Rising Middle Class Wachsende Mittelschicht in Asien birgt Chancen

Redakteur: Susanne Reinshagen

Sich mit der wachsenden Mittelschicht in den Schwellenländern auseinanderzusetzen, wird zu einer zentralen Herausforderung für Schweizer Exporteure. Doch der wachstumsstärkste Markt ist nicht automatisch der beste. Die Gewinner des Export Awards von Switzerland Global Enterprise (S-GE) demonstrieren anschaulich, wie sich Exporterfolg heute in nah und fern realisieren lässt – trotz Frankenstärke. Wachstums-treiber für die Exportwirtschaft ist zudem das Zusammenspiel mit wertschöpfungsstarken angesiedelten Firmen aus dem Ausland.

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PPura Sagl und Amberg Technologies demonstrieren, wie komplexe Exportprojekte exzellent umgesetzt werden, und gewinnen den Export Award 2015. V. l. Ruth Metzler-Arnold, Verwaltungsratspräsidentin von S-GE, Cemal Cattaneo von PPura Sagl, Marcel Kalbermatter, CEO von Amberg Technologies, und Daniel Küng, CEO von S-GE.
PPura Sagl und Amberg Technologies demonstrieren, wie komplexe Exportprojekte exzellent umgesetzt werden, und gewinnen den Export Award 2015. V. l. Ruth Metzler-Arnold, Verwaltungsratspräsidentin von S-GE, Cemal Cattaneo von PPura Sagl, Marcel Kalbermatter, CEO von Amberg Technologies, und Daniel Küng, CEO von S-GE.
(Bild: S-GE)

Begründet in einer rapiden Zunahme der Wirtschaftskraft und Bevölkerungszahl in den Schwellenländern, erreichen global immer mehr Menschen ein Einkommen zwischen USD 1000 und 12 000 pro Jahr. Bis 2030 wird sich die weltweite Mittelschicht von 2,5 auf 5 Mrd. Menschen verdoppeln, wobei zwei Drittel davon in Asien leben werden. Dementsprechend wird Asien bis 2030 rund 60 % der weltweiten Konsumausgaben bestreiten. «Das massive Wachstum der Mittelschicht in den Schwellenländern stellt die weltwirtschaftlichen Verhältnisse auf den Kopf», interpretiert Daniel Küng, CEO von S-GE, die Ergebnisse der Studie (s. Infografik), die PwC im Auftrag von S-GE erstellt hat. Sie wurde am Aussenwirtschaftsforum präsentiert, das ganz im Zeichen der Rising Middle Class stand.

Zahlreiche Absatz-chancen

Erhebliche Wachstumschancen bieten sich für Schweizer Firmen aus Konsumgüterbranchen. In den 10 grössten Rising-Middle-Class-Märkten werden sich etwa die Ausgaben für Lebensmittel um 9 % pro Jahr steigern. Doch wo die Mittelschicht wächst, wächst auch der Bedarf nach einer funktionierenden Infrastruktur oder einem guten Gesundheitssystem. So können auch Schweizer Industrie-Exporteure massiv von der Rising Middle Class profitieren: In vielen Branchen – von der Medizintechnik über die ICT bis zum Verkehrswesen – erhöhen sich die jährlichen Ausgaben um 8 bis 9 % in den 10 Ländern mit der grössten wachsenden Mittelschicht.

Markteinstieg genau abwägen: Kein Asien-Automatismus

Diese vielfältigen Marktchancen zu realisieren, stellt besonders für KMU eine grosse Herausforderung dar. «Der Aufstieg der Mittelschicht bedeutet, dass die regionale Wirtschaft der Schwellenländer zu einer immer stärkeren Konkurrenz erwächst», erläutert Daniel Küng, «das wachstumsstärkste Land ist deshalb nicht automatisch das bestgeeignete für einen Schweizer Exporteur. Die Unternehmen müssen ganz genau analysieren, wo die Opportunitäten den Wettbewerb überwiegen. Doch gerade angesichts der Frankenstärke im Euroraum lohnt es sich, an der Diversifizierung der Exportmärkte zu arbeiten.»

Mehr Wettbewerbsfähigkeit durch ausländische Firmen

Angesichts der Verschiebung der globalen Wirtschaftskraft und des starken Frankens steht der Standort Schweiz unter Druck wie selten. «In diesem Umfeld ausgewählte, wertschöpfungsstarke Unternehmen ins Land zu holen, unterstützt nicht nur die Exportwirtschaft in ihrer internationalen Konkurrenzfähigkeit», erklärte Ruth Metzler-Arnold, Verwaltungsratspräsidentin von S-GE, während des Aussenwirtschaftsforums. «Diese Top-Firmen bringen neue Ideen und Innovationen ins Land, erteilen Schweizer KMU Aufträge oder finanzieren Forschungsprojekte an unseren Hochschulen.»

Dazu schaffen sie hochwertige neue Arbeitsplätze und zusätzliche Steuereinnahmen.

Gewinner des Export Award 2015

Mit cleverem Marketing trotz Frankenstärke erfolgreich im harten Detailhandel Deutschlands und dank Präzisionstechnologie profitieren von der wachsenden Mittelschicht und ihren Transportbedürfnissen in China: PPura, Dulliken, und Amberg Technologies, Regensdorf, demonstrieren, wie komplexe Exportprojekte exzellent umgesetzt werden. Dafür wurden sie heute im Rahmen des Aussenwirtschaftsforums von Switzerland Global Enterprise mit dem Export Award 2015 ausgezeichnet. Pura erhielt den Preis in der Kategorie «Step In» für ihren fulminanten Markteintritt in Deutschland und Amberg Technologies in der Kategorie Success für ihren langfristigen Erfolgexport in China.

PPura Sagl

Die PPura Sagl aus Dulliken SO wurde im Jahr 2009 von den italienischen Cousins Cemal Cattaneo und Maurizio Floccari gegründet. Nach dem Geheimrezept ihrer «Mammas» stellen sie in traditioneller Handarbeit Pasta aus apulischem Bio-Hartweizen her und vertreiben diese im hochpreisigen Premiummarkt. Neben Teigwaren gehören auch Pesto-Saucen und Olivenöle, ebenfalls in Bio-Qualität, zum Sortiment von PPura. Die Firma beschäftigt heute zwölf Angestellte für acht Vollzeitstellen und erzielte 2014 einen Umsatz im siebenstelligen Frankenbereich. Davon 85 Prozent im Export. Dank akribischer Vorarbeit ist Ppura in den letzten Jahren ein erfolgreicher Markteintritt in Deutschland gelungen.

Amberg Technologies

Die im Jahr 1981 aus der Messtechnik-Abteilung der Amberg Engineering AG gegründete Amberg Technologies AG bietet ihren Kunden praxiserprobte Produkte und spezifische Dienstleistungen für die Bahnvermessung, Tunnelvermessung und Tunnelseismik an. Die Pläne der chinesischen Zentralregierung zum Ausbau des Bahnnetzes für Hochgeschwindigkeitszüge veranlasste das Unternehmen 2005 zur Expansion nach Fernost. Um zu reüssieren, stellte Amberg Technologies unter anderem am Schweizer Sitz in Regensdorf einen chinesischen Ingenieur sowie weitere Vermessungsfachleute mit Kenntnissen des chinesischen Marktes ein. Die präzisen Messsysteme von Amberg Technologies haben sich in China hervorragend etabliert und dem Unternehmen 2014 vor Ort einen Umsatz in Millionenhöhe gebracht. Dies entspricht einem Viertel des Gesamterlöses. <<

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