Anbieter zum Thema
Konjunkturprognose Schweiz
Die Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz verlief im bisherigen Jahresverlauf trotz erster Verlangsamungsanzeichen immer noch solide. Beim BIP-Wachstum kam es im 1. Quartal 2011 nach mehreren starken Quartalen erstmals wieder zu einer Abschwächung (+0,3% gegenüber dem Vorquartal bzw. +2,4% gegenüber dem Vorjahresquartal). Auch gewisse Stimmungsindikatoren zeigten in den letzten Monaten leichte Abwärtstendenz (z.B. Einkaufsmanagerindex und Bestellungseingänge in der Industrie, Index der Konsumentenstimmung), allerdings durchwegs noch auf einem hohen Niveau. Insgesamt deuten die Konjunkturindikatoren derzeit noch nicht auf eine ausgeprägte wirtschaftliche Abkühlung hin.
Exportwirtschaft unter Druck
Allerdings hat sich für die Exportwirtschaft die bereits zuvor angespannte Währungssituation weiter verschärft, weil der Franken in den letzten Wochen an den Devisenmärkten erneut unter starken und breiten Aufwertungsdruck geraten ist (gegenüber Euro, US-Dollar und anderen Währungen). Mit der jüngsten Entwicklung befindet sich der handels-gewichtete, reale Wechselkursindex (inflationsbereinigt gegenüber 40 Handelspartnern) des Frankens auf einem Allzeithoch, über dem bisherigen Höchststand von Mitte der neunziger Jahre.
Schwierig abzuschätzen ist die Dauer dieser Phase der historisch sehr hohen Bewertung des Frankens. Vor dem Hintergrund der weltwirtschaftlichen Unsicherheiten (vor allem in Bezug auf die Staatsschuldenprobleme) geht die Expertengruppe davon aus, dass der Franken weiterhin als Safe-Haven-Währung stark gefragt bleiben wird und entsprechend eine baldige Rückbildung der Frankenstärke als eher unwahrscheinlich anzusehen ist.
Für die Schweizer Unternehmen bedeutet die seit gut einem Jahr andauernde Franken-hausse eine erhebliche Verschlechterung ihrer preislichen Wettbewerbsfähigkeit auf internationalen Märkten. Die bislang noch bemerkenswert positive Entwicklung der Warenexporte ist wesentlich der schwungvollen Auslandnachfrage (positive Impulse insbesondere aus den Schwellenländern, aus den USA und aus Deutschland) zu verdanken. Daneben haben viele Firmen ihre Exportpreise in Franken gesenkt, um konkurrenzfähig zu bleiben. Dies geht allerdings zulasten der Margen und kann kaum über längere Zeit fortgesetzt werden. Bei anhaltend starkem Franken dürfte daher der negative Wechselkurs-effekt im Verlauf von 2011 und 2012 immer mehr auf die Exporte durchschlagen.
(ID:27780900)
