Trumpf: Abläufe standardisieren und automatisieren Next Generation: Flexibel sein und ständig weiterbilden

Von Konrad Mücke 3 min Lesedauer

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Wie bewältigen Schweizer Produktionsgesellschaften international tätiger Unternehmen, auf Dauer wettbewerbsfähig zu bleiben? Darüber sprachen wir mit Tobias Unger, zuständig für Human Resources und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Trumpf Schweiz AG.

Mit interessanten Inhalten motivieren: Die nächste Generation ist gefordert, ausgehend von einer soliden Grundausbildung sich fortlaufend weiterzubilden sowie für neue Inhalte offen und flexibel zu sein. (Bild:  Trumpf)
Mit interessanten Inhalten motivieren: Die nächste Generation ist gefordert, ausgehend von einer soliden Grundausbildung sich fortlaufend weiterzubilden sowie für neue Inhalte offen und flexibel zu sein.
(Bild: Trumpf)

SMM: Herr Unger, neben zahlreichen wirtschafts­politischen Bedingungen stellt derzeit vor allem der Mangel an Arbeits- und Führungskräften besondere Forderungen an produzierende Unternehmen in der Schweiz. In welchem Umfang ist die Trumpf Schweiz AG davon betroffen?

Tobias Unger: Auch die Trumpf Schweiz AG kämpft mit dem Mangel an Fachkräften. Insbesondere unsere ländliche Lage bedeutet, dass unser Pool um Fachkräfte kleiner ist als in einer Metropolregion wie beispielsweise Zürich.

Welche Schwerpunkte gibt es nach Ihren Erfahrungen beim Mangel an Arbeitskräften? Welche beruflichen Ausbildungen und Arbeitsbereiche sehen Sie besonders betroffen?

T. Unger: Derzeit haben wir die grössten Schwierigkeiten bei der Einstellung von Elektrikern, insbesondere mit höheren Weiterbildungen. Aber auch spezialisierte, erfahrene Controller, die in einem Konzern arbeiten können, fehlen und sind schwer zu bekommen.

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Wie bereiten Sie Ihr Unternehmen strategisch auf die Situation mangelnder Arbeitskräfte vor?

T. Unger: Einerseits arbeiten wir sehr viel enger mit unserem Headquarter in Deutschland zusammen und beziehen viele Leistungen darüber. Auf der anderen Seite müssen wir vor allem Fachkräfte in die Region, bei uns Graubünden, bringen. Das können wir nicht allein, daher arbeiten wir hier mit dem Kanton und anderen benachbarten Firmen zusammen, um Werbung für den Standort als Arbeitsregion zu machen.

Welche Investitionen sind nach Ihrer Meinung wichtig, um trotz weniger Personal künftig wett­bewerbsfähig in der Schweiz produzieren zu können?

T. Unger: In der Schweiz sind wir in Bezug auf Löhne und Ausbildung sehr wohl wettbewerbs­fähig und profitieren von einer stabilen politischen Situation. Auch die Ausbildung hat einen hohen Stellenwert. Daher haben wir eine sehr gute Ausgangslage. Aber wir müssen weiter in den Standort und in Automatisierung investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das auch, um unseren aktuellen Mitarbeitern sowie auch hinzukommenden Mitarbeitern interessante und sich weiterentwickelnde Aufgaben anbieten zu können. Denn auch das Halten von Mitarbeitern, die unsere Prozesse und Produkte kennen, ist elementar wichtig.

Wie können Unternehmen agieren, um auch mit weniger Personal wachsen zu können?

T. Unger: Nach meiner Ansicht gilt es, Prozesse zu hinterfragen, zu standardisieren und dann zu automatisieren. Das klingt simpel, aber betrifft alle Bereiche des Unter­nehmens. Hier kann man viel Ef­fizienz gewinnen. Ein weiterer Vorteil ist, dass man bei der konsequenten An­wendung dieser Methodik alle dazu motiviert, miteinander zu reden. Nur so kann man an Prozessen arbeiten und über Schnittstellen hinweg den Standard finden, den man wiederum automatisieren kann.

Welche Bedeutung haben für Sie Aus- und Weiterbildung, um für Ihr Unternehmen Fachkräfte mit geeigneten Qualifikationen und in ausreichender Anzahl zu bekommen?

T. Unger: Für Trumpf Schweiz AG hat die Aus- und Weiterbildung einen sehr hohen Stellenwert. Wir beschäftigen immer mehr Lernende und werden ab August 2024 zum ersten Mal über 50 Lernende bei uns ausbilden. Aber auch Weiterbildungen sind ein wichtiges Human-Resources-Instrument für uns. Damit steigern wir die Motivation der Mitarbeiter und halten das Fachwissen auf dem aktuellen Stand. Das ist wichtig, um sich den neuen Herausforderungen unserer immer kurzzyklischer werdenden Arbeitswelt stellen zu können.

Welche Qualifikationen werden nach Ihrer Einschät­zung künftig wichtiger werden, damit Produktions­unternehmen weiterhin wirtschaftlich arbeiten können?

T. Unger: Ich glaube, es gibt nicht die eine Qualifikation. Wichtig ist, dass man flexibel und offen bleibt, sich anzupassen und zu verändern. Daher sind eine gute Grundausbildung und ständiges Weiterlernen so wichtig.

Was werden Arbeitgeber bieten müssen, damit sie für Fachkräfte attraktiv sind und qualifiziertes Personal in ausreichender Anzahl an sich binden können?

T. Unger: Neben den Grundanforderungen nach angemessenem Lohn, flexiblen Arbeitszeiten und einem interessanten Aufgaben­feld ist es meiner Einschätzung nach die Unternehmenskultur. Diese beginnt bei der Führung. Dazu gehört auch, Verantwortung an Mitarbeitende zu geben, Freiräume zu lassen und eine klare Richtung vorzugeben. Und ebenfalls wichtig: eine Kommunikation auf Augenhöhe – die Zeiten von starren hierarchischen Strukturen sind aus meiner Sicht vorbei.

Herr Unger, vielen Dank für das Interview.

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