Swissmen Symposium 2013

USA: Renaissance der industriellen Fertigung?

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Wirtschaftsbeziehungen Schweiz – USA

Martin Naville, CEO, Swiss-American Chamber of Commerce, befasste sich mit den Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Schweiz und den USA von gestern, heute und morgen.

70% der Mitglieder der Handesskammer sind Schweizer Firmen. Durch den Steuerstreit und die Altlasten des Schweizer Bankgeheimnisses scheine das Verhältnis zwischen der Schweiz und den USA gestört. Oft würden die USA als bankrottes Modell und eine Gefahr für die Schweiz dargestellt. Doch die Fakten würden eine ganz andere Sprache sprechen. «Die USA und die Schweiz erscheinen auf allen Ranglisten der globalen Wettbewerbsstärke und der Innovationsstärke auf den ersten Plätzen.»

Schweizer Exporte in die USA, unser Exportland Nummer 2, haben in den vergangenen Jahren einen wahren Boom erlebt, nämlich plus 11,5 % allein im Jahr 2012. Die gegenseitigen Direktinvestitionen, vor allem im Hightech-Bereich, gehen von Rekord zu Rekord. Naville: «Das sind Zeichen gegenseitiger Wertschätzung und des Vertrauens.» Auch die Zukunft erscheine in positivem Licht. «Für die Schweiz gibt es viel Potential, grossen aber nicht blinden Optimismus.» Abschliessend präsentierte Naville Direktinvestoren, – Schweizer Firmen in den USA sowie US-Firmen in der Schweiz. Diese Informationen dürften viele MEM- Manager positiv überrascht haben.

Renaissance oder bloss Strohfeuer?

«Die US-Wirtschaft befindet sich in einem Aufschwung», begann Peter Meier, USP Consulting Goldach, seine Rede. Das Thema «Industrielle Fertigung in den USA: Renaissance oder Strohfeuer»? liess denn umso mehr aufhorchen.

Meier ging auf Konsumausgaben vor und nach der Krise ein, verwies auf «dauerhafte» Konsumgüter wie Autos und IT-Produkte und andere und wandte sich dann den Werkzeugmaschinen-Importen in die USA aus verschiedenen Ländern zu und zeigte eine Auflistung mit der Schweiz an 7. Stelle.

Unter «Trends» und «Trendbrüche» legte Meier den Finger auf Wechselkurse in der Krise und in der Hochkonjunktur. Eine Analyse der Entwicklung der Industrieproduktion in der metallverarbeitenden Industrie der USA zeigt, dass das Wachstum stark von den Wechselklurs-Relationen beeinflusst wird. Meier: Man könne davon ausgehen, dass die Industrieproduktion in den USA in den nächsten Monaten wieder ansteige. Auf grosses Interesse stiess das von ihm entwickelte Modell um den Konjunktureinfluss von Industrie-Produkten zu berechnen.

Meiers Prognose: Der Einfluss auf die Entwicklung des schweizerischen Maschinenbaues dürfte sich in Grenzen halten, da nur etwa 10% der Lieferungen in die USA gehen.

Bedeutung der US-Fertigungsindustrie

William A. Strauss, leitender Ökonom der Federal Reserve Bank of Chicago, ist ein international gefragter Referent für wirtschaftliche Themen. Sein Beitrag «Die wirtschaftliche Bedeutung der US-Fertigungsindustrie und ihre Wettbewerbsstärken» ging von der verbreiteten Meinung aus, die USA hätten in den letzten Jahren ihre herstellende Industrie schrittweise eingebüsst.

Strauss zeigte Entwicklungen in den Bereichen Fertigung und Arbeitsplätze seit 1990 und legte den Fokus auf die vergangenen sechs Jahre. Viele Politiker hätten die Wettbewerbsfähigkeit der Fertigungsindustrie irrtümlicherweise am Beschäftigungsgrad gemessen. Strauss: «Viel angebrachter ist es, die Leistung der Industrie an den erzeugten Produkten zu messen.» Die präsentierten Beispiele überzeugten. Sobald eine Industrie ein starkes Produktionswachstum aufweise, könne sich die Produktion auch bei einer abnehmenden Arbeitnehmerzahl erhöhen. Seine Behauptung, über 70% der Dinge die in den USA konsumiert werden, würden im Land hergestellt, löste Überraschung und damit auch Fragen aus.

Die Beispiele über Zusammenhänge bei Produktivität, Lohnkostenanteil, Ölpreise, Wachstum verschiedener Industriezweige, modernen Herstellungsverfahren, Wandel der Ansprüche an Arbeitskräfte usw. waren leicht nachvollziehbar und wurden letztlich auch dem Thema des Symposiums gerecht, für MEM- Betriebe im US-Markt Chancen zu sehen.

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