Interview mit Hansruedi Wandfluh Qualität wird auch bezahlt

Redakteur: Silvano Böni

Schweizer Unternehmen stehen seit dem 15. Januar 2015 stark unter Druck und werden oft in ein Klischee gedrückt, welches nur bedingt den Tatsachen entspricht. Wir haben die Firma Wandfluh dazu befragt, wie sie sich als Schweizer Unternehmen im harten ausländischen Konkurrenzkampf behaupten kann und wie sie ihre Zukunftsaussichten sieht.

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(Bild: Wandfluh)

SMM: Herr Wandfluh, können Sie als Schweizer Unternehmer in Europa nach dem SNB-Entscheid noch Produkte verkaufen?

Hansruedi Wandfluh: Durchaus, das können wir, aber es ist nicht einfacher geworden. Der SNB-Entscheid hat uns genauso wie alle andern überrascht, nachdem deren Präsident noch zwei Wochen vorher beteuert hat, den Mindestkurs mit allen Mitteln verteidigen zu wollen. Und die Bemerkung wegen genügend Zeit tönt sarkastisch. Die Exportindustrie musste in den letzten drei Jahren eine Euroabwertung von über CHF 1,50 auf 1,20 verkraften. Dies ist dem produzierenden Gewerbe weitgehend gelungen. Es hat seine Hausaufgaben gemacht. Jetzt sind wir dazu verknurrt, nochmals einen Währungsverlust von 10 bis 15 Prozent zu schlucken. Dies führt kurzfristig unweigerlich zu Margenverlusten beziehungsweise zu Auftragsstopps seitens der Kunden. Und langfristig dürften bei der aktuellen Währungssituation Produktionsverlagerungen ins Ausland vermehrt zur Norm werden. Wer die aktuell schwierige Situation unbeschadet überlebt, dürfte gestärkt daraus hervorgehen. Schweizer Betriebe sind gezwungen, Kosten einzusparen und ihre Prozesse weiter zu optimieren und zu verbessern. Kurzfristig besteht die wichtige Zielsetzung darin, keine Aufträge zu verlieren.

Wie sieht es ausserhalb der Eurozone aus?

H. Wandfluh: Wir sind gut diversifiziert und lieferen die Produkte weltweit in diverse Branchen. Wichtige Märkte sind neben Europa auch Amerika und Asien/Pazifischer Raum. Der US Dollar hat sich kurzzeitig gegenüber dem Schweizerfranken auch negativ entwickelt. Doch inzwischen hat er sich einigermassen erholt. Mit dem heutigen Dollar-Kurs können wir leben.

Schweizer Produkte haben einen guten Ruf bezüglich Qualität. Sind die Kunden bereit, für Qualität auch dementsprechend zu bezahlen?

H. Wandfluh: Unsere Kunden sind in der Regel in Märkten mit hoher technischer Innovation und dadurch auch in Nischenmärkten anzutreffen. Wir entwickeln und produzieren Produkte, welche dem Kunden einen Mehrwert in seinem System generieren. Oft werden einfachere Funktionen mit Fremdkomponenten gelöst, was zu einem interessanten Produktemix für den Kunden führt. Der Kunde setzt höherwertige Produkte ein, wo er diese wirklich braucht. Gerade im Niedrigpreisland China wird Qualität hoch geschrieben und ein Schweizer Produkt für anspruchsvolle Funktionen wird bevorzugt. Dafür wird ein entsprechender Preis akzeptiert.

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