Elektroauto mit 600 PS Weltweit einzigartiges, «selbst-bewusstes» Auto

Redakteur: Matthias Vogel

Optisch erinnert das neue Fahrzeug der Technischen Universität Braunschweig an ein Spielzeugauto in der Grösse eines «erwachsenen» Fahrzeugs. Statt der Karosserie findet sich hier nur ein Gitterrohrrahmen. In dem Auto, das von vier Elektromotoren getrieben fast lautlos über den Asphalt schnurrt, steckt ein Kraftprotz: Fast 600 PS bringt das zwei Tonnen schwere Gefährt auf die Strasse. Es ist eines der leistungsstärksten E-Fahrzeuge der Welt, und beschleunigt in drei bis vier Sekunden von null auf hundert. Entwickelt wurde es von Prof. Markus Maurer und seinem Team am Niedersächsischen Forschungszentrum Fahrzeugtechnik der TU Braunschweig.

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Torben Stolte, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Regelungstechnik, am Steuer des Mobile-Forschungsfahrzeugs.
Torben Stolte, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Regelungstechnik, am Steuer des Mobile-Forschungsfahrzeugs.
(Bild: TU Braunschweig)

Alle vier Räder sind mit einem jeweils eigenen Antrieb und einer Lenkeinheit versehen, die separat angesteuert werden können. Das Auto kann also jedes Rad unabhängig von den anderen bewegen, wodurch es sich praktisch auf der Stelle drehen und extrem leicht einparken lässt.

Von den «Machern» von Leonie

Die «Macher» von Leonie, des ersten Autos, das seit dem Jahr 2010 fahrerlos durch den Braunschweiger Strassenverkehr kurvt, haben sich mit dem Mobile-Projekt diesmal ein neues Ziel gesteckt. «Leonie war damals aufsehenerregend, aber im Grunde die Weiterentwicklung konventioneller Fahrzeugtechnik – eine Evolution», sagt Maurer. «Mobile ist dagegen eine echte Revolution. Sie werden davon weltweit kein Zweites finden». «Diesmal haben wir alles verworfen, was wir bisher über Autos wussten, und einfach von Anfang an ein ganz neues gebaut», ergänzt Projektleiter Peter Bergmiller.

Die Wissenschaftler vom Institut für Regelungstechnik der TU Braunschweig haben mit Prof. Thomas Vietor, Institut für Konstruktionstechnik, schnell einen Partner gefunden, der das Konzept für den Rohrrahmen entwickelt hat. Der massgeschneiderte Rahmen bot den Forschern grösstmögliche Flexibilität. Ausser den drei Wissenschaftlern haben fast ausschliesslich Studierende das Auto entwickelt. Jede Komponente ist das Ergebnis einer Bachelor-, Master oder Diplomarbeit, insgesamt etwa 40 Arbeiten aus der Elektrotechnik, der Informations-Sytemtechnik, der Informatik, dem Wirtschaftsingenieurwesen und dem Maschinenbau.

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