Produktionskapazitäten zu investieren, lagern Unternehmen ihre Fertigung zunehmend an spezialisierte Dienstleister aus und konzentrieren sich auf ihre Kernkompetenzen. Das Modell optimiert Fertigungsabläufe, steigert die Effizienz und senkt Betriebskosten, indem es Fertigungswissen gezielt zum richtigen Zeitpunkt vernetzt. Künstliche Intelligenz beschleunigt diesen Wandel zusätzlich, denn KI-gestützte Plattformen analysieren Angebotsanfragen in Echtzeit und matchen sie präzise mit passenden Fertigern – basierend auf Technologie, Erfahrung und verfügbaren Kapazitäten.

Die Treiber hinter MaaS

Die Entwicklung von MaaS wird von mehreren zentralen Trends vorangetrieben:

  • KI-gestütztes Matchmaking: Künstliche Intelligenz analysiert Angebotsanfragen (Request for Quotation = RFQ) mit hoher Präzision und extrahiert spezifische Anforderungen, die auf die Maschinenparks von Fertigern zugeschnitten sind. So sinkt der manuelle Abstimmungsaufwand, Anfragen landen bei den wirklich passenden Betrieben und Kapazitäten werden besser ausgelastet. Plattformen wie das Partfox-Netzwerk setzen auf diese Technologie, um Einkäufer in Echtzeit mit passenden CNC-Fertigern zu verbinden.
  • Höhere Präzision und engere Toleranzen: Industrien fordern zunehmend präzisere Bauteile. Fortschritte in Maschinentechnik, Werkzeugen und Programmierung ermöglichen Mikrometer-Präzision – besonders relevant für Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik und Elektronik. MaaS-Plattformen erleichtern den Zugang zu genau diesen Hochpräzisions-Fertigern, ohne dass Unternehmen selbst in teure Spezialmaschinen investieren müssen.
  • Multi-Achsen-Bearbeitung: Maschinen, die Werkzeuge entlang mehrerer Achsen gleichzeitig bewegen, realisieren komplexe Geometrien und filigrane Designs, die zuvor schwer umsetzbar waren. MaaS erleichtert es, spezialisierte Fertigungsunternehmen für solche Präzisionsarbeiten zu finden.
  • Fortschrittliche Werkzeuge und Materialien: Hochleistungs-Werkzeugmaterialien und moderne Beschichtungen erhöhen die Standzeit, reduzieren Verschleiss und ermöglichen höhere Schnittgeschwindigkeiten. Über MaaS-Modelle können Unternehmen gezielt Anbieter wählen, die auf bestimmte Materialien oder Werkzeugtechnologien spezialisiert sind – statt selbst für jeden Anwendungsfall eigene Kapazitäten vorzuhalten.
  • Software-Optimierungen: Intuitive Programmier-Oberflächen und Simulationssoftware visualisieren Fertigungsprozesse vorab und minimieren Fehler sowie Kollisionen. Diese Entwicklungen ermöglichen eine fehlerfreie, effiziente und skalierbare Produktion. Für MaaS bedeutet das: Digitale Fertigungsdaten lassen sich besser nutzen, um Angebote zu präzisieren, Fertigungszeiten realistischer zu kalkulieren und Kapazitäten gezielt zu planen.
  • Individualisierung und Kleinserienfertigung: CNC-Bearbeitung ist längst nicht mehr nur für die Massenproduktion gedacht. Nischenmärkte und kundenspezifische Anforderungen treiben den Trend zu Rapid Prototyping und Kleinserien.
  • Nachhaltige Fertigung: Nachhaltigkeit ist integraler Bestandteil moderner Produktion. MaaS ermöglicht es Unternehmen, gezielt nach umweltfreundlichen Produktionspartnern zu suchen und ressourcenschonende Fertigung einfacher zu realisieren.

MaaS in der Praxis: Plattformen als Vermittler

Verschiedene Anbieter setzen bereits auf KI-gestütztes Matching, um Einkäufer und Fertiger zusammenzubringen – darunter auch Partfox von Orderfox. Solche Plattformen analysieren Werkstück-Anforderungen automatisiert und gleichen sie mit den Kapazitäten und Kompetenzen von Fertigungsbetrieben ab.

«Fachkräftemangel, steigende Komplexität, wachsender Kostendruck und die Forderung nach mehr Flexibilität – die Fertigungsindustrie steht vor enormen Herausforderungen. MaaS liefert Antworten auf genau diese Fragen», sagt Timur Göreci, CRO bei Orderfox. «Mit der Weiterentwicklung von MaaS wird die Industrie nicht nur vernetzter und effizienter, sondern auch nachhaltiger – weil Kapazitäten besser ausgelastet und Ressourcen gezielter eingesetzt werden.»

MaaS als neue Normalität

MaaS entwickelt sich vom Nischenmodell zum festen Bestandteil industrieller Wertschöpfung. Je leistungsfähiger die KI-gestützten Plattformen werden, desto schneller und präziser finden Aufträge ihren Weg zu passenden Fertigern. Für Unternehmen bedeutet das; wer MaaS strategisch nutzt, gewinnt Flexibilität, ohne an Qualität oder Kontrolle einzubüssen. Die Frage ist nicht mehr, ob sich das Modell durchsetzt – sondern wie schnell.

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