Globalisierte Fertigung, teure Automation

Trump zum Trotz – Automationsboom in Mexiko

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Roboter sind nicht immer günstiger

So prekär scheint das Problem jedoch noch nicht zu sein. Die Löhne des durchschnittlichen Arbeiters in der mexikanischen Automobilbranche sind im Vergleich zu denen in den USA einiges tiefer. Gleichzeitig verdienen die Arbeiter in der Automobilindustrie in einer Stunde so viel wie der mexikanische Durchschnitt an einem Tag. Und: die Löhne in Mexiko werden voraussichtlich niedrig bleiben. So tief, dass die landesweit produzierenden Arbeitskräfte ihren Job für die kommenden zehn Jahre auf sicher haben. Trotz Roboter fanden mehr als 200 000 Arbeiter in den ersten fünf Monaten dieses Jahres einen neuen Job, zu den bereits bestehenden 5,15 Mio. Beschäftigten in der Industrie. «In Mexiko gibt es ein Gleichgewicht zwischen Automatisierung und Handarbeit. Man nutzt beide Vorteile aus», erklärt Patton. Kräftezehrende und monotone Arbeiten werden automatisiert, während Aufgaben, die Gefühl, Augen, Ohren und Hirn erfordern, immer noch von Menschenhand ausgeführt werden – eben wegen der tiefen Lohnkosten.

50 km vom Genesis-Werk entfernt verrichten einige Roboter des belgischen Autozulieferers Bosal in seiner Fabrik ihr Werk. In den vergangenen 18 Monaten haben die Belgier rund 20 Mio. CHF in Automationssysteme investiert. Ein Grossteil davon sind Produkte von Genesis. Bosal senkte durch die Anlageninvestitionen die Zahl der Neueinstellungen. «Wegen der steigenden Verkaufszahlen haben wir die Belegschaft trotzdem um 50 Prozent erhöhen müssen gegenüber 2014», sagt Bosal-Regionaldirektor Luis Palomé. Das liegt vor allem daran, dass die Arbeiter eingestellt werden, um die Maschinen bestücken zu lassen. Die eigentliche Arbeit wie Schweissen verrichtet dann der Roboter. Der mexikanische Arbeiter verdient für das Bestücken 13.50 CHF pro Tag. Ein amerikanischer Arbeiter würde für die gleiche Arbeit das Vielfache verlangen. Ein Roboter, der die Arbeit des Mexikaners verrichten würde, kostet dagegen 1 Mio. CHF. Die Amortisation des Roboters dauert zehn Jahre. «In Mexiko rechtfertigen diese Kosten keinen Roboter», sagt Palomé dazu. Automation ist also nicht immer die günstigste Lösung. Für die südlichsten Arbeiter des nordamerikanischen Kontinents sind das gute Neuigkeiten. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern; zumindest so lange die Roboter nicht alle Arbeitsprozesse einfach und kostengünstiger durchführen können, als es die Angestellten in den Fabriken tun.

Dieser Text erschien Online als Reportage im MIT TechReview. Autorin des englischen Textes ist Amy Guthrie. SMM

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