Werkzeug- und Prozessüberwachungssystem Prozessüberwachung steigert Standzeiten enorm

Von Manfred Lerch, Redaktion Lerch 4 min Lesedauer

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Mit der Investition in eine weitere Wirbelmaschine von Leistritz verfolgte das Unternehmen Lock Antriebstechnik in Ertingen das Ziel, künftig schneller und leichter umzurüsten und gleichzeitig eine mannlose Fertigung aufzubauen. Enorme Materialschwankungen führten allerdings häufig zu kostenintensiven Werkzeugbrüchen. 2022 investierte man deshalb in das Werkzeug- und Prozessüberwachungssystem «UT-Tm» von «UTTec». Seither haben sich die Standzeiten nahezu vervierfacht, die Qualität und Produktivität werden nun den aktuellen Ansprüchen gerecht.

Mit der Wirbelmaschine LWN 120 von Leistritz wollte man die Vorteile des Wirbelns mit einem schnelleren Umrüsten und einer mannlosen Fertigung verbinden.(Bild:  Manfred Lerch)
Mit der Wirbelmaschine LWN 120 von Leistritz wollte man die Vorteile des Wirbelns mit einem schnelleren Umrüsten und einer mannlosen Fertigung verbinden.
(Bild: Manfred Lerch)

Eine Wirbelmaschine von Leistritz hatte man schon. Auf Grund der durchweg positiven Erfahrungen investierte das Unternehmen Lock Antriebstechnik 2017 in eine weitere Wirbelmaschine von Leistritz, die LWN 120. Bei der Fertigung von Schnecken für Getriebe wollte man mit dieser Investition die Vorteile des Wirbelns, wie eine effiziente Trockenbearbeitung und die sehr hohe Oberflächenqualität, mit einem schnelleren Umrüsten und einer mannlosen Fertigung (Bestückung über Roboter) verbinden. Dieses Ziel schien in einem ersten Schritt gelungen. Bei der Bearbeitung bestimmter Module kam es allerdings immer wieder zu Brüchen der Werkzeugplatten. Die Standzeiten verringerten sich zu der Zeit enorm. Dazu Armin Schirmer, Leiter Fertigung Getriebeteile bei Lock Antriebstechnik: «So ein Bruch kommt ja einerseits durch den Verschleiss. Bei uns war es aber meist das zähe und sehr unterschiedliche Material. Die Schneide schmiert zu und es bildet sich eine Aufbauschneide. Der Druck wird dann zu gross, die Platte bricht. Deshalb haben wir gemeinsam mit Leistritz Beschichtungen getestet, Materialuntersuchungen durchgeführt, Spannzangen verändert, alles Mögliche ausprobiert und sind aber zu keinem Ergebnis gekommen. Unsere Vermutung war dann: Material und Schneide passen einfach nicht zusammen.»

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Ein noch grösseres Problem aber war, dass bei einem Werkzeugbruch auch die Maschinenkomponenten wie Spindel, Achsen etc. verschoben wurden und neu ausgerichtet werden mussten. Eine kostenintensive Massnahme. Deshalb wurde bei Leistritz ein System entwickelt, bei dem ein Messtaster mit einer eigenen Achse ein Masterprofil in der Steuerung speicherte, das Bauteil scannte und eine entsprechende Meldung zu Weiterbearbeitung oder Abbruch gab. Das Problem: eine Aufbauschneide ist kein regulärer Verschleiss. Und so ging man in Ertingen dazu über, nach einigen Schnecken Messungen durchzuführen und die Platten der Werkzeuge vorsorglich früh zu wechseln. So kam man zwar auf eine höhere Standzeit, hatte aber nachts nach wie vor das Problem in der mannlosen Fertigung und der enormen Werkzeugkosten.

Interessantes am Rande

Wirbelmaschinen sind ein Nischenmarkt. Deshalb legt Leistritz sehr grossen Wert auf Kundenzufriedenheit und ist natürlich daran interessiert, kontinuierlich weiterzuentwickeln. Das «UT-Tm»-System ist adaptierbar und kann so an allen Leistritz-Maschinen nachgerüstet werden.

Wegen der anfänglichen Skepsis bei den Verantwortlichen von Lock Antriebstechnik hat Leistritz das «UT-Tm»-System zunächst zum Testen angeboten. Das heisst, sollte es nicht funktionieren, hätte es Leistritz wieder zurückgenommen. Dazu kam es nicht, das System hat sich mittlerweile schon zu 70 Prozent amortisiert.

Mit optimierter Sensorik und entsprechender Software zum Ziel

Deshalb wurden bei Leistritz Werkzeugüberwachungssysteme von entsprechenden Herstellern getestet. Für Patrick Schuka, Vertriebsleiter Werkzeugmaschinen bei Leistritz, war das allerdings weniger zufriedenstellend: «Viele Systeme haben die Stromaufnahme gemessen; wenn es so zum Bruch kam, war es zu spät. Das heisst, die Systeme waren nicht sensibel genug, die Ergebnisse also nicht überzeugend. Deshalb haben wir dann irgendwann diese Tests eingestellt, denn wir wollten das Risiko nicht auf unsere Kunden abwälzen.» Durch die Zusammenarbeit mit «UTTec» hat sich das geändert. Nach intensiven Versuchen mit der Technologieabteilung von Leistritz war man bei «UTTec» überzeugt, dass diese Probleme mit herkömmlichen Standard-Überwachungen nicht zu lösen waren. Es folgten zahlreiche Tests und Analysen, mit der Erkenntnis, dass eine Erhöhung der Schnittparameter zu sehr feinen, fast pulverartigen Spänen führt. Für Uwe Schröter, Geschäftsführer bei «UTTec», war das der Ansatz zur Weiterentwicklung: «Diese Ergebnisse haben gezeigt, wohin wir bei der Analyse und Empfindlichkeit des Systems zu gehen hatten. Wir haben dann unsere Sensorik nochmals optimiert, eine entsprechende Software entwickelt und auf dieser Basis gemeinsam mit Leistritz Entwicklungen auf den Weg gebracht, die sich heute als erfolgreich erweisen.»

Vor einem Jahr wurde das System bei Lock Antriebstechnik vorgestellt. In Ertingen war man da aber zunächst mehr als skeptisch. Nach Auskunft von Armin Schirmer war die Skepsis aber wohl unbegründet, denn das System hat inzwischen nicht nur mehrmals vor einem Plattenbruch funktioniert, sondern hat sich auch schon zu 70 Prozent amortisiert. Und besonders erfreulich: für Jonas Zoll, den Maschinenbediener, ist das System relativ einfach zu verstehen: «Natürlich muss man sich damit eine gewisse Zeit befassen, bis jedes Programm zu einer Produktserie passt. Man muss ja auch nachjustieren, wenn andere Schnittparameter oder Werkzeuge zum Einsatz kommen. Aber das ist wirklich nicht schwer. Unsere Paradedisziplin ist beispielsweise ein bestimmtes Modul mit entsprechenden Stückzahlen. Wenn das System eingestellt ist, kann man das problemlos laufen lassen.» Unabhängig davon ist das «UT-Tm»-System inklusive einer Verschleissüberwachung. Damit lassen sich auch die Standzeiten der Platten der Werkzeuge optimieren. In Ertingen hat man das zwar bereits gemacht, viel wichtiger ist für die Verantwortlichen aber die Sicherheit, dass das System frühzeitig erkennt, wenn Gefahr im Verzug ist. Und weil dem so ist, lässt sich bei Lock Antriebstechnik jetzt auch verwirklichen, was bei der Investition in die LWN 120 geplant war: Die Maschine startet mit einer Palette Werkstücke kurz vor Schichtende und fertigt nachts, inzwischen auch tagsüber mannlos. Ausserdem haben sich die Standzeiten der Werkzeuge deutlich erhöht, und das bringt natürlich auch eine erhebliche Reduzierung der Werkzeugkosten.

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Über Lock Antriebstechnik

Das international führende Unternehmen für Antriebstechnik in der Landwirtschaft ist in verschiedenen Bereichen tätig. Neben Produktion und Vertrieb von Antriebselementen für die Lüftung, Schattierung von Gewächshäusern und Tierställen überzeugt Lock durch Lösungen für optimales Gebäudeklima, Umweltmanagement und Smart Farming. Das Unternehmen zeichnet sich ausserdem durch seine innovativen und nachhaltigen Ansätze sowie den engen Austausch mit landwirtschaftlichen Forschungseinrichtungen in ganz Europa aus.
Lock ist beim Wettbewerb «Deutschlands Beste Arbeitgeber» 2020 und 2022 von «Great Place to Work» als einer der besten Arbeitgeber ausgezeichnet worden.

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