Hannover Messe 2010 Nase vorn im Wind

Redakteur: Redaktion SMM

Klimafreundlich Strom erzeugen: Das ermöglicht ein neuartiges Windrad, das der Engineering- und Fertigungs-Dienstleister PSA - Paul Schilling AG mit innovativen Lösungen bis zur Marktreife entwickelt hat. Ab Ende Februar 2010 wurden die ersten fünf Kleinwindanlagen ausgeliefert. Dank der grossen Nachfrage steigt PSA jetzt in die Serienfertigung ein.

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Sorgfältig verpackt in grosse Holzkisten liegen drei sechs Meter lange Rotorblätter in der Montagehalle von PSA in Au (SG). Ein Monteur befestigt letzte Schrauben am Generator - dem Herzstück der neuen Kleinwindanlage. Sie soll künftig die Windpark-Landschaft in der Schweiz bereichern: als Pilotprojekt für das Migros-Verteilzentrum in Gossau. «Weitere Anlagen werden nach Deutschland und nach Asien geliefert», berichtet PSA-Projektleiter Michael Reich. Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten produziert die Schweiz wenig Windstrom: Der Markt gilt wegen Mangel an starken, konstanten Winden für Grosswindanlagen als eher klein. Weltweit betrachtet, wächst die Windkraftindustrie zurzeit mit 25% pro Jahr. Das birgt auch neue Chancen für den Export Schweizer Technologie.

Die PSA erhofft sich von der jetzt in den Markt eingeführten Kleinwindanlage vom Typ ev600 mehr als ein gutes Geschäft, wie CEO Lukas Betschon betont: «Wir waren sofort überzeugt vom Projekt und der Professionalität der envergate-Leute. Gerade in schwierigen Zeiten muss man Risiken eingehen, um weiter- zukommen.»

Rotoren drehen vertikal

Auftraggeber und PSA-Kooperationspartner in diesem Projekt ist die junge Firma envergate aus Horn (SG) - ein Lösungsanbieter im Bereich erneuerbare Energien mit Fokus auf Windenergie im Kleinwindsegment bis 100?kW. Einer der envergate-Gründer, Roman Bühler, hatte vor über drei Jahren begonnen, das Design zur neuartigen Windanlage zu entwickeln - mit drei aerodynamisch geformten Flügeln, einer vertikalen Drehachse (H-Rotor) und einer ausgeklügelten Pitch-Steuerung, die über eine Windfahne geregelt wird und auch auf turbulente, leichte Windrichtungsänderungen reagiert. Automatisch werden damit die Rotorflügel über ein bewegliches Gestänge immer optimal in den Wind gestellt.

Den mechanischen Entwicklungspart für diese Anlage übernahm die PSA mit Projektstart im März 2009. PSA-Konstrukteur und Projektleiter Michael Reich erläutert: «Unsere Herausforderung war es, ausgehend vom Grobgerüst das Ganze so zu dimensionieren, dass die Kräfte in maximale Leistung umgesetzt werden und dass es ein beherrschbarer Prozess wird - bis hin zur Fertigung und zur Montage.» Zentrale Aufgabe war es, für den Synchron-Generator mit Permanentmagnet ein passendes Gehäuse zu entwerfen, für den H-Rotor ohne zusätzliches Getriebe Lager zu entwickeln sowie die hohen Sicherheitsnormen mit guten Regelungsmöglichkeiten und einer zuverlässigen Bremse und einer Sturmsicherung zu erfüllen. Geprüft wurden von PSA auch Fertigungsmethoden und materialtechnische Fragestellungen.