Sale & Lease Back ist eine strategische Finanzierungsmöglichkeit für mittelständische Betriebe mit einem grossen Maschinenpark. Wie das funktionieren kann, zeigt das Beispiel des Maschinenbauers Emde.
Mehr Liquidität: Bei Sale & Lease Back werden Maschinen zunächst verkauft und anschliessend direkt zurückgeleast.
Tiefgreifende Veränderungen setzen den deutschen Mittelstand seit einiger Zeit unter Druck: Digitalisierung, Fachkräftemangel, internationale Handelskonflikte, abgeschwächte Konjunktur. Wie begegnet man diesen gebündelten Herausforderungen? In digitale Technologien investieren? Intensiv neues Personal umwerben? Innovative Produkte und Leistungen entwerfen?
Alles gute Ansätze, doch was viele Entscheider übersehen: Auch die Struktur eines Unternehmens muss in die Zeit passen. Ein Mittelständler, der sich erfolgreich neu aufgestellt hat, ist Emde. Der Maschinen- und Anlagenbauer war in Schieflage geraten. Durch unternehmerische Weitsicht, engagierte Investoren und die Finanzierung über ein alternatives Modell konnte der Betrieb jedoch wieder zukunftsfähig gemacht werden.
Gründe für die Restrukturierung
Die Emde Industrietechnik GmbH wurde vor fast 40 Jahren in Nassau gegründet und produziert Spezialanlagen, Maschinenbauteile und Werkzeuge. Der Familienbetrieb wuchs rasant und kaufte weitere Unternehmen hinzu. So stieg im Lauf der Jahre nicht nur die Zahl der Mitarbeiter auf 600, es entstanden auch fünf Geschäftsbereiche an fünf unterschiedlichen Standorten:
Fördertechnik für Schüttgüter,
Bohrtechnik,
Maschinen- und Anlagenbau,
Giesserei
sowie Formenbau.
Alle Bereiche wurden stets vom Gründungsstandort in Nassau aus gesteuert – letztlich eines der Probleme, die in die Krise führten. Ein weiterer Grund war die Einführung eines sogenannten ERP-Systems. Der Begriff bezeichnet betriebswirtschaftliche Software, mit der Ressourcen und Prozesse im Unternehmen verwaltet und gesteuert werden. Zum Beispiel: Finanzen, Mitarbeiter sowie Produktions- und Transportmittel. Das System sollte eigentlich die komplexe Struktur des Betriebes beherrschbarer machen. Es kam dadurch jedoch zu Problemen in der Auftragsabwicklung. Gegen Ende 2017 entschieden sich die Eigentümer schliesslich, den Betrieb zu restrukturieren.
Erfolgreiche Investorensuche
Begleitet wurde Emde in seinem Erneuerungsprozess durch die Experten von Struktur Management Partner und die Anwaltskanzlei Menold Bezler. Anfangs hatte man versucht, alle fünf Geschäftsbereiche an einen einzelnen Investor zu übergeben. Das stellte sich aber als undurchführbar heraus, wie sich Anwalt Jochen Sedlitz erinnert: „Keiner der Investoren wollte dieses komplexe Konstrukt übernehmen.“ Deshalb entschieden sich die Beteiligten, die Geschäftsbereiche einzeln zum Verkauf anzubieten – nun standen sehr schnell Übernehmer bereit.
Doch waren längst nicht alle Risiken gebannt. Die Herausforderungen in einem so speziellen Fall sind zahlreich: Verkäufe in Krisensituationen müssen meist schnell über die Bühne gehen. Die Lage des Unternehmens hätte sich zudem jederzeit verschlechtern können. Etwa, wenn wichtiges Personal abgesprungen wäre, sich Stammkunden zurückgezogen oder die Bank Kredite gekürzt hätte. Gerade die Finanzierung ist ein heikler Punkt bei der Restrukturierung. Sie muss kurzfristig stehen und sehr flexibel sein. „Für das inhabergeführte Unternehmen kam mir sofort Sale & Lease Back in den Sinn“, so Jochen Sedlitz. „In den einzelnen Bereichen verfügt Emde über einen immensen Maschinen- und Anlagenpark. Dementsprechend empfahl ich den potenziellen Investoren dieses Modell, um den Kaufpreis zu finanzieren.“
Ein Investor, die Deutsche Invest Mittelstand GmbH, griff den Vorschlag auf und übernahm die Standorte in Strassfurt und Nentershausen. Ein Personalkonzept wurde entwickelt, separate Verwaltungen aufgebaut und eine neue IT-Infrastruktur implementiert. Heute blickt man positiv in die Zukunft des Unternehmens: „Wir wollen die marktführende Position im Bereich Pfahlbohren weiter ausbauen und zum technologischen Vorreiter in anderen Bohrbereichen werden“, erklärt Jens Biermann, Geschäftsführer des Investors.
So funktioniert Sale & Lease Back
Weshalb hatte Fachanwalt Jochen Sedlitz den Investoren zu Sale & Lease Back geraten? Weil Emde über viele Maschinen und Anlagen verfügt. Ein so grosser Maschinenpark bindet schliesslich erhebliches Kapital. Kapital, auf das dann eben nicht direkt zugegriffen werden kann. Mit Sale & Lease Back können diese internen Reserven jedoch gehoben werden: Das Unternehmen verkauft die Maschinen und least sie gleich im Anschluss zurück. Liquide Mittel werden frei, die helfen können, sich neu aufzustellen.
Was Sale & Lease Back noch für eine Neustrukturierung prädestiniert: Anders als beim klassischen Hausbankkredit, spielt Bonität hier keine Rolle. Entscheidend ist jedoch, dass die jeweiligen Maschinen und Anlagen werthaltig, mobil und universell einsetzbar sind. Ausserdem sollte es sich immer um einen ganzen Maschinenpark handeln und nicht um Einzelmaschinen. Auch die schnelle Umsetzungsmöglichkeit der Finanzierung zwischen Erstkontakt und Abschluss des Vertrages spricht für Sale & Lease Back im Zuge einer Restrukturierung: Oft ist schon nach wenigen Wochen das Geld auf dem Unternehmenskonto. Die Maschinen verlassen dabei zu keinem Zeitpunkt die Betriebshalle oder Baustelle, können also ohne Unterbrechung genutzt werden. Zudem ist ein späterer Rückkauf der Objekte in der Regel möglich.
Stand vom 30.10.2020
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Branchenübergreifende Finanzierungsoption
Sale & Lease Back kann nicht nur bei Restrukturierungen und in Investorenprozessen für dringend benötigte Liquidität sorgen. Auch Nachfolgen, Unternehmenszukäufe oder Investitionen in neue Geschäftsfelder und Technologien können damit finanziert werden. Das Modell eignet sich als strategische Finanzierungsmöglichkeit für Mittelständer mit einem grossen Maschinenpark. Dazu zählen zum Beispiel:
* Carl-Jan von der Goltz ist geschäftsführender Gesellschafter der Maturus Finance GmbH in 20457 Hamburg, Tel. (0 40) 3 00 39 36-250, info@maturus.com, www.maturus.com