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Schiefergasbasiertes Polyethylen aus Europa
Energiekosten sind von grosser Bedeutung für die gesamte Kunststoffindustrie. Besonders laute Kritik kommt von Unternehmen der gesamten deutschen Industrie, wo die Energiekosten zu den höchsten in Europa gehören. Die deutsche Chemieindustrie macht sich ebenfalls Sorgen um ihre sinkende internationale Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere gegenüber nordamerikanischen Unternehmen, die von Schieferöl und -gas profitieren können.
Deshalb richten sich gerade viele Blicke auf den Petrochemieriesen Ineos, der seit Kurzem Ethan aus der Marcellus-Formation in den USA nach Norwegen importiert. In einigen Monaten wird dann voraussichtlich das erste schiefergasbasierte Polyethylen aus Europa auf den Markt kommen. Ineos steht auch in den Startlöchern für die Förderung von Schiefergas in Grossbritannien, wobei für 2016 noch kein Fracking geplant ist. Das Unternehmen will Schiefergas sowohl als Energieressource als auch als Einsatzstoff für Polymere verwenden.
Die Kreislaufwirtschaft
Neben der Sorge um eine ausreichende Rohstoff- und Energieversorgung wächst in Europa auch das Bewusstsein, dass man sich verstärkt um Einsatz, Wiederverwendung und Erhaltung wertvoller Kunststoffe kümmern sollte. Ende letzten Jahres hat die Europäische Kommission ein aus ihrer Sicht ehrgeiziges neues «Massnahmenpaket zur Kreislaufwirtschaft» (Circular Economy Package, CEP) verabschiedet. Dieses soll «dazu beitragen, den Kreis der Produktlebenszyklen durch mehr Recycling und Wiederverwendung zu schliessen, und sich damit sowohl beim Umweltschutz als auch in der Wirtschaft positiv auswirken».
Die Kommission hat zudem eine Überarbeitung der Abfallgesetzgebung vorgeschlagen. Zu den Schlüsselelementen gehören ein einheitliches EU-Ziel für Recycling von 75 Prozent der Verpackungsabfälle bis 2030 und ein Deponieverbot für getrennt gesammelte Abfälle. «Weniger als 25 Prozent des Kunststoffabfalls werden recycelt, und rund 50 Prozent auf Deponien entsorgt», sagt die Kommission.
PlasticsEurope, der Verband der europäischen Kunststoffhersteller, hat das CEP «als einen weiteren Schritt in Richtung Ressourceneffizienz» begrüsst, aber auch Bedenken geäussert. «Die europäische Kunststoffindustrie fordert seit Längerem eine rechtlich bindende Deponiebeschränkung für alle recycelbaren und anderen wiederverwertbaren Post-Consumer-Abfälle bis 2025», erklärt der Verband. «Auch wenn ein 10-Prozent-Ziel ein Schritt in die richtige Richtung ist, bleibt es doch ein halbherziger Versuch zur Beendigung der Deponieentsorgung sämtlicher Abfälle, die als Ressource genutzt werden können.»
European Bioplastics (EUBP), der Verband der Lieferanten biobasierter Kunststoffe, äusserte sich positiver zum Bericht und sagt, dass «zukunftsgerichtete Sektoren mit ausgeprägten Umweltschutzvorteilen und Wachstumspotenzialen, wie Biokunststoffe, gefördert werden sollten». Der Verband prognostiziert, dass die Produktionskapazitäten für Biokunststoffe in der EU bis 2025 um das Zwanzigfache auf dann 5,7 Millionen Tonnen ansteigen werden.
Eine neue industrielle Revolution?
Trotz all dieser Bedenken richtet die europäische Kunststoffindustrie den Blick klar auf die Zukunft. Zahlreiche europäische Maschinenhersteller werden auf der K 2016 die Zahl 4.0 an ihren Ständen gut sichtbar platzieren und so für ihre «intelligenten» Fabriken werben, die sie im industriellen Internet der Dinge (IoT) betreiben. «Industrie 4.0 ist vor allem eines: eine Riesenchance, die wir gemeinsam mit unseren Kunden nutzen wollen», sagt Dr. Stefan Engleder, CTO beim Spritzgussspezialisten Engel. Dennoch findet er das Wort «Revolution» nicht wirklich passend. «Der Wandel, den wir derzeit erleben, ist eher eine Art Evolution», erklärt er. «Für uns ist Industrie 4.0 kein neues Konzept, sondern in vielen Bereichen bereits langjährige Praxis im Arbeitsalltag.» Das sehen andere Branchenakteure sicherlich ähnlich.
Westerheide vom GKV ist überzeugt, dass neue digitale Technologien auch Kunststoffverarbeitern neue Perspektiven eröffnen und sagt: «Die Messe K 2016 wird uns eine ausgezeichnete Gelegenheit bieten, die Vorteile der Digitalisierung für unsere Industrie zu erkunden.» -mei- SMM
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