Konformitätsnachweis leicht gemacht Sicher durch das Normenlabyrinth

Redakteur: Silvano Böni

>> Industrieprodukte mit einem anerkannten Konformitätsnachweis und Prüfzeichen nehmen die Zulassungshürden in internationalen Märkten rasch und problemlos. Herauszufinden, welches Produkt welche Norm in welchem Markt erfüllen muss, kann für einen Hersteller allerdings mühsam sein. Einer, der sich in diesem Labyrinth bestens zurechtfindet, ist der Electrosuisse-Prüfingenieur Remo Egger. Für ihn können die Fragestellungen zu Prüfnormen gar nicht komplex genug sein.

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Die Beurteilung und Prüfung von konkreten Produktmustern, Prototypen oder Endprodukten ist ein wichtiger Schritt zur erfolgreichen Produktzertifizierung.
Die Beurteilung und Prüfung von konkreten Produktmustern, Prototypen oder Endprodukten ist ein wichtiger Schritt zur erfolgreichen Produktzertifizierung.
(Bild: Electrosuisse)

«Viele Innovationen lassen sich nicht so ohne weiteres in ein Schema pressen. Doch obwohl es noch keine klaren Normen und Prüfrichtlinien gibt, muss ein Sicherheitsnachweis erbracht werden.» Was sich für die meisten nach Barriere und Ärgernis anhört, ist für Remo Egger, Prüfingenieur bei Electrosuisse, besonderer Ansporn: «Das sind die spannendsten Fälle. Ich beginne bei der Suche nach der effizientesten Prüflösung sozusagen auf der grünen Wiese.»

Um auf der weiten «Normenwiese» auch wirklich fündig zu werden, ist nicht nur ein breit abgestütztes Normenverständnis, sondern auch ein profundes Technikwissen erforderlich. Beides entsteht nicht über Nacht und beides hat sich Remo Egger sorgfältig aufgebaut. Nach der Grundausbildung zum Elektroingenieur HTL absolvierte er ein berufsbegleitendes Betriebswirtschaftsstudium. Als Entwickler und Produktmanager in unterschiedlichsten Umfeldern beschäftigte er sich mit beiden Seiten des Produktentwicklungsprozesses: den Anforderungen der Technik und des Marktes. Vor knapp zehn Jahren begann er sich dann als Prüfingenieur bei Electrosuisse intensiv mit elektrischen Prüfnormen zu beschäftigen. Was hat ihn dazu bewogen, in diese «dritte Dimension» des Produktentwicklungsprozesses vorzustossen? «In der Ingenieurausbildung wird das Thema Normen stiefmütterlich behandelt. In meinen früheren Berufsumfeldern stiess ich bei Normenfragen deshalb immer mal wieder an. Das hat mich geärgert.» Remo Egger «packte den Stier bei den Hörnern» und verschrieb sich bei Electrosuisse gleich ganz dem Thema elektrische Sicherheit und den entsprechenden Prüfnormen. Heute ist er ein ausgewiesener Experte für elektrische Sicherheit und EMV im Bereich Industrieanlagen und Komponenten.

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Agieren statt Reagieren

In seiner Funktion als Prüfingenieur begleitet Remo Egger Industriekunden aus den Gebieten HLK, Gerätebau und Gebäudeautomation durch die dynamische und immer komplexere Normenwelt. Zwar muss die Hürde Sicherheitsnormen erst bei der Markteinführung überwunden werden, dennoch rät der Spezialist, sich nicht erst zu diesem Zeitpunkt mit dem Thema zu beschäftigen. Teure Nachbesserungen und Nachprüfungen kosten Geld und wertvolle Time-to-Market. Die Fragen, die man sich am besten bereits zum Zeitpunkt der Produktdefinition stellt, sind: Welche Sicherheitsnormen gelten in meinen Zielmärkten? Welchen Anforderungen muss mein Produkt gerecht werden? Verfüge ich über die nötige Prüfinfrastruktur, um Teil- oder Typenprüfungen zu machen? Soll ich die Konformitätsbeurteilung für mein Produkt selbst durchführen oder brauche ich dazu einen neutralen und kompetenten Dritten?

Konformitätsnachweis unabdingbar

Normen sind keine Gesetze und die Einhaltung von Produkte-Normen ist grundsätzlich freiwillig, solange die gültigen Richtlinien erfüllt werden. Für eine internationale Geschäftstätigkeit ist ein sorgfältiger Konformitätsnachweis jedoch unabdingbar. Denn Normen ermöglichen es, die Konformität von Produkten zu den Richtlinien zu bewerten. Im Europäischen Wirtschaftraum hat sich diesbezüglich die CE-Kennzeichnung durchgesetzt. Zwar darf sich der Hersteller diesen Ausweis in Form einer Selbstdeklaration selber ausstellen, ein unbedarfter Umgang mit dem Konformitätsnachweis wäre jedoch mehr als fahrlässig. «Wer sein Produkt mit dem CE-Zeichen versieht, übernimmt die Produktverantwortung und sagt rechtlich bindend: Jawohl mein Produkt erfüllt die geltenden Richtlinien», gibt Remo Egger zu bedenken. Es ist deshalb wichtig, dass Hersteller die Tragweite der verklausulierten Richtlinien und der darauf referenzierenden Normen auch wirklich verstehen.

Auf Nummer sicher geht, wer sich bei Remo Egger eine unkomplizierte Einschätzung abholt. Erste, einfachere Fragen zur Normenauslegung werden oft direkt telefonisch und unentgeltlich beantwortet. Stellt sich heraus, dass die Fragen komplexer sind oder wünscht der Kunde eine umfassende Begleitung, vereinbart der Prüfingenieur einen persönlichen Termin – direkt beim Kunden oder an einem der sechs Electrosuisse-Standorte in der Schweiz.

Massgeschneiderte Pakete

Bei diesen ausführlichen Beratungsgesprächen kann sich der Kunde darüber klar werden, ob und wo sich für ihn die Zusammenarbeit mit der Prüfstelle Electrosuisse lohnt. Für einen positiven Grundsatzentscheid sprechen:

  • Verkürzte Time-to-Market: Erfahrene Prüfingenieure kennen sich mit internationalen Normen und Richtlinien aus und wissen, wie die Zulassung in den angestrebten Zielmärkten am effektivsten erreicht wird.
  • Minimale juristische Risiken: Die Prüfingenieure sind immer auf dem neuesten Stand, was die geforderten Richtlinien und Normen angeht. Mit einem Prüfbericht von neutraler Stelle lässt sich das Produkthaftungsrisiko für den Kunden minimieren.
  • Geringere Entwicklungskosten: Werden die Sicherheitsexperten frühzeitig beigezogen, können sie rechtzeitig auf Mängel und Fehler aufmerksam machen. Teure Redesigns und Nachprüfungen fallen weg. Mit dem Bezug von Prüfdienstleistungen von Electrosuisse fallen auch die Kosten für den Aufbau, die Wartung und Kalibration einer eigenen Prüfinfrastruktur weg oder reduzieren sich massgeblich.

Kunden aus allen Bereichen

Remo Eggers Kunden kommen aus KMUs und Grosskonzernen. Auch Distributoren, die mit der Inverkehrsetzung eines Produktes in einem bestimmten Markt die Produktverantwortung übernehmen, gehören mehr und mehr dazu. Denn gerade für Grossverteiler ist es bei der Fülle ihrer Angebote extrem aufwändig, den Überblick über die Konformität ihrer Produkte zu bewahren. Gefälschte Zertifikate und fehlerhafte Dokumentation von zweifelhaften Herstellern erschweren es Händlern zusätzlich, ihre Verantwortung wahrzunehmen.

Die Art und der Umfang der Dienstleistungen von Electrosuisse variieren von Kunde zu Kunde. Am häufigsten macht Remo Egger Normenberatungen – von der Produktidee bis hin zur Fertigung. Grössere Firmen lösen «Beratungsabonnemente», die es ihren Mitarbeitern erlauben, aus den verschiedenen Dienstleistungsbereichen der Prüfstelle rasch und unkompliziert Hilfe zu holen. Ein weiterer Bereich von Remo Eggers Begleitung umfasst die Beurteilung und Prüfung von konkreten Produktmustern, Prototypen oder Endprodukten. In den akkreditierten Labors der Electrosuisse führt er Teil- und Typenprüfungen durch. Mit den ausführlichen Prüfberichten, die aus diesen Tests resultieren, wird die fakultative Produktzertifizierung – die ebenfalls bei Electrosuisse durchgeführt werden kann – zur reinen Formsache.

Zu guter Letzt führt Remo Egger für all diejenigen, die die Normenkompetenz nicht oder nicht vollständig an Dritte abgeben möchten, auch Schulungen zu elektrischer Sicherheit und EMV-Normen durch.

Vernetzt, dynamisch und abwechslungsreich

Betreffen die Kundenanfragen neben der elektrischen Sicherheit auch die Bereiche Maschinensicherheit, Umweltprüfung oder funktionale Sicherheit, kann Remo Egger auf seine spezialisierten Kollegen in der Abteilung Industrie und Handel zurückgreifen. Zusammen decken sie den gesamten Normenanforderungsbereich ihrer Industriekunden ab. Vernetzung ist eine Spezialität und ein spezielles Anliegen von Electrosuisse. Kunden sollen sich über einen Ansprechpartner die gesamte Dienstleistungspalette erschliessen können. Um diese Vernetzung noch stärker zu fördern und um die Entscheidungswege kurz zu halten, wurde die Struktur der Abteilung Industrie und Handel zu Jahresbeginn den Kundensegmenten angepasst. Auf diese Weise wird der Weg der Kunden durch das Normenlabyrinth noch komfortabler.

Und das ist auch gut so, denn innovative Produkte verlangen nach neuen Normen. Und so wird die Normenvielfalt weiter wachsen. Ist das bisweilen nicht doch etwas zu viel leblose Materie und graue Theorie für Remo Egger? Der Prüfingenieur lacht und schüttelt den Kopf: «Meine Arbeit als Prüfingenieur ist sehr vielseitig. Ich habe sowohl mit Menschen als auch mit Technik zu tun. Ich bin weder an ein Produkt noch an ein Produktsegment gebunden und weiss nie genau, was die nächsten Arbeitswochen bringen. Was will man mehr? Das hält mich in Bewegung und verhindert das Einrosten.» Wird das Normenkorsett doch einmal etwas eng, findet Remo Egger in seinem Hobby, der Astronomie, einen guten Ausgleich: Zwar gelten auch im Weltall physikalische Gesetzmässigkeiten, doch terrestrische Richtlinien, die eingehalten werden müssten, gibt es keine. <<

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