KMU Exportstimmung Stagnation im Export: Schweizer Firmen passen Strategie an

Von Swiss Global Enterprises (SG-E) 3 min Lesedauer

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Die Aussichten der Schweizer Exportbranche haben sich in den letzten Monaten eingetrübt. Dies zeigt die Umfrage unter den Schweizer KMU der Exportbranche, die von Switzerland Global Enterprise (S-GE) halbjährlich durchgeführt wird.

Stagnation im Export: Schweizer Firmen passen Erwartungen und Strategien an. (Bild:  Christian Flierl)
Stagnation im Export: Schweizer Firmen passen Erwartungen und Strategien an.
(Bild: Christian Flierl)

Die durch die Umfrage ermittelte Exportstimmung fällt von 66.7 auf 51.6 Punkte und liegt damit nur noch knapp über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die Zeichen stehen daher auf Stagnation. Bestätigt wird dieses Bild dadurch, dass 31% aller befragten Firmen in den nächsten Monaten keine neuen Märkte ansteuern werden. Dies sind 10% mehr als vor einem halben Jahr. Und auch bei der Zahl der Beschäftigten planen 62% der KMU keine Veränderungen, 17% gar eine Reduktion.

Starker Schweizer Franken

Gründe für diese Situation sind in den anhaltenden globalen Herausforderungen zu sehen. Verschärft wird die Situation aktuell von der plötzlichen Aufwertung des Schweizer Frankens. 80% der KMU geben an, dass die Wechselkursentwicklungen ihren Geschäftsgang «negativ» (55%) oder «sehr negativ» (25%) beeinträchtigen. Damit verdrängen die Währungsrisiken die hohen Energie- und Rohstoffpreise auf der Sorgenliste von Platz 1 auf 2.

Mit Ausnahme des kurzen Einbruchs zu Beginn der Covid-Pandemie erreicht die Exportstimmung derzeit den tiefsten Stand seit Januar 2016 und prognostiziert für die kommenden Monate eine Stagnation. Die Schweizer KMU haben bisher zwar erfolgreich den anhaltenden geopolitischen Herausforderungen getrotzt. Die erneute plötzliche Aufwertung des Frankens macht es unter bereits schwierigen Bedingungen nun aber noch herausfordernder, sich im Markt zu behaupten.

Alberto Silini, Senior Director Global Consulting bei S-GE

Europa und die USA als wichtigste Exportdestinationen

Bei den anvisierten Zielmärkten sind kaum Veränderungen zu erwarten. Gemeinsam mit den USA bleiben die europäischen Nachbarn – allen voran Deutschland – die wichtigsten Exportdestinationen. 79% aller befragten Unternehmen planen, in den nächsten sechs Monaten nach Deutschland zu exportieren. Dahinter folgen Frankreich, Italien und die USA (alle 56%).

Die aktuelle Situation reduziert die Abenteuerlust der Firmen: Jede dritte Firma gibt an, vorerst keine neuen Märkte erobern zu wollen. Dies ist gleichbedeutend mit einem sprunghaften Anstieg von 10% im Vergleich zur letzten Befragung und kein gutes Signal.

Sylvain Jaccard, Senior Director Market Western Switzerland bei S-GE

Informationsbedarf über Regulationen im Bereich Nachhaltigkeit

Das Thema der Nachhaltigkeit steht weit oben auf der politischen Agenda. Entsprechende Regulationen können auch für mehrere tausend Unternehmen in der Schweiz direkte oder indirekte Auswirkungen haben. Dieses Umstands scheinen sich viele Schweizer KMU noch kaum bewusst zu sein, hat doch das Thema der Nachhaltigkeit unter den befragten Firmen in den letzten Monaten sogar an Bedeutung verloren. Dies mag auch mit der Komplexität der internationalen Vorschriften zusammenhängen. Die Umfrage zeigt nämlich, dass ein grosser Informationsbedarf vorhanden ist: 46% der Firmen wünschen sich künftig Informationen zu Vorschriften, Sonderregelungen und Rahmenbedingungen in den Zielländern, um sich im internationalen Vorschriftendschungel zurechtzufinden.

Die Politik macht vorwärts im Bereich der Nachhaltigkeit. So könnte beispielsweise die geplante EU-Richtlinie zu den Sorgfaltspflichten für Umwelt und Menschenrechte (CSDDD) für mehrere tausend Unternehmen in der Schweiz direkte oder indirekte Auswirkungen haben. Viele KMU scheinen diese Entwicklungen noch nicht zur Gänze erfasst zu haben: 64% der KMU sehen sich «kaum» oder «gar nicht» von zunehmenden Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung betroffen. Dies dürfte vor allem auch an mangelnder Information liegen.

Luca Degiovannini, Senior Director Market Southern Switzerland bei S-GE

Zur Methodik

Die KMU-Exportstimmung basiert auf einer halbjährlichen Befragung von rund 200 Unternehmen aus einem festen Panel von Schweizer KMU, welche die Branchen Pharma/Chemie, Maschinenbau, Cleantech, Medtech, Fintech, Konsumgüter, Metallindustrie, Papier, Elektrotechnik, Präzisionsindustrie, Dienstleistungen, ICT und Food repräsentieren. Die KMU geben an, ob sie für das laufende und für das kommende Halbjahr einen Zuwachs, eine Stagnation oder einen Rückgang ihrer Exporte erwarten. Um den Prognosecharakter der KMU-Exportstimmung zu betonen, wird die erwartete Exportaktivität im folgenden Halbjahr mit 60% gewichtet, während die Exporte im laufenden Halbjahr mit 40% gewichtet werden. Die KMU-Exportstimmung kann einen Wert zwischen 0 und 100 erreichen, wobei Werte zwischen 0 und 50 einen erwarteten Rückgang der Exporte und Werte von 50 bis 100 ein erwartetes Exportwachstum signalisieren. Über die Angaben zum Exportvolumen hinaus liefern die Teilnehmer weitere Informationen, beispielsweise zu den Gründen für die Veränderung ihres Exportvolumens, den Exportmärkten usw. Diese Angaben liefern ein aussagekräftiges Bild der Exportaktivitäten der Schweizer KMU.

Über Switzerland Global Enterprise (S-GE)

Switzerland Global Enterprise (S-GE) ist die offizielle Schweizer Organisation für Exportförderung und Standortpromotion mit rund 200 Mitarbeitenden in allen Schweizer Landesteilen und auf der ganzen Welt. Als Beratungs-, Vermarktungs- und Plattformorganisation unterstützen wir Schweizer KMU bei ihrem internationalen Geschäft und innovationsstarke ausländische Unternehmen mit Potenzial und Interesse an einer Ansiedlung in der Schweiz.

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