Die bereits zum vierten Mal durchgeführte Swiss Managers Survey bei mehr als 340 Befragten aus dem mittleren und oberen Management gibt Einblicke in die aktuelle und erwartete Geschäftsentwicklung, in die Wettbewerbsfähigkeit sowie über Risiken und Unsicherheiten. Hier eine Zusammenfassung.
Die Sicherung der Lieferketten sehen 56 Prozent der Industriefirmen als grösstes Problem für die Wettbewerbsfähigkeit.
Die diesjährige «Swiss Managers Survey» zeigt, dass Unternehmen die Entwicklung der nächsten Monate positiver als im Vorjahr (März 2022) beurteilen. Nur eine kleine Minderheit erwartet eine Verschlechterung des Geschäftsgangs in der zweiten Jahreshälfte 2023. Beim aktuellen Geschäftsumfeld geben die Dienstleistungsunternehmen eine sehr positive Beurteilung ab – eine Verbesserung um 19.5 Prozentpunkte zum Vorjahr. Dies wird jedoch nicht geteilt von den Industrie-Firmen, deren Situation heute schlechter als letztes Jahr wahrgenommen wird.
Die Resultate decken sich mit unseren Informationen: Die Auslastung ist dank den hohen Auftragseingängen vom letzten Jahr zwar noch gut. Der jüngst erfolgte Rückgang bei den Bestellungen sowie der weltweit tiefe Stand des Einkaufsmanagerindexes PMI deuten jedoch für die kommenden Monate auf deutlich schwierigere Zeiten hin
Martin Hirzel, Vorsitzender des Beirats der ZHAW School of Management and Law und Swissmem-Präsident
KMU sehen sich im Nachteil bei Kampf um Talente
Die Stärken der Schweizer Unternehmen sind unverändert: Trotz höheren Kosten können sie sich dank hoher Qualität und Innovationskraft im internationalen Wettbewerb beweisen. Bei den konkreten Herausforderungen zeigt die diesjährige «Swiss Managers Survey», dass die Abhängigkeit von Zuwanderung, Fachkräftemangel und Lohndruck insbesondere für kleine Industriebetriebe stark spürbar ist. 51 Prozent der Befragten geben an, dass die starke Wettbewerbsfähigkeit zu Arbeitskräftemangel und Lohndruck (höhere Löhne) geführt hat. 63.2 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen die starke Abhängigkeit von Zuwanderung als problematisch. Verlierende in dieser Situation sind insbesondere kleinere Unternehmen: 70 Prozent der befragten KMU sehen sich im Kampf um Talente gegenüber den Grossfirmen benachteiligt. «Gründe für diese Schwierigkeiten der KMUs könnten die besseren Bedingungen, wie z.B. höhere Löhne oder Perspektiven, sein, welche Grosskonzerne ihren Mitarbeitenden anbieten», beurteilt Studienautor Prof. Dr. Florian Keller, Leiter des Center for Global Competitiveness der ZHAW School of Management and Law, die Situation.
Fusion von UBS und Credit Suisse kann Wirtschaftsstandort schaden
Die Übernahme der Credit Suisse durch die UBS wird zwar als Reputationsrisiko für den Wirtschaftsstandort Schweiz gesehen, für das eigene Geschäft wird allerdings nicht mit negativen Folgen gerechnet. Nur eine kleine Minderheit der befragten Schweizer Manager:innen (13.6 Prozent) glaubt, dass die Fusion der beiden Grossbanken für die eigene Firma negative Konsequenzen haben wird. «Es hat uns überrascht, dass die befragten Manager:innen aufgrund der Übernahme der CS durch die UBS nicht mit negativen Folgen für ihre Geschäftstätigkeit, wie z.B. teureren Krediten, rechnen», sagt ZHAW Professor Florian Keller. 61.8 Prozent der Teilnehmenden sind hingegen davon überzeugt, dass die Schweiz als Wirtschaftsstandort durch diese Übernahme Schaden genommen hat.
Risiko Lieferketten: Fokus auf Europa und grössere Lagerkapazitäten
Für 56.2 Prozent der Industriefirmen sind ihre Lieferketten aktuell das grösste Risiko. Die betroffenen Firmen sehen vor allem in der Beschaffung aus Europa und dem Aufbau von Lagerkapazitäten erfolgsversprechende Gegenstrategien. Bei der inländischen Beschaffung sind sich die Manager:innen nicht einig: «Es zeigt sich, dass für einige Firmen die inländische Beschaffung eine erfolgreiche Strategie ist – für andere, bei denen diese Option nicht existiert, ist der Zugang zum europäischen Beschaffungsmarkt zentral.» Studienleiter Prof. Dr. Keller (ZHAW) ergänzt weiter: «Die Umfrage zeigt darüber hinaus, dass der Zugang zu ausländischen Märkten essentiell für die Schweizer Wettbewerbsfähigkeit ist: Nur 5.7 Prozent der Teilnehmenden sehen dies nicht als bedeutsam.»
Cyber-Risiken für Kleinunternehmen grösste Bedrohung
Während die Industrie mit Lieferproblemen kämpft, sind für andere Unternehmen andere Risiken relevant: Mehr als 85 Prozent der Unternehmen, welche Cyber-Risiken als ihre größte Bedrohung angeben, haben weniger als neun Mitarbeitende. Bei den mittelgrossen Firmen geben zwei Drittel an, dass für sie finanzielle Risiken wie Wechselkursschwankungen, Inflation oder steigende Zinssätze am dringlichsten sind. <<
Swiss Managers Survey 2023
Die vierte «Swiss Managers Survey» befragte vom 17. April bis 7. Mai 2023 Unternehmen über das Geschäftsklima und spezifische Herausforderungen, mit welchen die Manager:innen in der Praxis konfrontiert sind. In der repräsentativen Umfrage befragten die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), die Fachhochschule Graubünden (FH Graubünden), die Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI) und die Haute École Arc (HE-Arc) die Alumni ihrer EMBA und MBA Programme. 340 Teilnehmende aus allen Landesteilen sowie aller relevanten Branchen gaben Einblick in ihre Firmen. Netzwerkpartner:innen des Projekts sind die Zürcher Handelskammer (ZHK), die Handelskammer und Arbeitgebervereinigung Winterthur (HAW) und die Handelskammer Schweiz - Mitteleuropa (SEC).
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