Auf der Grob-Hausmesse vom 1. bis 4. April drehte sich alles um modernste Fertigungstechnologien und effiziente Produktionslösungen. Fast 4000 Besucher konnten eine beeindruckende Anzahl von 4- und 5-Achs-Universalbearbeitungszentren unter Span begutachten. Spannende Live-Bearbeitungen zeigten die Leistungsfähigkeit der Maschinen in Echtzeit – ein echtes Highlight für alle Technik- und Produktionsbegeisterten.
Fast 4000 Besucher aus dem In- und Ausland besuchten das Grob Open House. Knapp 80 davon kamen aus der Schweiz.
(Bild: Grob-Werke)
«Wir haben uns gefreut, unseren Kunden die neuesten Innovationen zu präsentieren und ihnen zu zeigen, wie sie ihre Fertigung noch effizienter und flexibler gestalten können – insbesondere in Kombination mit den Grob-Automationslösungen», freute sich Christian Müller, Geschäftsführung Vertrieb Grob-Werke.
Mit 10 000 Mitarbeitenden konsequent in Richtung Elektromobilität
Hierbei muss betont werden, dass der fertigungstechnische Zerspanungsbereich lediglich ein Teilsegment der Grob-Werke umfasst, aber für die Schweiz das wichtigste Segment ist.
Mit fast 10 000 Mitarbeitenden setzt Grob neben den Bearbeitungszentren konsequent auf Lösungen für die Elektromobilität und hat sich weltweit zu einem der wichtigsten Player in diesem Segment etabliert. Aber das ist ein anderes Thema – der Fokus liegt mehrheitlich auf den Märkten USA, Japan, China und Deutschland und kaum auf der Schweiz, wie der Geschäftsführer Wolfgang Ulmer von Grob Schweiz gegenüber dem SMM betonte.
Gleichwohl ist die Entwicklung, die Grob Deutschland im E-Mobility-Segment realisiert hat, absolut beeindruckend. Grob entwickelt komplexeste Produktionsstrassen zur Herstellung hochpräziser Komponenten für die E-Mobility und hat sich damit ein zukunftssicheres Standbein geschaffen.
Interview
Wolfgang Ulmer (Managing Director Grob Schweiz AG): «Schweizer Unternehmen und Forschungseinrichtungen beobachten und beteiligen sich aktiv an Entwicklungen im Bereich der Elektromobilität, insbesondere im Hinblick auf die Herstellung von Batteriekomponenten und -Montagesystemen.»
(Bild: Matthias Böhm)
Mit der Grob Schweiz AG setzen die Grob-Werke auf eine eigenständige Schweizer Niederlassung, um den Schweizer Produktionsstandort vollumfänglich mit einem breiten fertigungstechnischen Dienstleistungsangebot abzudecken. Während des Open House in Mindelsheim (D) konnte die SMM-Redaktion mit dem Schweizer Managing Director Wolfgang Ulmer ein Interview führen.
Wie viele Schweizer Kunden haben das Grob Open House in diesem Jahr besucht?
Wolfgang Ulmer (Managing Director Grob Schweiz AG): In diesem Jahr waren wir sehr zufrieden mit den Anmeldungen aus der Schweiz, vorab haben sich über 60 Kunden zu unserem Open House in Mindelheim registriert. Was eine Verdopplung der Anmeldezahlen zum Vorjahr bedeutet. In Summe waren dann knapp 80 Schweizer bei uns im Allgäu zu Gast.
Die Grob-Werke haben mit der G-Baureihe eine universelle Fräsmaschine entwickelt. Was zeichnet das Werkzeugmaschinenkonzept aus Anwendersicht besonders aus?
W. Ulmer: Hohe Stabilität und Dynamik: Die Maschinen bieten eine hohe Stabilität, insbesondere bei der Bearbeitung von schwer zerspanbaren Materialien und sie reduzieren die Bearbeitungszeit von Bauteilen erheblich.
Kompakter Platzbedarf: Durch die Integration von Kühlmitteltank, Späneförderer und Papierbandfilter benötigen die Maschinen weniger Stellfläche, was die Installation vereinfacht.
Welche Automationslösungen gibt es zu der G-Baureihe und wie können die Werkzeugmaschinen miteinander verkettet werden?
W. Ulmer: Mittlerweile bietet das Grob-Portfolio jede erdenkliche Automationslösung für unsere Universalmaschinen an. Vom einfachen Palettenrundspeicher über lineare Palettenspeichermodule zum Verketten mehrerer Maschinen bis zur komplexen Roboter-Automation und zu unserem fahrerlosen Transportsystem GMR können Kunden aus einer grossen Bandbreite auswählen, bzw. die für sie bestmögliche Automation wählen. Auch ist die immens wichtige Leitsteuerung «GROB4Automation» für jede Lösung verfügbar.
Für den E-Mobility-Bereich entwickelt, fertigt und montiert Grob komplexeste Anlagensysteme inklusive Batterie-Montageanlagen. Dieser Sektor macht mehr als die Hälfte des Umsatzes der Grob-Werke aus und ist absolut zukunftsgerichtet. Wie betrachten Sie dieses relativ junge und enorm gewachsene Technologiefeld aus Schweizer Perspektive?
W. Ulmer: Der E-Mobility-Bereich ist ein zukunftsweisendes Technologiefeld mit erheblichem Wachstumspotenzial. Schweizer Unternehmen und Forschungseinrichtungen beobachten und beteiligen sich aktiv an Entwicklungen in diesem Sektor, insbesondere im Hinblick auf die Herstellung von Batteriekomponenten und -Montagesystemen. Die Fertigung komplexer Anlagensysteme, wie sie von Grob angeboten werden, ist entscheidend für die Weiterentwicklung der Elektromobilität und wird auch in der Schweiz zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Premiere 1: Maximale Flexibilität mit dem neuen Vario-Rundtisch
Ein absolutes Highlight der Messe war die Vorstellung des neuen Vario-Rundtischs auf der «G550», einer speziellen Tischlösung für Turbinenteile wie auch dünne schlanke Werkstücke. «Mit dem Vario-Rundtisch setzen wir neue Massstäbe in der Fertigung für Turbinenschaufeln jeglicher Art», erklärt Sebastian Schön, Leiter Anwendungstechnik bei Grob. «Durch den modularen Aufbau können unsere Kunden individuell wählen – vom Basismodul bis hin zu zwei hochdynamischen, direkt angetriebenen B-Achsen.»
Höhere Genauigkeit beim Schlichten: Spannungen beim Schruppen freigeben
Die unabhängigen B-Achsen sind mit spezialisierten Antriebskonfigurationen ausgestattet, um Spannungen beim Schruppen freizugeben und eine Bauteilverwindung beim Schlichten zu vermeiden. Diese Innovation ermöglicht eine noch höhere Präzision in der Bearbeitung. Zusätzlich verfügt der Vario-Rundtisch über eine verfahrbare Gegenhalterachse, die für unterschiedliche Bauteilgrössen bis zu 700 mm Rohteillänge konzipiert ist.
«So können wir eine Vielzahl von Werkstücken flexibel und effizient bearbeiten», betont Sebastian Schön. Ein weiteres entscheidendes Merkmal ist die hervorragende Oberflächengüte, die durch die stabile Maschinenbauweise mit liegender Spindel und optimierten Achsantrieben erreicht wird. «Unsere Kunden profitieren von einem noch höheren Qualitätsstandard – selbst bei anspruchsvollsten Materialien und Geometrien», so Sebastian Schön weiter.
Premiere 2: Neue Massstäbe in der Fräs-Dreh-Bearbeitung
Neben dem Vario-Rundtisch feierte eine weitere Innovation ihre Premiere: Die neue Fräs-Dreh-Maschine mit hydraulischer Spannung. «Unternehmen, die eine effiziente Produktion von Fräs-Dreh-Teilen in mittleren bis grossen Losgrössen benötigen, finden in dieser Maschine die perfekte Lösung», erklärt Sebastian Schön. Besonders hervorzuheben ist die intelligente Sensorik, die für maximale Prozesssicherheit sorgt. Dadurch werden Fertigungsprozesse noch zuverlässiger und bedienerfreundlicher. Ein weiterer Vorteil: Der permanente Spanndruck, der auch während der Drehbearbeitung aufrechterhalten bleibt. Dies führt zu einer gleichbleibend hohen Präzision und verringert das Risiko von Spannfehlern oder Materialverformungen. «Sicherheit hat für uns höchste Priorität», fügt Sebastian Schön hinzu. Deshalb verfügt die Fräs-Dreh-Maschine über redundante Sicherheitsabfragen, die den Bediener und die Maschine optimal schützen.
Stand vom 30.10.2020
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Premiere 3: Mehr Paletten und Möglichkeiten bringen höhere Laufzeit: der neue PSS-R900
Ein weiteres Highlight der Hausmesse war die Premiere des neuen Palettenrundspeichersystems PSS-R900. Diese innovative Lösung wurde entwickelt, um die Produktivität und Effizienz in der Fertigung zu steigern. «Mit dem PSS-R900 können unsere Kunden ihre Fertigungsprozesse weiter steigern», erklärt Ralph Birkle, Teamleiter Projektierung. «Durch eine intelligente Auftragsplanung und eine ergonomische Maschinenbedienung sorgen wir für eine durchgängige Produktion bei minimierten Stillstandzeiten.»
Das System überzeugt mit einer Reihe von Vorteilen:
Maximale Produktivität durch eine gesteigerte Ausbringung und eine noch effizientere Nutzung der Maschinenkapazitäten.
Kosteneffizienz, da die Stückkosten durch eine höhere Automatisierung und Prozessstabilität gesenkt werden.
Optimierte Produktionsprozesse, die eine lückenlose Fertigung sicherstellen.
Hauptzeitparalleles Rüsten, um Maschinenstillstände komplett zu vermeiden.
«Besonders hervorzuheben ist die flexible Konfigurierbarkeit des PSS-R900», erklärt Ralph Birkle weiter. Kunden können zwischen der Integration eines oder zweier Bearbeitungszentren wählen, um die Effizienz der Fertigung optimal anzupassen.
Zusätzlich ermöglicht das System individuelle Speichereinteilungen mit oder ohne Paletten-Turm-Speicher (PTS), je nach den spezifischen Anforderungen des Produktionsumfelds. Die variable Palettenkapazität erlaubt eine flexible Anpassung zwischen 15 und 32 Palettenplätzen, sodass das System problemlos auf unterschiedliche Bedürfnisse zugeschnitten werden kann. «Mit dem PSS-R900 sind unsere Kunden bestens für die Herausforderungen der modernen Produktion gerüstet», fasst Ralph Birkle zusammen.