SECO: Schweiz und China waren sich noch nie so nah

Redakteur: Susanne Reinshagen

>> Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Schweiz und China entstanden wie so oft vor den politischen. So gründete ein Schweizer bereits 1822 eine Uhrenhandelsfirma in China, lange bevor 1906 die ersten offiziellen Regierungskontakte stattfanden. Seit der Öffnungspolitik unter Deng Xiaoping ab 1978 hat sich viel getan. Heute ist China der wichtigste Handelspartner für die Schweiz in Asien.

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Die Volksrepublik China ist heute der wichtigste Handelspartner der Schweiz in Asien. Der gegenseitige wirtschaftliche Austausch belief sich im Jahr 2010 (ohne Hong Kong und Macao) auf rekordhohe CHF 13,55 Mrd. Erzeugnisse der MEM-Industrie machen den grössten Teil der Schweizer Exporte nach China aus. Maschinen hatten im vergangenen Jahr einen Anteil von 42,5% an den gesamten Exporten der Schweiz nach China. (Bild: Istockphoto.com)
Die Volksrepublik China ist heute der wichtigste Handelspartner der Schweiz in Asien. Der gegenseitige wirtschaftliche Austausch belief sich im Jahr 2010 (ohne Hong Kong und Macao) auf rekordhohe CHF 13,55 Mrd. Erzeugnisse der MEM-Industrie machen den grössten Teil der Schweizer Exporte nach China aus. Maschinen hatten im vergangenen Jahr einen Anteil von 42,5% an den gesamten Exporten der Schweiz nach China. (Bild: Istockphoto.com)

Was mit einzelnen Zusammentreffen der chinesischen Staatsmacht mit Schweizer Söldnern im Dienste der holländischen Ostindienkompanie oder mit jesuitischen Missionaren im 17. Jahrhundert begann und sich mit Lieferungen von Luxusuhren und Automaten an den chinesischen Hof im 18. Jahrhundert fortsetzte, ist heute die wohl wichtigste wirtschaftliche Beziehung der Schweiz mit einem asiatischen Land. Es ist bezeichnend für die Geschichte der Schweizer Aussenbeziehungen, dass oftmals und gerade in fernen Ländern die wirtschaftlichen Interessen den politischen vorauseilten. So gründeten die Bovet Frères bereits 1822 in Guangzhou (Kanton) eine Uhrenhandelsfirma, lange bevor 1906 erste offizielle Regierungskontakte stattfanden und 1918 ein Freundschaftsvertrag zwischen China und der Schweiz unterzeichnet werden konnte.

Zaghafte Schritte der Öffnung

Nach den Umwälzungen der 30er- und 40er-Jahre in China entschied der Bundesrat 1950, als eines der ersten westlichen Länder die Volksrepublik China anzuerkennen und diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Als sich eine zaghafte Öffnung der chinesischen Wirtschaft abzuzeichnen begann, schloss die Schweiz 1974 einen Handelsvertrag mit der Volksrepublik ab, welcher bis heute die Grundlage für eine Gemischte Wirtschaftskommission zur Erörterung und Vertiefung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen bildet.

Es bedurfte aber der Öffnungspolitik unter Deng Xiaoping ab 1978, dass ausländische Unternehmen wieder in China investieren konnten, und es war mit Schindler bezeichnenderweise ein Schweizer Unternehmen, welches 1980 das erste Joint Venture mit einer chinesischen Firma überhaupt abschloss.

China ist wichtigster Handelspartner in Asien

Schaut man sich diese ersten Schritte aus heutiger Perspektive an, so glaubt man kaum, dass bloss drei Jahrzehnte vergangen sind. Die Volksrepublik China ist heute der wichtigste Handelspartner der Schweiz in Asien. Der gegenseitige wirtschaftliche Austausch belief sich im Jahr 2010 (ohne Hong Kong und Macao) auf rekordhohe CHF 13,55 Mrd., was im Jahresvergleich einer erneuten Zunahme des Handelsvolumens um 27,1% entspricht. Damit ist China weltweit hinter der EU und den USA unser drittwichtigster Zulieferer und Absatzmarkt. Die Importe aus China sind letztes Jahr denn auch um 17,9%, unsere Exporte gar um 35,7% gestiegen. Die Schweizer Wirtschaft exportiert insbesondere Maschinen, Uhren sowie optische und medizinische Instrumente, während sie aus China ebenfalls Maschinen, aber auch Textilien und Bekleidung sowie chemische Grundprodukte bezieht. Direktinvestitionen von Schweizer Unternehmen in China nehmen seit 2004 stark zu und erreichten 2008 einen Höhepunkt, gingen aber im Zuge der globalen Krise im Jahr 2009 leicht zurück. Der Bestand der Schweizer Investitionen in China belief sich per Ende 2009 auf rund CHF 7,5 Mrd. Damit belegt die Schweiz den 26. Rang unter den ausländischen Direktinvestoren in China. Umgekehrt sind die chinesischen Investitionen in der Schweiz weiterhin relativ bescheiden, nehmen aber laufend zu.

Zudem hat mit dem Inkrafttreten des Schengenabkommens, wodurch chinesische Staatsangehörige Europa mit einem einzigen Visum bereisen können, und begünstigt durch die direkten Flugverbindungen Shanghai–Zürich und neuerdings Beijing–Zürich die Zahl chinesischer Touristen in der Feriendestination Schweiz markant zugenommen. So verbuchte die Schweizer Hotellerie 2010 insgesamt 404 218 Logiernächte (+48,8%) von Personen aus der Volksrepublik China (ohne Hong Kong und Macao), welche damit die zweitwichtigste Gruppe asiatischer Gäste bilden. Mit diesen eindrücklichen Zahlen lässt sich sicher sagen, dass sich die Schweiz und China wirtschaftlich noch nie so nah waren wie heute.

Herausforderungen bleiben bestehen

Bei aller Euphorie gilt es aber auch die Herausforderungen nicht zu vergessen, welchen sich ausländische Unternehmen auf dem grossen, aber schwierigen chinesischen Markt gegenübersehen. Aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung sehen sie sich immer stärkerer chinesischer Konkurrenz gegenüber, welche bei sehr wichtigen öffentlichen Beschaffungsaufträgen bevorzugt behandelt wird. Dazu gesellen sich unter dem Blickwinkel der Rechtssicherheit das oft kurzfristig ändernde Regulationsumfeld sowie Kapital- und Investitionskontrollen und im Bereich der Betriebsführung etwa die Schwierigkeit, qualifiziertes Personal zu finden und dieses auch mittelfristig halten zu können. Schliesslich bleibt trotz signifikanter Fortschritte in Gesetzgebung und Implementation der Schutz der geistigen Eigentumsrechte (IPR) in China weiterhin eine grosse Herausforderung für Regierung und einzelne Unternehmen. <<

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