Die Schweizer Tech-Industrie (Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie sowie verwandte Technologiebranchen) hat laut Branchenverband Swissmem ein enttäuschendes Geschäftsjahr 2024 hinter sich.
Eckdaten der Tech-Industrie 2024.
(Bild: Swissmem)
Die Umsätze sanken 2024 im Vergleich zum Vorjahr um –4,6 Prozent. Im vierten Quartal 2024 betrugen die Rückgänge gegenüber der Vorjahresperiode sogar –5,7 Prozent. Die Auftragseingänge stagnierten 2024 auf dem Niveau des Jahres 2023 (+0,1 Prozent). Immerhin nahmen sie im vierten Quartal 2024 gegenüber dem Vorjahresquartal leicht zu (+1,3). Die Kapazitätsauslastung erreichte im vierten Quartal 2024 81,3 Prozent und lag deutlich unter dem langjährigen Mittel von 86,2 Prozent. Die starke Zunahme der Kurzarbeit spiegelt die sinkende Auslastung in den Betrieben der Tech-Industrie wider. Die Anzahl der Mitarbeitenden betrug im vierten Quartal 2024 329 000 – das sind 0,5 Prozent weniger als im Vorquartal.
Weiterhin sinkende Güterexporte
Die Güterexporte der Tech-Industrie gingen 2024 im Vergleich zum Vorjahr um –3,1 Prozent zurück und erreichten einen Wert von 68,3 Milliarden Franken. Bei den wichtigsten Warengruppen reduzierten sich die Exporte bei den Metallen um –6,2 Prozent, im Maschinenbau um –4,9 Prozent und bei den Präzisionsinstrumenten um –2,1 Prozent. Einzig in der Elektrotechnik/Elektronik erfolgte ein leichtes Exportwachstum (+1,3 Prozent). Bei den grössten Absatzmärkten stiegen nur die Ausfuhren nach Indien (+9,4 Prozent) und in die USA (+3,9 Prozent). Diese Zunahmen vermochten die Exportrückgänge in die EU (–5,6 Prozent) nicht zu kompensieren. Die Ausfuhren nach Asien stagnierten (–0,2 Prozent).
Grosses Schadenspotenzial bei flächendeckenden US-Zöllen
Derzeit gibt es laut Swissmem kaum Anzeichen für eine Erholung in der Schweizer Tech-Industrie. Aufgrund der diversen Handelskonflikte sei die Verunsicherung gross und das Investitionsklima weltweit schlecht. Die künftige Entwicklung in der Tech-Industrie hänge wesentlich davon ab, wie stark die Schweiz von den sich akzentuierenden Handelskonflikten betroffen sein wird. Stefan Brupbacher, Direktor Swissmem, ist besorgt: «Das Worst-Case-Szenario wären flächendeckende US-Zölle, auf welche die EU reziprok reagieren und dabei die Schweiz als Drittland behandeln würde. Damit wären bis zu 70 Prozent der Exporte der Schweizer Tech-Industrie betroffen. Das hätte dramatische Folgen.» Wachstumsimpulse erwarten die Betriebe aus Indien, China und vor allem aus den USA. Falls die USA jedoch ihre Zölle massiv erhöhen, würden diese Impulse im Keim erstickt.
Politisch kluges und pragmatisches Vorgehen erforderlich
Aussenpolitisch braucht es laut Swissmem die volle Präsenz der Schweizer Diplomatie. Sie müsse die US-Regierung davon überzeugen, dass die Schweiz ein fairer Partner ist. Die Aufhebung der Industriezölle durch die Schweiz sei dabei ein wertvoller Trumpf. Zudem müsse der Bund die Freihandelsoffensive beschleunigen: «Wir sind in einem Wettlauf», betont Stefan Brupbacher. «Beim Mercosur hat uns die EU überholt. Mit dem Abschluss des Freihandelsabkommens mit Indien hat die Schweiz hingegen einen strategischen Vorteil. Es gilt nun, diesen Vorteil zu nutzen und das Abkommen rasch zu ratifizieren. Die Industrie erwartet, dass die SP, Grüne und NGOs auf ein Referendum verzichten. Ein Scheitern des Abkommens nützt niemandem.»
Laut Swissmem können mit den Bilateralen III langfristig stabile Rahmenbedingungen mit dem wichtigsten Handelspartner gesichert werden. Gelingt der Abschluss dieses Vertragswerks, sollte die Schweiz zudem vor Gegenmassnahmen der EU geschützt sein: «In einer Welt, in der unberechenbares, machtpolitisch motiviertes Verhalten der Grossmächte den neuen ‹Courant normal› darstellt, wird der diskriminierungsfreie Zugang zum EU-Binnenmarkt ökonomisch zum sicheren Anker», sagt Martin Hirzel, Präsident Swissmem.
Innenpolitisch solle die Schweiz keine «wirtschaftspolitischen Dummheiten» begehen. Dazu gehören laut Swissmem die JUSO-Initiative «Für eine Zukunft» und die Konzernverantwortungsinitiative 2.0. Martin Hirzel warnt: «Die Enteignungsinitiative der JUSO betrifft ein Drittel der Swissmem-Mitgliedsfirmen. Wegen der rechtlich fragwürdigen Rückwirkungsklausel treffen viele Eigentümerinnen und Eigentümer Abklärungen bezüglich eines Wegzugs. Das trifft unsere Branche im Kern.» Swissmem engagiert sich dafür, dass das Parlament die Rückwirkungsklausel für ungültig erklärt. Auch die Konzernverantwortungsinitiative stehe «quer in der Landschaft». Die internationale Entwicklung der Nachhaltigkeitsregulierung gehe in die entgegengesetzte Richtung.
Auch sicherheitspolitisch bestehe dringender Handlungsbedarf. Der US-Schutzschirm über Europa falle zunehmend weg. Und der Ukrainekrieg zeige, dass sich Europa ohne eigene Rüstungsindustrie nicht selbst verteidigen kann. Zudem habe sich die Schweiz zur bewaffneten Neutralität verpflichtet. Um diese Verpflichtung zu erfüllen und die eigene Sicherheit zu stärken, bräuchte es eine leistungsfähige Rüstungsindustrie. Diese wurde laut Swissmem in den letzten Jahren aufgrund der restriktiven Exportbestimmungen regelrecht aus dem Land getrieben. Swissmem erwartet vom neuen VBS-Vorsteher, dass er sich mit hoher Priorität für bessere Rahmenbedingungen für die Schweizer Sicherheits- und Wehrtechnikindustrie einsetzt. Das betreffe insbesondere die Exportauflagen im Kriegsmaterialgesetz.
Stand vom 30.10.2020
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