Wellershoff & Partners Ltd.: Spannungs- und Chancenfeld China
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Interview mit Dr. Klaus W. Wellershoff, CEO Partner Wellershoff & Partners Ltd.
SMM: Ihr Referat befasst sich mit den Chancen und Risiken in China. Wo sehen Sie die grossen Chancen für die Schweizer MEM-Industrie und gelten diese für Klein- wie auch für Grossunternehmen?
Dr. Klaus W. Wellershoff: Für uns besteht kein Zweifel daran, dass sich die weltwirtschaftlichen Kräfteverhältnisse dauerhaft in Richtung Asien verschoben haben und dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Der wirtschaftliche Aufbau Chinas wird zwar nicht ohne Rückschläge gehen, aber auf Jahre hinaus wird die chinesische Wirtschaft Investitionsgüter und hochwertige Konsumgüter in einem Ausmass nachfragen, dass für Gross- und Kleinunternehmen mannigfaltige Chancen entstehen werden.
Der Hype um China dauert nun schon länger an. Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Entwicklung des Landes?
Dr. K. W. Wellershoff: In den letzten Jahren war die wirtschaftliche Entwicklung vor allen Dingen durch eine stetige Steigerung der Investitionstätigkeit geprägt. So etwas ist anfänglich gut, auf Dauer aber nicht durchzuhalten. Steigende Investitionsanteile am Volkseinkommen verdrängen Konsummöglichkeiten, die es eben auch braucht, damit eine nachhaltige Wachstumsentwicklung entsteht. Solche Ungleichgewichte sind nicht untypisch für schnell wachsende Schwellenländer, haben aber in anderen Ländern zwischenzeitlich immer auch zu erheblichen Krisen geführt.
Wo sehen Sie die Risiken für ausländische Investoren?
Dr. K. W. Wellershoff: Im Wesentlichen in der Verlockung für die nächsten Jahre, einfach eine Fortsetzung der Entwicklung der vergangenen Jahre zu erwarten, und die Gefahr, die chinesische kommunistische Partei falsch zu interpretieren. China ist weit davon entfernt, eine Marktwirtschaft liberaler Prägung zu sein und will es nach erklärter Doktrin auch nie werden. Die jetzt eingeführten marktwirtschaftlichen Elemente dienen nach offizieller Erklärung einzig dazu, vom Westen zu lernen und die Produktivkräfte des Landes zu entwickeln. Das Endziel heisst immer noch Kommunismus. Es ist interessant zu sehen, dass gerade die Unternehmer, die im Augenblick so grosse Chinabefürworter sind, weil die Regierung verlässlich in ihren Aussagen ist und sich gegen alle demokratisch motivierten Widerstände durchsetzt, das nicht wahrhaben wollen.
Es gibt Stimmen, die vor einer Blase in China warnen. Wie stehen Sie dazu?
Dr. K. W. Wellershoff: Am chinesischen Immobilienmarkt hat sich in den grossen, bekannten Ballungszentren in der Tat eine Blase gebildet, der im Moment die Luft ausgeht. Gleichzeitig leiden weite Landesteile eher an einer Unterversorgung an bezahlbarem Wohnraum. Dementsprechend wird sich der Immobilienboom wohl verlagern. Das ist ein gutes Beispiel für die zu erwartende wirtschaftliche Entwicklung: Zu schnelles Wachstum in staatlich ehemals geförderten Bereichen wird sich als nicht nachhaltig erweisen, dafür entstehen neue Chancen im konsumnahen Bereich. <<
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