Auslandsmärkte

Risiko im Russlandgeschäft macht Asean-Staaten attraktiver

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Malaysia gilt in Südostasien als hoch entwickelter und teurer Standort. Der im vergangenen Jahr eingeführte Mindestlohn, die ständig steigenden Einkommen, fehlende Arbeitskräfte und der zunehmende Wettbewerbsdruck in Asien zwingen malaysische Industrieunternehmen dazu, ihre Fertigung zu automatisieren und die Produktivität zu erhöhen. Entsprechend gut sind die Chancen deutscher Hersteller der Robotik und der industriellen Bildverarbeitung. Kleinere und mittlere malaysische Betriebe setzen auf Halbautomatisierung und Nachrüstung alter Anlagen.

Strategien für Asean setzen sorgfältige Recherche voraus

Deutsche Maschinenbauer, die am Asean-Markt interessiert sind, sollten zur Sondierung professionelle Marktstudien durchführen, die auf soliden Daten und vertiefenden Experteninterviews basieren. Auch die Suche nach südostasiatischen Kunden und Partnern ist eine Herausforderung. Die richtigen Käufer, Absatzmittler oder Kooperationspartner zu finden, gleicht oft einem Stochern im Nebel. Bei der Markterschließung können Datenbanken eingesetzt werden, mit denen südostasiatische Firmen sehr fein nach Branchen und Produkten selektierbar sind.

Oft ist eine China-Asean-Doppelstrategie ratsam. Die Konzeption oder Reorganisation innerasiatischer Lieferketten sollte aber nicht nur auf Kostenüberlegungen beruhen. Standortentscheidungen stehen immer im Zusammenhang mit der internationalen Produktpolitik und der Wettbewerbsstrategie des Unternehmens. Daher sind nicht nur Steuern, Lohn- und Eröffnungskosten eines Standortes relevant, sondern auch lokale Marktanforderungen und Wettbewerber. Andere Kriterien sind lokale Clusterpotenziale, die Qualität und Zuverlässigkeit der Lieferanten sowie Umwelteinflüsse. Die Sicherheit der Supply Chain sollte im Fokus stehen, professionelle Risikoanalysen und investigative Überprüfungen von Zulieferern sind unabdingbar. Unberücksichtigte Kriterien und unerkannte Risiken können zu falschen Entscheidungen führen, die die Kosten eines Standortes beeinflussen und bei großen Produktionsmengen zu immensen Belastungen führen können. Zur Bewertung asiatischer Standorte sollten eine Risiko- und Nutzwertanalyse durchgeführt werden.

Wer in der Asean wachsen will, darf sich nicht nur auf das High-End-Segment konzentrieren. Es gilt, sich von technisch überdimensionierten Lösungen zu verabschieden und sich im Rahmen des Frugal-Engineering auf technisch abgespeckte, aber qualitativ hochwertige und bedienerfreundliche Maschinen zu konzentrieren. Bei der Identifikation der Anforderungen an einfache Maschinen werden vorhandene Konzepte und Spezifikationen von Frugal-Maschinen herangezogen, Patentanmeldungen analysiert und Anforderungen von Endkunden an einfache Maschinen ermittelt. Die Frugal-Strategie kann auch durch Einstiegsmodelle, Zweitmarken und den Kauf asiatischer Firmen umgesetzt werden. MM

* Dr. Hans Joachim Fuchs ist geschäftsführender Gesellschafter von Chinabrand Consulting in 80995 München, Tel. (0 89) 141 71 55, drhjfuchs@chinabrand.de

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