KOF Konjunkturprognose Trotz Handelsdeal trübe Aussichten für Schweizer Wirtschaft

Eine Analyse von KOF Institut 4 min Lesedauer

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Das KOF Institut erwartet für das Jahr 2025 ein reales sportbereinigtes BIP-Wachstum von 1.4 Prozent (1.2 Prozent unbereinigt). Für 2026 rechnet es mit einer Abnahme der Dynamik auf 1.1 Prozent (unbereinigt 1.4 Prozent), bevor sich das Wachstum 2027 auf 1.7 Prozent (unbereinigt 1.3 Prozent) erhöht. Wegen der zollpolitischen Entlastung wurde die Prognose für 2026 und 2027 um 0.2 bzw. 0.1 Prozentpunkte nach oben revidiert. Dem positiven Effekt der tieferen Zölle wirken die eingetrübten internationalen Aussichten teilweise entgegen.

Konjunkturprognose Winter vom 15.12.2025 (Linie: rechte Skala; Daten in grau; Prognose in petrol; Prozentzahlen unterhalb Grafik: Jahreswachstumsraten).(Bild:  SECO, KOF)
Konjunkturprognose Winter vom 15.12.2025 (Linie: rechte Skala; Daten in grau; Prognose in petrol; Prozentzahlen unterhalb Grafik: Jahreswachstumsraten).
(Bild: SECO, KOF)

Die konjunkturellen Aussichten für die Schweiz stabilisieren sich zum Jahresende. Dies vor allem wegen der handelspolitischen Entlastung gegenüber den Vereinigten Staaten, nachdem die Schweiz Mitte November in Verhandlungen die im August eingeführten US-Zölle von 39 Prozent auf 15 Prozent senken konnte. Die Unsicherheit bleibt jedoch weiterhin hoch, da die gegenseitige Absichtserklärung vorerst kein rechtlich bindendes Abkommen darstellt.

Der Ausblick für das internationale Umfeld hat sich im Vergleich zur vorherigen Prognose leicht verschlechtert. Im Euroraum blieb das Wachstum im dritten Quartal schwach und insbesondere in Deutschland werden sich die positiven Impulse der fiskalischen Massnahmen wohl weiter verzögern. In den USA deuten eine eingetrübte Konsumentenstimmung, schwache Arbeitsmarktdaten und der jüngste Regierungsstillstand auf eine konjunkturelle Abschwächung hin.

Rückpralleffekte prägen den Aussenhandel

Während Uhren-, Maschinen- und Elektrotechnikexporte unter den erhöhten Zöllen im Jahresverlauf litten, verzeichnete die Pharmabranche bislang deutliche Zuwächse in die USA. Insgesamt fielen die negativen Zolleffekte jedoch geringer aus als in früheren Einschätzungen unterstellt. Der Ausblick für die Exporte in die USA bleibt aber wegen der noch bestehenden Zölle und der dortigen abgeflachten Konjunktur verhalten. Die anhaltende Nachfrageschwäche aus China und zunehmende Bestrebungen zur Inlandproduktion belasten die Schweizer Exportentwicklung zusätzlich und wirken insbesondere in den konjunktursensitiven Industrien dämpfend. Diese Einbussen werden teilweise durch eine robustere Nachfrage aus Europa kompensiert. Rückpralleffekte im Anschluss an die ausgeprägten Vorziehexporte führten insbesondere in der Pharmasparte zu einem stärkeren Rückgang der Warenexporte als erwartet, während sich die Warenimporte insgesamt widerstandsfähiger zeigten.

Aussichten der Binnenkonjunktur bleiben gedämpft

Die Investitionstätigkeit bleibt im laufenden Jahr von Zurückhaltung geprägt. Die Ausrüstungsinvestitionen bewegten sich zuletzt seitwärts und lagen im Vorjahresvergleich im Minus. Erst im Zuge einer allmählichen Normalisierung der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dürfte die Investitionsdynamik wieder zunehmen. Auch im Baugewerbe setzte sich die Schwäche fort. Der anhaltende Abschwung im Wohnbausegment in Kombination mit der konjunkturell bedingten Investitionsschwäche bei industriell-gewerblichen Bauten zog die Investitionen in diesem Sektor nach unten. Es wird nur eine zögerliche Erholung im Prognosezeitraum erwartet.

Demgegenüber bleibt der private Konsum eine zuverlässige Stütze der Konjunktur. Die Konsumausgaben wuchsen zuletzt solide, getragen von niedriger Inflation und positiven Nominallohnzuwächsen, die die realen Einkommen stärken. Zwar dürfte sich der Arbeitsmarkt nur langsam erholen, doch bleibt die Konsumdynamik breit abgestützt. Die öffentlichen Konsumausgaben entwickeln sich dagegen deutlich verhaltener. Fiskalische Restriktionen auf Ebene von Bund und Kantonen sowie das ab 2027 greifende Entlastungsprogramm begrenzen den Handlungsspielraum, sodass der Staatskonsum im späteren Prognosezeitraum nur moderat zunehmen dürfte.

Schwächephase auf dem Arbeitsmarkt setzt sich fort

Der Schweizer Arbeitsmarkt hat sich weiter abgeschwächt. Die Arbeitslosenquote ist weiter gestiegen, während die Beschäftigung das zweite Quartal in Folge rückläufig war. Vorlaufindikatoren zeigen keine Trendwende, und die Zahl der offenen Stellen bleibt niedrig. Zwar haben sich die Beschäftigungserwartungen der Unternehmen leicht verbessert, sie bleiben jedoch verhalten und deuten auf ein vorläufig schwaches Beschäftigungswachstum hin. Die Arbeitslosenquote dürfte noch leicht steigen und bei 3.1 Prozent zu liegen kommen. Das Lohnwachstum wird sich prognostiziert etwas verlangsamen, ermöglicht aufgrund der tiefen Inflation aber weiterhin Reallohnzuwächse.

Teuerung tiefer als erwartet – SNB belässt Leitzins bei 0 Prozent

Die Inflationsaussichten wurden gegenüber der vorherigen Prognose nach unten revidiert. Insbesondere die Mietpreisentwicklung fiel schwächer aus als erwartet. Für 2026 erwartet das KOF Institut eine Teuerungsrate von 0.3 Prozent, gefolgt von einem moderaten Anstieg auf 0.6 Prozent im Jahr 2027. Die Aufwertung des Frankens und sinkende Energiepreise wirken im Prognosezeitraum disinflationär, während die Mietentwicklung aufgrund des gesunkenen Referenzzinssatzes verlangsamt bleibt. Das KOF Institut geht davon aus, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum weiterhin bei 0 Prozent belässt.

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Unsicherheit im Zolldeal und geopolitische Risiken überwiegen

Die Prognoserisiken bleiben hoch und mehrheitlich abwärtsgerichtet. Unklar bleibt, inwiefern die zugesagten Schweizer Investitionen in den USA zu Verlagerungseffekten führen und die inländische Investitionstätigkeit dämpfen könnten. Für die Pharmabranche besteht das Risiko, dass die US-Regierung Preissenkungen für Pharmaprodukte durchsetzen könnte.

Auf internationaler Ebene bestehen Risiken zu potenziellen Verschärfungen von Handelskonflikten, geopolitischen Spannungen und möglichen Störungen globaler Lieferketten. Zudem erhöht die hohe Staatsverschuldung in vielen Volkswirtschaften das Risiko fiskalischer Konsolidierungen und Verwerfungen auf den Finanzmärkten. Eine weitere Aufwertung des Frankens würde die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Exportwirtschaft zusätzlich belasten.

Demgegenüber bestehen Aufwärtsrisiken bei einer zügigen Entspannung der geopolitischen Lage, einem schneller als erwartet rückläufigen Preisauftrieb im Ausland oder einer rascheren und wirksameren Umsetzung fiskalpolitischer Impulse in Europa – insbesondere in Deutschland.

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