Produktschutz: Top-Thema auf der Hannover Messe

Redakteur: Redaktion SMM

Produktpiraterie hat mittlerweile erschreckende Ausmasse angenommen, viele Branchen sind zunehmend von Plagiaten und Fälschungen betroffen. Der volkswirtschaftliche Schaden durch Produkt- und Markenpiraterie soll allein in Deutschland rund 30 Milliarden Euro jährlich betragen. Die Hannover Messe 2010 fokussiert auf die Thematik und zeigt intelligente Lösungen zum Schutz gegen Produktpiraterie.

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Der wirtschaftliche Schaden, der allein den deutschen Maschinen- und Anlagenbauern im Jahre 2007 durch Produktpiraterie entstanden ist, beträgt laut einer Studie des VDMA (Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V.) etwa 7 Mia Euro. Zwei Drittel der dabei befragten Unternehmen gaben an, direkt betroffen zu sein, in 60 % der Fälle seien sogar komplette Maschinen nachgebaut worden. Wenn ein kopiertes Produkt zudem fehlerhaft ist und dadurch Schaden anrichtet oder eine Maschine nicht funktioniert, kann auch noch ein Produkthaftungs-Prozess auf den Hersteller zukommen.

Weltweit wird der durch Produktpiraterie entstandene wirtschaftliche Schaden in einer aktuellen OECD-Studie (November 2009) auf rund 184 Milliarden Euro taxiert. Juristische Regelungen wie Patente und Copyrights genügen bei weitem nicht. Jede Firma ist aber selbst dafür zuständig, ihre Produkte, Entwicklungen und Ideen zu schützen.

Hannover Messe 2010 widmet sich dem Thema intensiv

Der Ausstellungsschwerpunkt «Identification, Vision & Protection» präsentiert auf der Hannover Messe 2010 umfassende Lösungen zum Produktschutz. Durch die Einbindung in die Leitmesse Industrial Automation profitiert der Schwerpunkt von Besuchern aus diesem Zweig der Industrie. Im Fokus steht der Gemeinschaftsstand Produktschutz (Halle 17, Stand C 14 bis D17). Hier zeigen Hersteller Lösungen, die sich bereits auf dem Markt bewährt haben. Darüber hinaus stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung Ergebnisse der Forschungsoffensive «Innovationen gegen Produktpiraterie» vor.

Die Nachfrage nach technologischen Lösungen gegen Produktpiraterie steigt generell. So sind etwa Unternehmen aus dem Automationsbereich daran interessiert, einerseits ihre eigenen Produkte zu sichern, anderseits auch selber spezifische Lösungen für ihre Kunden anzubieten.

Weltneuheit mit Schutzschild gegen Produktpiraten

Wie umfassender Schutz aussehen kann, zeigt ein weltweit erster Werkzeugmaschinen-Prototyp, den das Forschungsprojekt Pro Original ausstellt. In diesem Versuchsobjekt werden die Komponenten nicht nur durch Einzelmassnahmen geschützt, sondern zusätzlich auf Echtheit geprüft. Das geschieht, indem auf die Maschinensteuerung zurückgegriffen wird. Der neuartige Ansatz des Demonstrationsobjektes ist, die aktuelle Maschinenkonfiguration zu ermitteln und mit dem Originalzustand zu vergleichen. Abweichungen werden automatisch protokolliert und visualisiert. Das Exponat vereint verschiedene Schutztechniken und schafft einen Schutzschild gegen Produktpiraten für die Gesamtmaschine.

Joint Venture bietet IT-Dienst zur Produktverfolgung

Einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt auch der Zusammenschluss der Unternehmen SAP, Nokia und Giesecke & Devrient zum Gemeinschaftsunternehmen namens Original1 GmbH. Es präsentiert sein Projekt in der Halle 17, Stand D15/2. Eine zentrale Datenbank speichert Informationen und erleichtert die Produktverfolgung. Der Hersteller stattet seine Produkte mit Barcodes oder elektronischen Etiketten aus und versieht diese sowohl mit einer eindeutigen Identifizierungsnummer jedes Produktes als auch mit zusätzlichen Produktinformationen. Diese Informationen werden in der zentralen Datenbank von Original1 verschlüsselt vorgehalten. Ab diesem Punkt ist das Produkt registriert und kann jederzeit nachverfolgt werden.

Unverwüstliches chemisches Markierungs-System

Das Unternehmen Polysecure GmbH aus Freiburg zeigt als Lösung ein chemisches Markierungs-System, das medizinische und andere Produkte gegenüber Kopien und für die Qualitätssicherung identifizieren kann. Einzigartig ist die Möglichkeit, einen vom Anwender vorgegebenen Zahlencode in chemischer Form verschlüsseln und diesen mit geringem Aufwand wieder auslesen zu können. Das System ist physikalisch sehr stabil. «Wir können sogar Daten aus Schmelzen auslesen», sagt Roland Tessari, Vertriebsleiter von Polysecure dazu.