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Monozukuri: Japanische Exzellenz

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Monozukuri – der japanische Weg

Trotz steigender Absatzzahlen gilt der japanische Markt nach wie vor als schwierige Absatzregionen. Ein Grund dafür ist die inländische Orientierung der Käufer und die grundsätzlich hohe Qualität japanischer Produkte. Wie wird diese erreicht? Kunio Tsugami, Generalsekretär der Vereinigung Japanischer Werkzeugmaschinenhersteller, ging in seiner Einführung für die Schweizer Lernenden und Studenten auf ein wichtiges Konzept ein, das an der Messe und den nachfolgenden Firmenbesichtigungen immer wieder herausgestrichen wurde: Monozukuri. Das Wort lässt sich nicht wirklich übersetzen. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet es die Fähigkeit, exzellente Produkte herzustellen. Der Weg dahin führt dabei über jahrelange, praktische Erfahrung und das Bestreben, die Produktionsverfahren stets zu verbessern. «Monozukuri entsteht nicht primär in formellen Ausbildungsmodulen, sondern auf der Produktionsebene in den Industriehallen», erklärte Tsugami.

Wie unterschiedlich Monozukuri in Japan gelebt wird, und wie verschieden sich die schulischen und praktischen Ausbildungen schliesslich zu einem Ganzen zusammenfügen, konnten die Teilnehmer des ‚Young People Programm‘ beim Besuch von zwei Universitäten und vier Unternehmen erfahren. Während bei den Grossunternehmen DMGMori und Okuma vor allem der Automatisierungsgrad und die standardisierten Produktionsabläufe beeindruckten, waren es bei den KMU-Betrieben ClimbWorks und Kashifuji das handwerkliche Knowhow und der hohe Grad an kundenspezifischer Produktion.

Gesuchte Fachkräfte

Die angestrebte Exzellenz, mit welcher sich japanische Firmen von der internationalen Konkurrenz abheben wollen, ist nur mit guten Fachkräften erreichbar. Doch diese zu finden und ans Unternehmen zu binden, ist auch in Japan zunehmend schwierig geworden. Wie Tesuya Tashiro von der Osaka Prefecture University erläuterte, finden derzeit 100% seiner Kosen-Absolventen (College of Technology) unmittelbar nach ihrem Abschluss eine Anstellung. Auch ist es üblich, dass Studenten auf Masterstufe bereits lange vor Studienabschluss über einen Arbeitsvertrag verfügen. Die Tatsache, dass Japan derzeit mit einer schrumpfenden Bevölkerung konfrontiert ist, erschwert die Fachkräftesituation zusätzlich.

Unternehmen investieren viel in Aus- und Weiterbildung

Da das japanische Bildungssystem nicht dual aufgebaut ist, investieren die Unternehmen erheblich in die praktische Aus- und Weiterbildung der Studienabgänger. Nur so erreichen sie das betriebsspezifische Savoir-faire, das sich letztlich in den Produkten widerspiegelt. Die Ausbildungsinvestitionen lohnen sich, da die Mitarbeitenden oft über viele Jahre im gleichen Unternehmen tätig sind.

In der Schweiz ist Monozukuri durch die Kombination von Theorie und Praxis weitgehend ins duale Bildungssystem eingewoben. Das Schweizer Modell verlangt im Gegenzug jedoch einen höheren Koordinationsaufwand zwischen Bund, Kantonen und Unternehmen, um gemeinsame Standards und Ausbildungsinhalte festzulegen. Liegen diese auf allen Ausbildungsebenen vor, ergibt sich daraus jedoch eine erhöhte Flexibilität im Arbeitsmarkt, da Facharbeiter ihr Wissen einfacher in ein anderes Unternehmen transferieren können.

Den offenen Austausch erhalten

Bildungssystem, Arbeitsorganisation und Geschäftspraktiken sind oft stark von den kulturellen und historischen Begebenheiten eines Landes abhängig. Das ‚Young People Program‘ schloss daher neben Firmenbesuchen bewusst auch das Kennenlernen wichtiger japanischer Kulturstätten wie Shinto-Schreine, Buddha-Tempel oder feudaler Residenzen ein, die auch heute noch ein Schlüssel für das tiefere Verständnis des Landes sind.

Denn Monozukuri allein genügt in einem internationalen Umfeld oft nicht für den Geschäftserfolg. Die Anpassungsfähigkeit an lokale Begebenheiten spielt eine wichtige Rolle und stellte in der Vergangenheit oft eine Stärke der Schweizer Exportunternehmen dar. Aktuelle politische Abschottungstendenzen, wie sie in der Schweiz derzeit verstärkt propagiert werden, laufen diesem traditionell offenen Schweizer Unternehmergeist entgegen. Das ‚Young People Program‘ ist daher nicht nur eine Investition in die Ausbildung talentierter Jugendlicher, es ist auch ein Programm gegen Isolationismus, das an 150 Jahre des gegenseitigen Austauschs anknüpft. <<

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