Willemin-Macodel feierte in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Gegründet während der Schweizer Uhrenkrise, verzeichnet das Unternehmen heute Rekordumsätze. Gemeinsam mit Mitarbeitenden, Kunden, Partnern und Lieferanten wurde der runde Geburtstag an einem verlängerten Wochenende gefeiert und zu einem unvergesslichen Ereignis.
Der Gründer und Unternehmer Blaise Haegeli hat die Leitung des Unternehmens an seine beiden Söhne Olivier (re.) und Patrick (li.) Haegeli übertragen.
(Bild: Matthias Böhm)
Ende Juni liess es der WZM-Hersteller aus Delémont anlässlich seines 50-jährigen Bestehens so richtig krachen. Die Feierlichkeiten begannen bereits am Freitag, 27. Juni, mit einer ersten Abendveranstaltung, an der rund 200 Personen teilnahmen. Anwesend waren Kunden, Partner und Lieferanten des Unternehmens sowie die gesamte Familie Haegeli.
Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Mitarbeitenden, die zusammen mit ihren Familien bis spät in die Nacht feierten. Ein unvergessliches Festwochenende, zu dem auch die Redaktionen von MSM und SMM eingeladen waren.
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Die Ursprünge des Unternehmens
«Es brauchte Überzeugungskraft und Entschlossenheit, um 1974 ein Unternehmen zu gründen, das im Bereich der Werkzeugmaschinen tätig ist.» Mit diesen Worten begannen Patrick und Olivier Haegeli ihren Vortrag, in dem sie mit vielen Details und Anekdoten auf die Meilensteine des Familienunternehmens eingingen.
Die Geschwister, die das Unternehmen heute leiten, sparten nicht mit Lob für ihren visionären Vater, einen Unternehmer, der auch heute noch mit Herzblut bei der Sache ist. Über ihren Vater sagen sie: «Das Kapital des Unternehmers sind seine Ideen, seine Visionen, seine Energie, seine Entschlossenheit und letztlich seine Überzeugungskraft – dazu eine gehörige Portion Optimismus und ein wenig Leichtsinn.»
Gegründet in der grossen Uhrenkrise
Vor 50 Jahren war die Uhrenindustrie in der Schweiz von der Quarzkrise betroffen, der Ölschock von 1973 stellte die Wirtschaft vor eine Reihe von Herausforderungen und vor allem war Blaise Haegeli frisch gebackener Vater... was ihn nicht davon abhielt, sein Unternehmen zu gründen: Macodel SA (Akronym für MAChine-Outil DELémont).
Anspruchsvolle Startphase
Der Anfang war alles andere als einfach. Als Blaise Haegeli eines Tages von einer Geschäftsreise aus Frankreich zurückkehrte, lernte er zufällig Paul Willemin kennen, der damals bei der Piquerez SA in Bassecourt als Sondermaschinenbauer tätig war.
Sowohl Blaise Haegeli als auch Paul Willemin teilten die Vision, eine Werkzeugmaschine für die Uhrenindustrie zu entwickeln. Aus einer gemeinsamen Idee entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit, die schliesslich zur Fusion führte.
Willemin und Macodel: Eine Zusammenarbeit wie ein Schweizer Uhrwerk
1975, ein Jahr nach der Gründung der Macodel SA, gründete Paul Willemin die Willemin Machines SA. Die Zusammenarbeit verlief wie ein Schweizer Uhrwerk: Willemin Machines entwickelte und montierte die Maschinen, während Macodel SA sich auf Marketing und Vertrieb sowie die Inbetriebnahme konzentrierte. Darüber hinaus konzentrierte sich Macodel SA auf die Anwendungstechnik und den Kundendienst.
1977: Aus Willemin Machines SA und Macodel SA wird Willemin-Macodel SA
1977 zieht Macodel nach Delémont in die gleichen Räumlichkeiten wie Willemin Machines und wird zu Willemin-Macodel SA. Die Kombination der beiden Namen unterstreicht die enge Verbindung mit den Maschinen, die den Namen Willemin tragen. Diese enge Partnerschaft dauerte bis 2003, als Willemin-Macodel die Anteile der Familie Willemin übernahm und alle Aktivitäten in der Willemin-Macodel SA zusammenfasste.
Legendäre Kopiermaschine W-011: 700 statt der geplanten 50 Maschinen
Das erste Projekt, das aus der Zusammenarbeit zwischen Blaise Haegeli und Paul Willemin hervorging, war die Entwicklung einer Kopierfräsmaschine zur Herstellung von Uhrengehäusen: die legendäre Kopiermaschine W-011.
Der ursprünglich erwartete Absatz lag bei etwa 50 geplanten Maschinen. Tatsächlich wurden bis in die 1980er-Jahre über 700 Stück gebaut. Der Erfolg war schon damals kein Zufall. Die Marktanalyse im Vorfeld (50 Maschinen) war sicherlich etwas zu konservativ. Aber das technologische Konzept war so perfekt umgesetzt, dass die Nachfrage explodierte.
Hommage an Gründervater Blaise Haegeli
Olivier und Patrick Haegeli schlossen mit der Frage nach der Gründung des Familienunternehmens im Jahr 1974 und erinnerten daran, dass das «Leben» eines Unternehmens selten wie ein langer, ruhiger Fluss verlaufe, im Gegenteil, die ersten Jahre seien eine Wildwasserfahrt gewesen. Olivier und Patrick fragen ihre Eltern Blaise und Lucienne: «Wie habt ihr das damals geschafft?»
Denn abgesehen davon, dass sie immer für die Familie da waren, mussten Blaise und Lucienne Haegeli an vielen Fronten gleichzeitig arbeiten: neue Maschinen entwickeln, Produktionskapazitäten aufbauen, Montage und Logistik sicherstellen, internationale Märkte erschliessen, qualifiziertes und motiviertes Personal rekrutieren, Rechnungen und Löhne pünktlich bezahlen, die Buchhaltung sicherstellen und so weiter. Und jeden Monat musste den kreditgebenden Banken quasi «die Beichte» abgenommen werden. Kurz: Das Unternehmen musste auf sicheren Beinen stehen.
Stand vom 30.10.2020
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Dabei konnten sie sich nicht nur aufeinander verlassen, sondern auch auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ersten Stunde, von denen viele bis zur Pensionierung und teilweise weit darüber hinaus dabei blieben. Dieser starke Zusammenhalt hat zweifellos die Solidität des Unternehmens und seinen langfristigen Erfolg begründet.
Blaise Haegeli: «Es ist wichtig, ein gutes Umfeld zu haben»
Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums sprach MSM-Chefredaktorin Margaux Pontieu mit dem Gründer der Willemin-Macodel SA, Blaise Haegeli, über die Gründungsjahre und warum er auch heute noch – ein halbes Jahrhundert nach der Gründung – gerne ins Unternehmen geht.
Was bedeutet es für Sie, auf ein halbes Jahrhundert des Bestehens von Willemin-Macodel zurückblicken zu können?
Blaise Haegeli: Es ist eine Erfolgsgeschichte, und ich bin sehr glücklich darüber. Ich habe 40 Jahre lang gegen alle Widerstände gekämpft. Wenn man bedenkt, dass ich mindestens drei Monate im Jahr in der ganzen Welt unterwegs war, um mich um die internationalen Märkte zu kümmern, war die Anfangszeit sehr anspruchsvoll. Das war mit ein wesentlicher Grund, dass ich ein Verkaufsnetz aufgebaut habe, um mich um das Management des Unternehmens zu kümmern.
Sind Sie heute, im Alter von 83 Jahren, immer noch aktiv im Unternehmen tätig?
B. Haegeli: Ich bin immer noch sehr engagiert, ich bin fast jeden Tag im Unternehmen, aber ich sehe es nicht als meine Arbeit an, ich betrachte es eher als mein Hobby. Ich gehe zur «Arbeit», weil es mir Spass macht, um zu sehen, was dort passiert, um zu versuchen, Ideen zu liefern, Produkte zu untersuchen, den Markt zu analysieren und visionär zu bleiben. Das hält mich jung.
Welchen Rat würden Sie einem Gründer von heute geben?
B. Haegeli: Es ist wichtig, ein gutes Umfeld zu haben. Man muss aber auch immer die Verantwortung tragen und in der Lage sein, die Richtung vorzugeben.
Wie empfinden Sie die Zusammenarbeit Ihrer Söhne?
B. Haegeli: Sie ergänzen sich und verfolgen ein gemeinsames Ziel. Es liegt also in ihrem Interesse, Kompromisse zu finden, damit sie auf dasselbe Ziel hinarbeiten und ihre Ideen austauschen können. Manchmal knistert es in ihrer Beziehung, aber ich halte das für ein gutes Zeichen: Es bedeutet, dass sie Charakter haben.
Welchen Rat würden Sie Ihren Söhnen mit auf den Weg geben?
B. Haegeli: Unternehmerischer Elan ist gut, aber manchmal muss man sich auch zügeln können.
Was ist Ihr Leitmotiv?
B. Haegeli: Wir müssen unser Know-how und unsere Kompetenzen weltweit bekannt machen.
50 Jahre technologische Meilensteine
Es ist nicht einfach, auf ein halbes Jahrhundert voller Innovationen zurückzublicken, aber einige wichtige Momente in der Geschichte von Willemin-Macodel verdienen es, hervorgehoben zu werden.
1978 besuchte Blaise Haegeli die IMTS (International Manufacturing Technology Show) in Chicago. Dort wurden die ersten CNC-gesteuerten japanischen und amerikanischen Werkzeugmaschinen vorgestellt.
Im selben Jahr entwickelte Willemin-Macodel die erste CNC-Fräsmaschine mit NUM-Steuerung: das Modell W130, eine mehrspindlige (horizontal und vertikal) CNC-Maschine mit drei oder vier Achsen, die hauptsächlich für die Bearbeitung von Uhrengehäusen konzipiert war.
Anfang der 80er-Jahre kamen die ersten 5-achsigen CNC-Simultan-Bearbeitungszentren auf den Markt. Schon bald entwickelte Willemin-Macodel SA kundenspezifische Lösungen.
Aufgrund der ausgezeichneten Nachfrage expandierte der Westschweizer WZM-Hersteller kontinuierlich. Verschiedene bauliche Erweiterungen wurden realisiert, parallel dazu wurden weltweit Verkaufs- und Servicebüros eröffnet (Deutschland, USA, Russland, China). Zudem wurde die Maschinenpalette konsequent ausgebaut.
Erste Fräsmaschine für die Stangenbearbeitung
In den 90er-Jahren entwickelte Willemin-Macodel SA als erster WZM-Hersteller eine Fräsmaschine für die Bearbeitung ab Stange. Diese neue Werkzeugmaschine füllte eine Marktlücke, insbesondere in der Uhrenindustrie.
Seit der Übernahme der Willemin Machines SA durch die Willemin-Macodel SA im Jahr 2003 sind Entwicklung, Produktion, Verkauf und Service unter einem Dach vereint.
2009 Neueröffnung in Delémont-West
Bis 2009 verfügte Willemin-Macodel SA über zwei Produktionsstandorte in Bassecourt und weitere Standorte im Delsberger Tal, was die logistischen Abläufe erheblich erschwerte.
Im Jahr 2009 erfolgte der Umzug des Unternehmens nach Delémont-West, wo auf einer Fläche von 9000 m2 die heutigen modernen und funktionellen Räumlichkeiten entstanden. Damit hat die Geschäftsleitung einen weiteren strategischen Grundstein für die Zukunft gelegt.
Im Jahr 2020 wurde in weitere 5000 m2 hochmoderne Produktionsfläche investiert. Im selben Jahr wurde Willemin-Macodel mit dem renommierten SVC-Preis (Swiss Venture Club, svc.swiss) ausgezeichnet. Dieser Preis war eine Ermutigung für das Unternehmen, seine Anstrengungen fortzusetzen, und eine schöne Anerkennung für alle Mitarbeitenden, die hinter dem Erfolg von Willemin-Macodel SA stehen.
Mehr als 400 Mitarbeitende weltweit
Die Zahl der Mitarbeitenden – 10 (1980), 120 (2009), 250 (2013) – ist kontinuierlich gestiegen, sodass heute mehr als 370 qualifizierte Mitarbeitende am Standort Delémont sowie rund 40 Mitarbeitende in den Tochtergesellschaften in Deutschland, China, Indien und den USA beschäftigt sind.
20 Auszubildende werden derzeit in technischen und kaufmännischen Berufen ausgebildet und bilden eine der Säulen, auf denen die Zukunft des Unternehmens aufgebaut wird, in dem das Know-how immer im Mittelpunkt stehen wird.
Die Geschichte von Willemin-Macodel ist noch nicht zu Ende. Die Redaktionen von MSM und SMM sind gespannt auf die nächsten 50 Jahre.