Turbinenkomponenten Abheben in die Zukunft

Redakteur: Matthias Vogel

>> Das maximale Startgewicht moderner Verkehrsflugzeuge beträgt (im Fall des Airbus A380) bis über 500 Tonnen. Insbesondere für den Take-off bedarf es daher leistungsstarker und zuverlässiger Triebwerke. Aerotech Peissenberg profitiert in der Herstellung entsprechend hochwertiger Turbinenkomponenten von seiner langjährigen Erfahrung in diesem Industriezweig. Denn mit dem nötigen Gespür für Innovation und Qualität hat sich der Hersteller längst als Zulieferer nahezu aller bedeutenden Triebwerkshersteller etabliert und sorgt so mit seinen Produkten für einen sicheren und effizienten Flugbetrieb.

Anbieter zum Thema

In einem ersten Schritt werden Einkerbungen vorgefräst, um den zweiten Arbeitsschritt, die Räumung, zu vereinfachen.
In einem ersten Schritt werden Einkerbungen vorgefräst, um den zweiten Arbeitsschritt, die Räumung, zu vereinfachen.
(Bild: Aerotech Peissenberg)

Mit der Expansion in die internationalen Märkte ist über die Jahre auch das Bauteilspektrum von Aerotech Peissenberg stetig gewachsen. Turbinenscheiben, Dichtringe und Gehäuseteile sind nur drei aktuelle Beispiele für komplexe Werkstücke aus anspruchsvollen Materialien. «Wir bearbeiten zu über 50 Prozent Nickelbasislegierungen wie Inconel bis hin zu Udimet und natürlich viel Titan», fasst Athanasios Mintiouris, Leiter Vertrieb bei Aerotech Peissenberg, die Werkstoffpalette zusammen. Das Sortiment reiche von Komponenten, die in kleinen Helikopterturbinen oder Triebwerken von kleinen Privatjets verbaut werden, bis hin zu Bauteilen mit 1250 mm Durchmesser – etwa für den Airbus A380.

Im Wettbewerb um die grossen Aufträge der Branche überzeugt Aerotech Peissenberg vornehmlich mit Fachkompetenz in Fertigungstechnologie und Methodenentwicklung. So ist es üblich, dass Triebwerkshersteller, darunter MTU Aero Engines, Rolls-Royce, Snecma und Pratt & Whitney, den Dienstleister schon in frühen Entwicklungsstadien mit in die Planung einbeziehen. Karsten Riemer, Leiter Technologieentwicklung und Maschinenbeschaffung, nennt den Grund: «Wir haben zwar keinen grossen Einfluss auf das Design der Bauteile, beurteilen aber aus fertigungstechnischer Sicht, ob ein Teil effizient hergestellt werden kann.» Schliesslich seien die Produktionskosten der hochqualitativen und für den Flugbetrieb sicherheitskritischen Komponenten gerade in einem Hochlohnland wie Deutschland ein entscheidender Faktor.

Prozessoptimierung für mehr Produktivität

Die Symbiose aus Produktqualität und Fertigungseffizienz erreicht Aerotech Peissenberg mit der Entwicklung durchdachter Bearbeitungsstrategien. «Wettbewerbsfähig bleiben wir nur, wenn unsere Prozesse perfekt organisiert sind und stabil laufen», beschreibt Athanasios Mintiouris die eigentliche Herausforderung in der Produktion. «Aufgrund der hohen Materialkosten können Ausschussteile den Gewinn an einem Auftrag beachtlich schmälern, wenn nicht sogar zunichtemachen.» Die hohe Fertigungstiefe bei Aerotech Peissenberg hat also auch beachtliche Investitionen in der Produktion zufolge, damit zuverlässige und innovative Arbeitsabläufe gewährleistet sind.

«Eine der grössten Innovationen der vergangenen Jahre war für uns die Fräs-Dreh-Technik», erinnert sich Athanasios Mintiouris an die jüngsten Beispiele. 2006 und 2008 hat Aerotech Peissenberg jeweils eine DMU 125 FD Duoblock gekauft, was der Vertriebsleiter hinsichtlich der Prozessoptimierung als Revolution bezeichnet: «Deckel Maho Pfronten hat diese Technologie damals perfektioniert, was uns ganz neue Möglichkeiten der Arbeitsorganisation erlaubt hat.» Zum einen verweist Athanasios Mintiouris damit auf die kürzeren Durchlauf- und Rüstzeiten, da die Werkstücke nun in einer Aufspannung gefräst und gedreht werden können. Zum anderen betrifft das aber auch die daraus resultierende Bearbeitungsgenauigkeit, wie Karsten Riemer ergänzt: «Wir haben heute Produkte im Sortiment, deren Qualität in zwei Aufspannungen nicht zu erzielen wäre.» Hinzu komme, dass die extrem steife Bauweise der DMU 125 FD Duoblock eine hohe Dauergenauigkeit gewährleiste.

5-Achs-Simultanfräsen steht im Mittelpunkt

Neben der Fräs-Dreh-Technik steht vor allem das 5-Achs-Simultanfräsen im Mittelpunkt der Fertigung. Ein Anwendungsbeispiel findet Karsten Riemer schnell: «Da manuelle Verrundung heute nicht mehr erlaubt ist, muss dieser Arbeitsschritt nun maschinell erfolgen. Die komplexen Kantenverläufe erfordern letztlich genau solche 5-Achs-Lösungen.» Im Rahmen der grösseren Investitionen um 2006 hat Aerotech Peissenberg aus diesem Segment vier DMC 125 U Duoblock angeschafft, die Produktivität und Flexibilität in der Fertigung – wie auch die Fräs-Dreh-Maschinen – spürbar steigern konnten.

Der Einsatz moderner Fertigungstechnologie geht einher mit innovativen Steuerungslösungen und entsprechenden Programmiersystemen. Auf den DMC 125 U Duoblock laufen beispielsweise Heidenhain-Steuerungen des Modells iTNC 530. Genauigkeit, Performance und Messtechnik werden damit perfekt unterstützt – in Verbindung mit maximalem Bedienkomfort. Dies ist sowohl der Programmierung mit SmarT.NC zu verdanken, aber auch den dynamischen Maschinenzustandsanzeigen und der grosszügigen Arbeitsraumdarstellung bei Collision Monitoring. Letzteres trägt massgeblich zur Prozesssicherheit – und damit auch zur Gesamtproduktivität – bei.

Investitionen in die Zukunft

Bei Aerotech Peissenberg dominiert das intensive Zusammenspiel von motivierten, fachkundigen Mitarbeitern und der innovativen Fertigungstechnologie. Folglich ist auch die Investitionsbereitschaft enorm – bei Mensch und Maschine. «Neue Projekte erfordern möglicherweise auch ganz neue Maschinenlösungen. In solch einem Fall sind wir auf die Hilfe von Deckel Maho Pfronten angewiesen, weil man dort das breite Maschinenprogramm und die Bearbeitungsmöglichkeiten am besten kennt», erklärt Athanasios Mintiouris die Bedeutung der Kooperation mit DMG / Mori Seiki. Was die Mitarbeiter betrifft, legt Aerotech Peissenberg Wert auf eine umfassende Ausbildung in den einschlägigen Berufen. Pro Jahr werden rund zehn Azubis eingestellt, die im dritten Lehrjahr auch schon in die reguläre Produktion integriert werden.

Diese Investitionen sind angesichts der zu erwartenden Aufträge unumgänglich. Das aktuelle Produktportfolio von Aerotech Peissenberg umfasst auch Komponenten für die jüngsten Turbinengenerationen. Bestes Beispiel hierfür ist ein komplexes Bauteil für den Getriebefan, der künftig in Triebwerken von Pratt & Whitney verbaut wird, um dort die Effizienz der Turbine drastisch zu steigern. Dr. Axel Deich, Geschäftsführer von Aerotech Peissenberg, bezeichnet diese Triebwerksinnovation als Meilenstein und weiss: «Technologiesprünge dieser Art sind nur dann möglich, wenn alle Beteiligten eines Projektes zukunftsorientiert denken und arbeiten.» <<

(ID:37213340)