Swissmen Symposium 2013

USA: Renaissance der industriellen Fertigung?

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Anbieter zum Thema

Chancen nordamerikanischer Anbieter

Geschäftsmodelle, die früher die Ausgliederung von Fertigungsprozessen in Niedriglohnländer befürworteten, werden heute sehr kritisch beurteilt. Vielmehr setzen moderne Geschäftsmodelle auf die aufkommende Priorisierung des Produktionsumfeldes. Von dieser Situation und dem Wiedererstehen der Fertigungsindustrie in den USA als eine der grössten Veränderungen ging das Referat «Chancen und Herausforderungen für nordamerikanische Anbieter von Fertigungslösungen» von Rodger W. Pinney, President & CEO United Grinding, Ohio, aus.

Pinney ist ein Praktiker mit 20-jähriger Erfahrung mit amerikanischen und europäischen Firmen, darunter auch mehrere aus der Schweiz. «Nordamerikanische Produktionsbetriebe investieren wieder sehr stark in produktive und effizientere Herstellungsverfahren, um damit ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern», betonte er. Einst ausgelagerte Produktionen seien wieder zurück in die USA geholt worden. Am Beispiel von Unternehmen wie Körber, Mägerle, Studer, Walter, Jung und anderen verglich er Fertigungs- und Wachstumstrends in den USA sowie Herausforderungen und Chancen. Seine Prognose bis zum Jahr 2020: Tendenz ansteigend, kontinuierliches Wachstum. Gegenüberstellungen mit Entwicklungen in vergleichbaren Unternehmen in China, Japan, Mexiko und Kanada vermittelten eine eindrückliche Ist-Analyse. Es besteht kein Zweifel, dass sich für globale Anbieter von Herstellungsverfahren in Nordamerika vielversprechende Perspektiven eröffnen. Nachdem er anstehende Herausforderungen in Produktionsbetrieben in den USA und die Chancen für MEM-Betriebe skizziert hatte, gab er Tipps, bei denen insbesondere Kommunikation, Technologie und nationale Tendenzen zu berücksichtigen sind. Mit dem Apell «Sie müssen den USA-Markt verstehen lernen», schloss er.

Freihandelsabkommen im weltweiten Markt

«Warum brauchen wir eigentlich Freihandelszonen, wo wir doch die WTO haben»? Dr. Luzius Wasescha, Botschafter in Bern und Genf, nahm die Bedeutung von Freihandels- und Wirtschafts-Zusammenarbeitsabkommen in Zeiten des globalisierten Welthandels unter die Lupe.

Wasescha portraitierte den heutigen Welthandel, sprach über Freihandel und den Stellenwert von Wertschöpfungsketten. Unter «Quo vadis WTO?» erfuhren die Anwesenden, warum die WTO nicht vom Fleck kommt. Er erwähnte Fehler der Schweizer Europa-Politik, legte den Finger auf die Rolle der Schweiz als «draussenstehendes» aber doch zu Europa gehörendes Land. Auch der Handel Schweiz– EU gehöre zum Welthandel, bemerkte er trocken. Doch was den Schweizern nach wie vor schwer falle: Der Umgang mit Wandel und Veränderungen. Warum nicht mal die Möglichkeiten prüfen, auch in Indien und Brasilien fusszufassen, wandte er sich an Schweizer Zulieferer.

Mit Beispielen über den Stellenwert von Begriffen in Verträgen wie Herkunftsland, Entwicklungsland, Zölle, Entwicklungs- und Industrieländer oder Warenwert bot Wasescha einen leicht verständlichen Einblick in das doch eher komplizierte Vertragswesen.

Abschliessend setzte er sich mit den Chancen eines Freihandelsabkommens USA – EU auseinander und zog Parallelen zu einem möglichen Freiheitshandelsraum in Asien.

Diskussionsrunden, Gesprächsführung

In zwei Diskussionsrunden hatte das Publikum die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Zum Thema «Potential der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen Schweiz/USA» orientierten Steve Kline jr., Martin Naville und Hans Hess. William A. Strauss, Peter Meier und Rodger W. Pinney beantworteten Fragen zum Schwerpunkt «USA: Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten?»

Mit Reto Lipp, SRF Zürich, Moderator des Symposiums, gewann Swissmem einen kompetenten versierten Fachmann. Er stellte den Referenten gelegentlich selber Fragen, verstand es die Diskussionen zu führen und durch Insistieren immer wieder Schweizer Anliegen auf den Punkt zu bringen.

Frei nach Goethe – wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen. Und jeder geht zufrieden aus dem Haus – erfüllte das Symposium die Erwartungen an das Tagesthema «USA oder die Renaissance der industriellen Fertigung» in jeder Hinsicht.

Es ist ein Muss, diesen alljährlichen Anlass der Swissmem zu besuchen, wenn man am Ball bleiben will und eine gute Gelegenheit, um sich mit Geschäftspartnern und Freunden zu treffen. Wie bereits zur Tradition geworden, wird sich wohl auch das nächste Swissmem Symposium wieder mit aktuellen Fragen, Aufgaben und Chancen der MEM-Industrie auseinandersetzen. Das Datum steht bereits fest: 28. August 2014. <<AutorRolf Dorner, Fachjournalist BR/SFJMitarbeiter des SMM

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