Rückblick über den Kongress 2019 SMM-Kongress: Strategien zum Erfolg
Wie haben erfolgreiche Schweizer Unternehmen trotz immer grösser werdendem Konkurrenzdruck und rasanten Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld ihre Produktion stets leistungsstark und effizient halten können? Einen Einblick in die Strategien von Schweizer Technologieführern gab der SMM-Kongress 2019.
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«Machen Sie etwas Anspruchsvolles, nicht etwas, was jeder kann», so die simple Aussage des Startreferenten Prof. Dr.-Ing. Hans Gut, Managing Director von MAN Energy Solutions Schweiz, über das Erfolgsgeheimnis des Stadtzürcher Unternehmens. So einfach wie sich diese Ansage aber anhört, ist es dann doch nicht. Doch dank grosser und gezielter Förderung von Innovationen, Investitionen in hochqualifiziertes Personal und dessen Weiterbildung sowie der Fokussierung auf technisch anspruchsvolle Wachstumsmärkte steht MAN heute da, wo es steht, nämlich an der Spitze. Gut lieferte sogleich auch noch einige Beispiele für solche Spitzeninnovationen. Die eindrücklichste war sicherlich der MAN-Subsea-Hofim-Kompressor. Der einzige Kompressor weltweit, der unter Wasser und dazu noch jahrelang wartungsfrei betrieben werden kann. Doch wozu das Ganze? Dank des Einsatzes direkt am Meeresboden kann das Verdichter-System direkt bei einem Gasfeld platziert werden. Daraus resultieren dann ein höherer Wirkungsgrad, grössere Fördermengen und insgesamt eine bessere Energieeffizienz – und das alles dank Spitzentechnologie mitten aus Zürich.
Erfolg dank neuen Geschäftsfeldern
Die Härterei Gerster steht im Gegensatz zu MAN vor einer ganz anderen Problematik, wie Martina Gerster, Vorsitzende der Geschäftsleitung, in ihrem Referat preisgab. Kunden möchten ihre Wärmebehandlung immer mehr direkt vor Ort machen. Ist das eine Gefahr für das bald 70-jährige Traditionsunternehmen, oder vielmehr eine Chance? Die Härterei entschied sich für Letzteres und rief die Gerster Support Services ins Leben – die Lösung für eine sorglose Wärmebehandlung vor Ort. Doch was beinhaltet diese Lösung? «Wir bieten eine Beratung und Begleitung vor Ort an, um sicherzustellen, dass die Kompetenz beim Kunden aufgebaut werden kann», so Martina Gerster. Ausserdem bieten die Egerkinger Mess- und Prüftechnik an, um den Wärmebehandlungsprozess zu überprüfen und so eine normgerechte Produktion sicherzustellen. Zu guter Letzt wird auch ein Ressourcen-Support geboten, wobei es sich bei diesen «Ressourcen» um Bedienpersonal handelt, falls beim Kunden der Maschinenbediener ausfallen würde. Für die Härterei war dieser Wandel vom reinen Lohnveredler zum Dienstleister ein voller Erfolg. Eine verbesserte Auslastung, eine reduzierte Konjunkturabhängigkeit sowie ein grösserer Einbezug des Wissens und der Erfahrung der Mitarbeiter und somit eine Motivationssteigerung waren nur einige der vielen positiven Aspekte dieses Wandels.
Erfolg dank komplexester Fertigungslösungen
«Wir verkaufen keine Fertigungslösungen. Wir entwickeln diese mit dem Kunden zusammen», so das Erfolgsgeheimnis von GF Machining Solutions, wie Managing Director Thomas Wengi anlässlich seines Referats bekannt gab. Deshalb sei genauso wichtig, eine saubere Projektplanung zu machen, die richtigen Partner mit ins Boot zu holen und, falls keine optimale Lösung gefunden werden kann, auch mal Nein zu sagen. Der Erfolg gibt GF Recht, wie die folgende Zahl bestätigt: Über 80 Prozent aller Kunden, welche eine Fertigungslösung von GF besitzen, kaufen in den folgenden Jahren eine weitere GF-Lösung dazu. Dass die GF-Maschinen zu den besten am Markt gehören, erläuterte Wengi anhand eines ansehnlichen Beispiels. Erstmals ist es gelungen, dank Lösungen von GF ein Druckgussteil so zu produzieren, dass dieses als Sichtbauteil in einem Fahrzeug der Oberklasse eingesetzt werden kann – eine echte Innovation.
Ein ganz spezieller Abschluss
Nach weiteren spannenden Referaten, unter anderem von Marc Blaser über die Geschichte des flüssigen Werkzeugs oder Michael Hauser, welcher über den Niedergang und Wiederaufstieg der Tornos-Gruppe referierte, kamen mit Klaus Endress und Dieter Meier noch zwei ganz spezielle Gäste. Ersterer, Präsident des Verwaltungsrates des Familienunternehmens Endress+Hauser, referierte über die fragile Welt, auf der wir uns befinden, und dass man sich viel mehr von der Natur abschauen solle, um zu überleben. «Die Natur ist antifragil, wir können sehr viel von ihr lernen und jedes Lebewesen mit Respekt und Anstand behandeln», so Endress.
Apropos Natur: Auch zu Musiker und Künstler Dieter Meier passt dieses Stichwort. Ob auf seiner Rinderfarm, zwischen seinen Weinreben oder neuerdings auch als Schokoladenproduzent. Der Yello-Musiker beweist immer wieder ein goldenes Händchen, wenn es um neue Geschäftsfelder geht.
Insbesondere sein neues Verfahren zur Schokoladenherstellung, welches zusammen mit der ZHAW entwickelt wurde, hat das Potenzial zum Game-Changer. Bei der sogenannten «Kalt-Extraktion» werden die einzelnen Bestandteile der Kakao-Bohne gesondert ausgefällt: Die Kakao-Butter, das Kakao-Pulver, die Polyphenole (Bitterstoffe) und die reinen Aroma-Moleküle. Diese können anschliessend in unbeschränkten Kombinationen zur gewünschten Couverture zusammengeführt werden. So ist es erstmals möglich, dunkle Schokoladen mit hochprozentigem Kakao-Anteil bei beliebig niederem Bitter-Anteil zu produzieren, die deshalb bei hohem natürlichem Aromagehalt – exklusiv aus der Kakao-Bohne – weniger Zucker enthalten als herkömmliche Schokolade. SMM
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