Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie erwartet nach zwei Jahren im Rückwärtsgang für 2026 einen Zuwachs in der Produktion von 1 Prozent auf 13,7 Mrd. Euro.
Franz-Xaver Bernhard, Vorsitzender des VDW, während der Jahrespressekonferenz: «Wesentliche Grundlage [für den erwarteten Zuwachs in der Produktion] ist die erwartete Erholung der Inlandsnachfrage.» (Podium v. l. n. r.: Dr. Sonna Pelz, Dr. Markus Heering, Franz-Xaver Bernhard, Sylke Becker)
(Bild: VDW Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e. V.)
«Wesentliche Grundlage dafür ist die erwartete Erholung der Inlandsnachfrage», begründet Franz-Xaver Bernhard, Vorsitzender des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e. V. (VDW), auf der Jahrespressekonferenz die Prognose. Hohe Kosten, mangelnde Planungssicherheit und das Ausbleiben wirtschaftlicher Reformen zur Stärkung des deutschen Produktionsstandorts hatten die Investitionen im Vorjahr ausgebremst. Nunmehr würden positive Effekte des so genannten Sondervermögens der Bundesregierung erwartet, das in Infrastruktur, Verteidigung, Klimaschutz, Digitalisierung und Mobilität investiert werden soll und zumindest einen kleinen Impuls geben könnte.
2025 war die Produktion um 8 Prozent gesunken. Im Vergleich zum höchsten Ergebnis 2018 beträgt der Abstand damit ein Fünftel. Preisbereinigt ergibt sich sogar eine Lücke von 35 Prozent. Der Rückgang betrifft gleichermassen den Export und in etwas geringerem Ausmass den Inlandsabsatz. Die Ausfuhren in alle Weltregionen waren rückläufig. Nur wenige der Top-15-Auslandsmärkte konnten zulegen.
China international auf der Überholspur
«Grosse Sorgen bereitet uns der Wettbewerb aus China», sagt Bernhard. Wie erwartet hätten die Chinesen gemäss der geltenden Regierungsstrategie ihre Werkzeugmaschinenausfuhren massiv gesteigert, um 18 Prozent. Verstärkt wurde die Entwicklung durch die Nachfrageschwäche im Land selbst. Entsprechend mussten die deutschen Hersteller ihre internationale Führungsposition im Export an China abgeben. Das Land baut seine Stellung im Asean-Raum weiter kräftig aus, ebenso in Brasilien, im Nahen Osten und in Nordafrika. Auch die Exporte in einige EU-Länder steigen weiter, so nach Deutschland, Polen und Italien, obwohl der Gesamtimport dieser Länder in den vergangenen Jahren eher rückläufig war.
«Keine schönen Nachrichten», gibt Bernhard zu Protokoll. «Wir nutzen jedoch intensiv alle Handlungsoptionen, uns an den strukturellen Wandel anzupassen», sagt er. Dies erfordere schlussendlich leider auch Kapazitätsanpassungen. Im Oktober 2025 hatte die Branche die Zahl ihrer Mitarbeitenden in Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr bereits um 3,9 Prozent auf 63 300 Frauen und Männern gesenkt.
Damit die Branche wieder Fahrt gewinnt, muss sie alle verfügbaren Handlungsoptionen ausschöpfen. Neben Kapazitätsanpassungen sind das Auslandsproduktion, Diversifizierung der Märkte, Ausbau der Technologieführerschaft, Intensivierung der Forschungsaktivitäten und Rekrutierung von exzellenten Mitarbeitenden.
Local für Local wird immer bedeutender
Zwölf grössere Werkzeugmaschinenhersteller produzieren mittlerweile im Ausland. Ihre Auslandsproduktion steht für gut ein Fünftel der gesamten deutschen Werkzeugmaschinenproduktion. 45 Prozent werden in Europa erzielt, 32 Prozent in China und 20 Prozent in den USA. Sie kompensiert sinkende Exporte in wichtige Märkte und stabilisiert das Gesamtergebnis der Unternehmen. «Unternehmen, die dies wahrnehmen können, haben eine bessere Chance, trotz bestehender Handelshemmnisse stärker am lokalen Marktwachstum zu partizipieren und auch Kostenvorteile zu realisieren», sagt Bernhard.
Absatzmärkte diversifizieren – Europa im Fokus
2025 gingen die deutschen Ausfuhren in die grössten Absatzmärkte aufgrund der US-Zölle und des sinkenden chinesischen Imports kräftig zurück. Die Top-Absatzregion der deutschen Hersteller ist der Heimatmarkt Europa, der rund die Hälfte der Ausfuhren aufnimmt. Addiert man den deutschen Markt hinzu, so geht der Löwenanteil des Werkzeugmaschinenabsatzes von über 60 Prozent in die Region. Kundenbranchen wie Rüstungsindustrie, Flugzeugbau, Elektronik, Energie oder Medizintechnik sind vielversprechend. Der Ausbau und die Sicherung kritischer Infrastruktur bei Batterien und Chips, der Aufbau einer Wasserstofftechnologie, Digitalisierung und der Aufbau von Rechenzentren setzen Investitionen in Europa frei. Zwar können sie die Automobilindustrie in ihrer Bedeutung nicht ablösen, jedoch den Transformationsdruck abmildern.
Technologieführerschaft ausbauen
«Die Position als zweitwichtigster Lieferant weltweit verdankt die Branche ihrer Technologieführerschaft», sagt Franz-Xaver Bernhard, Vorsitzender des VDW.
(Bild: VDW Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e. V.)
Mit einem internationalen Exportanteil von 17 Prozent spielt Deutschland trotz des Rückgangs im vergangenen Jahr weltweit eine gewichtige Rolle. «Die Position als zweitwichtigster Lieferant weltweit verdankt die Branche ihrer Technologieführerschaft», sagt Bernhard. Immer wieder gelinge es den Firmen, wechselnden Anforderungen der Kunden Rechnung zu tragen. Das umfasst die einzelne Maschine ebenso wie komplette Anlagen. Es entstehen innovative Produkte und viele Weltneuheiten. Innovationen werden aktuell besonders durch Automatisierung, Produktivität und Effizienzsteigerung bei Energie- und Materialeinsatz, sowie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in der Fertigung vor-angetrieben. «Hier können wir punkten, weil wir langjährige Erfahrung haben, weil wir Hightech können und weil wir Zugang zu exzellenten wissenschaftlichen Ressourcen besitzen. Ausserdem bieten wir ausgereiften Service und Retrofit. Beides gewinnt an Bedeutung, wenn weniger in neue Maschinen investiert wird», ist Bernhard überzeugt. Themen wir E-Mobilität, digitale Transformation und Künstliche Intelligenz bieten Chancen.
Stand vom 30.10.2020
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Forschung und Entwicklung weiter stärken
Die deutsche Technologieführerschaft ist der hohen Forschungs- und Entwicklungsintensität in den Unternehmen zu verdanken. Die F&E-Quote im Maschinenbau liegt bei über 4 Prozent des Umsatzes. 15 Prozent des Umsatzes werden mit Produktinnovationen erzielt. International liegen deutsche Patentanmeldungen auf Platz 4.
Einen spürbaren Schub bei den Forschungsaktivitäten im Maschinen- und Anlagenbau hat die Forschungszulage gebracht. Sie ermöglicht steuerliche Abschreibungen, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, und ist ein sehr gutes Beispiel dafür, welche Fortschritte durch passende Rahmenbedingungen möglich sind. «Die Forschungszulage könnte weiter verbessert werden, indem der Zugang vereinfacht und unbürokratischer gestaltet wird sowie die genehmigten Mittel schneller ausgezahlt werden», fordert Bernhard. Noch betreiben die Maschinenhersteller mehr als vier Fünftel ihrer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Inland. Insbesondere die grösseren Firmen erwägen jedoch, Teile gemeinsam mit der Produktion ins Ausland zu verlagern. «Dies gilt es unbedingt zu verhindern», so Bernhard.
Die Werkzeugmaschinenindustrie lebt von und arbeitet mit hochqualifiziertem Personal. Es ist eine wichtige Basis für die Technologieführerschaft und nach wie vor ein wesentlicher Standortvorteil hierzulande. Daueraufgabe der Unternehmen bleibt es, die Attraktivität der Branche auf allen verfügbaren Kanälen zu kommunizieren und hochwertige Arbeitsplätze anzubieten. Ungeachtet des aktuellen Abbaus von Mitarbeitenden bleibt der Bedarf an Fachkräften mittelfristig hoch. Arbeitsmarktreformen würden helfen, Arbeitsplätze zu erhalten und den Aufschwung zu fördern. «Dabei denke ich an die Deckelung der Sozialausgaben, die Verlängerung und Flexibilisierung der Arbeitszeit, ein höheres Renteneintrittsalter sowie die Entbürokratisierung des Arbeitsrechts», beschreibt Bernhard die notwendigen Schritte. Für die Tarifpartner sei es an der Zeit, das Freund-Feind-Denken zu den Akten zu legen und am selben Strang zu ziehen, um Beschäftigung zu sichern und auszubauen. «Das sollte vorrangiges Interesse beider Tarifpartner sein», so Bernhard.
Ingenieurinnen und Ingenieure qualifizieren
Um die Technologieführerschaft zu behalten, setzen insbesondere die kleinen und mittleren Maschinenhersteller auch künftig auf Ingenieurinnen und Ingenieure. Über 60 Prozent der befragten Unternehmen geben in der aktuellen VDMA-Ingenieurerhebung an, dass sie deren Zahl stabil halten oder sogar steigern wollen. Daran werde auch die künstliche Intelligenz nichts ändern. «Die Verbesserung von Bildung und Ausbildung steht schon lange im Forderungskatalog des Maschinenbaus», sagt Bernhard. Dabei gehe es etwa um die Einführung von Mindeststandards und Qualität im Bildungswesen, die Einführung eines Pflichtfachs Technik in Schulen sowie die zügige Realisierung des Digitalpakts.
Reformen mit Tempo und klaren Prioritäten
«Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie ist Enabler für die heimische Industrie, damit sie international wettbewerbsfähig bleibt. Wir haben jedoch an vielen Fronten zu kämpfen», fasst VDW-Vorsitzender Bernhard zusammen. Die Branche bearbeite intensiv die Handlungsfelder, auf die sie Einfluss hat. Bei den hausgemachten Standortproblemen hingegen könne und müsse die Regierung endlich gegensteuern. «Als Mittelständler stehen wir zu diesem Standort, denn wir können unsere Aktivitäten nicht so einfach ins Ausland verlagern. Deshalb erwarten wir wirtschaftspolitische Reformen, die Wachstum und Investitionen hierzulande voranbringen. Wir erwarten klare Prioritäten und vor allem erwarten wir Tempo», sagt Bernhard abschliessend.