Beim Schleifen ist Feingefühl gefragt. Kinder lernen das schon bei Laubsägearbeiten. Das Schleifpapier muss behutsam über die vom Sägen noch rauen Kanten der filigranen Sperrholzstücke geführt und der Druck mit der Hand ständig nachgeregelt werden – abhängig davon, wie stumpf das Schleifpapier bereits geworden ist. Drückt man jedoch zu kräftig, wird das mühsam bearbeitete Holzteil bei der Fein- und Fertigbearbeitung beschädigt, und der Jammer ist gross. Bei industriellen Schleifprozessen sind die Herausforderungen noch weitaus komplexer. Auf der Fachmesse Grinding Hub werden innovative Lösungen für den perfekten Schliff zu sehen sein.
In der Überwachung von Schleifprozessen mit Digitalisierung und Sensorik schlummern bislang ungenutzte Effizienzgewinne. Derzeit können bereits maschineninterne Daten genutzt werden, um Veränderungen im Prozess zu detektieren. Durch zusätzliche hochaufgelöste Signale mit weiterer Sensorik können weitere Informationen gewonnen und kombiniert werden, um eine optimale Prozessüberwachung zu ermöglichen.
(Bild: United Grinding Group)
Bei der automatisierten Bearbeitung von Werkstücken droht hoher Ausschuss, wenn die Bearbeitung nicht kontinuierlich und effizient überwacht wird. Da Erfahrungswissen für einen optimalen maschinellen Schleifprozess nicht immer ausreicht und Fachkräfte zudem rar sind, kommt bei der industriellen Prozessüberwachung inzwischen auch Künstliche Intelligenz ins Spiel. Denn das Schleifen ist oftmals der letzte Schritt in einer langen Prozesskette zur Herstellung von Bauteilen, wie zum Beispiel Zahnrädern oder Radsätzen. Ausschuss aufgrund von Fehlern ist insbesondere in der Kleinserien- und Einzelteilfertigung deshalb ein relevanter Kostenfaktor. Die digitalisierte Überwachung des Schleifprozesses mit Sensorik bei gleichzeitig hohem Automatisierungsgrad verspricht Abhilfe.
«Die Qualität beim Schleifen ist von einer Vielzahl sich stetig verändernder Parameter und Einstellungen abhängig – beispielsweise verändert sich beim Schleifen konstant der Durchmesser, das Profil und die Schnittigkeit der Schleifscheibe durch Verschleiss und Abnutzung während des Schleifprozesses», erklärt Christoph Plüss, Chief Technology Officer (CTO) des Grinding-Hub-Ausstellers United Grinding Group mit Sitz im schweizerischen Bern. «Alles, was man hierbei digital steuern oder regeln kann, führt zu einer verbesserten Prozesskontrolle und schlussendlich zu einer effizienteren Fertigung und konstanten Ergebnisqualität.»
Bildergalerie
United Grinding präsentiert Walter-Neuheit
Grinding Hub 2024
Die United Grinding Group präsentiert auf der Grinding Hub die neuesten Technologien aus den Bereichen Schleifen, Erodieren, Messen und Additive Fertigung an insgesamt 12 Maschinen. Der Messeauftritt steht dieses Jahr unter dem Motto «Stay Connected» und der Fokus liegt dementsprechend auf Lösungen zur Konnektivität, die auf 840 m2 präsentiert werden. Neben digitalen Assistenzsystemen, den United Grinding Digital Solutions, können sich Interessierte über digitale Customer-Care-Lösungen informieren oder darüber, wie sich Maschinen über die universelle herstellerunabhängige Datenschnittstelle Umati miteinander und mit ihrem Produktionsumfeld verbinden lassen.
Am ersten Messetag wird die Gruppe als Highlight ihres Auftritts ausserdem eine Neuheit aus dem Bereich der Werkzeugbearbeitung der Marke Walter präsentieren. Am Dienstag, dem 14. Mai 2024, um 10 Uhr, sind alle Interessierten eingeladen, an der Produktvorstellung auf dem Messestand in Halle 9, Stand C51, teilzunehmen.
Neben Walter-Maschinen für die Werkzeugbearbeitung werden Maschinen der Marken Studer, im Bereich Rundschleifen, und Blohm, im Bereich Flach- und Profilschleifen, zu sehen sein. Ausserdem präsentiert die Gruppe ihre additive Werkzeugmaschine für den industriellen 3D-Druck von Metallteilen, die Impact 4530, ihrer Marke IRPD.
Besucherinnen und Besucher können sich darüber hinaus von der intuitiven Maschinenbedienung am C.O.R.E.-Panel überzeugen und dabei spielerisch eine Playstation 5 gewinnen.
Weitere Informationen: grinding.ch
Hören, sehen, fühlen
Hierbei ist die Interaktion zwischen dem Werkzeug – also der Schleifscheibe – und dem Werkstück sowie die Art und Weise der Einwirkung des Kühlschmierstoffes in der Kontaktzone relevant. «Mit akustischer Sensorik kann man hier sehr viele Einflussgrössen erfassen», erklärt Plüss. Die geometrische Pflege und Konditionierung, also das Abrichten der Schleifscheibe, ist für die Prozesskontrolle zentral. «Des Weiteren gehören natürlich auch die Überwachung und Kontrolle des Wärmegangs der Maschinenstruktur und kritischer Komponenten dazu sowie geometrische Zwischenmessungen am Werkstück selbst», sagt CTO Plüss. Das erfolgt heute öfter auch berührungslos mittels Lasermessbrücken. Bildlich gesprochen müssen die Maschinen für eine optimale Prozesskontrolle beim Schleifen hören, sehen und fühlen können. United Grinding bietet mit den Marken Blohm, Ewag, IRPD, Jung, Mägerle, Mikrosa, Schaudt, Studer und Walter ein sehr breites Applikationswissen und ein grosses Produktportfolio zur Fertigung hochpräziser Bauteile.
Vor allem bei kleinen Losgrössen spielt die automatisierte Überwachung des Schleifprozesses ihre Stärken aus. «Das Umrichten, Umrüsten und Einfahren von Schleifprozessen kann sehr zeitaufwändig sein. Bei kleinen Losgrössen tut man das entsprechend öfter», erklärt Plüss. Wenn hier also der Schleifprozess durch intelligente Sensorik, Prozessüberwachung und hinterlegtes Erfahrungswissen unterstützt wird, kann das Einfahren effizienter bewerkstelligt und die Produktivität gesteigert werden.
Auch in der akademischen Forschung ist das ein Thema. «Um automatisierte Schleifprozesse wirtschaftlich nutzen zu können, ist eine frühzeitige Erkennung von Prozessveränderungen und Qualitätsschwankungen notwendig. Schleifprozesse werden durch nicht reproduzierbare und stochastische Störgrössen, beispielsweise variierende Schleifscheibeneigenschaften oder bedienerabhängige Stellgrössenmodifikation, beeinflusst», beschreibt Henning Buhl, Abteilungsleitung Maschinenkomponenten am Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) der Leibniz Universität Hannover, das Problem aus wissenschaftlicher Sicht. «Daher ist nicht von einem gleichbleibenden und prognostizierbaren Verhalten im Schleifprozess auszugehen», schlussfolgert Buhl.
In vielen Fabriken schlummern ungenutzte Effizienzgewinne
Derzeit werden eher konservative Prozessstellgrössen verwendet, und die Anwender führen stichprobenartig Qualitätskontrollen durch. Das führt dazu, dass nicht das volle Potenzial der Leistungsfähigkeit ausgeschöpft wird. Dies reduziert die Wirtschaftlichkeit und ermöglicht nur eine nachgelagerte Fehlererkennung, sodass Ausschuss nicht vermieden wird. Mittels einer kontinuierlichen Prozessüberwachung könnten bereits während der Fertigung Veränderungen erkannt und der Prozess angepasst werden. Dadurch sei es ausserdem möglich, die Stellgrössen produktiver einzustellen, so Buhl.
In der Prozessüberwachung mit Digitalisierung und Sensorik schlummern in vielen Fabriken noch ungenutzte Effizienzgewinne. «Derzeit können maschineninterne Daten genutzt werden, um Veränderungen im Prozess zu detektieren. Die Auflösung und Detailgenauigkeit reichen aber meist nicht aus, um die Ursache der Veränderung zu finden und eine geeignete Gegenmassnahme abzuleiten», sagt Buhl. Durch zusätzliche hochaufgelöste Signale mit weiterer Sensorik könnten mehr Informationen gewonnen und kombiniert werden, um eine eindeutige Überwachung der Fertigung zu ermöglichen. «Die digitale Datenerfassung von Prozesskräften und Schwingungen bietet hier hohes Potenzial, um beispielsweise beim Drehen erforschte Ansätze auf das Schleifen zu übertragen», erklärt der Wissenschaftler.
Stand vom 30.10.2020
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group AG, Seestrasse 95, CH-8800 Thalwil, einschließlich aller mit ihr verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de/de/smm abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Messen unter widrigen Bedingungen
Allerdings ist die Energie- und Datenübertragung von den Sensoren eine grosse Herausforderung, da von einem schnell bewegten Werkzeug die Messdaten an eine stationäre Auswertung in der Steuerung übertragen werden müssen. Buhl weist zudem darauf hin, dass das Messsystem robust genug sein muss, um unter dem Einfluss von spezifischen Temperaturbedingungen und Kühlschmiermitteln zuverlässig Messdaten aufzunehmen.
Ein häufig eingesetzter Überwachungsansatz bei Schleifprozessen ist die Messung der Prozesskräfte. Diese bilden die auftretenden dynamischen Belastungen am Werkstück und am Werkzeug ab. Sie liefern dabei Aufschluss über die derzeitigen Eingriffsbedingungen im Prozess und den aktuellen Verschleisszustand. «So steigen die Prozesskräfte aufgrund von zugesetzten Poren oder Kornabflachungen an der Schleifscheibe kontinuierlich an. Für die Definition der Überwachungsgrenzen sind daher die sich stetig ändernden Eingriffsbedingungen zu beachten, sodass statische Methoden nur bedingt geeignet sind», sagt Buhl. Eine genaue Messung der Prozesskräfte ist dabei unerlässlich, um eine aussagekräftige Bewertung der Signale und somit eine präzise Überwachung zu ermöglichen.
Näher ans Limit mit datenbasierter Analyse
Um KI zur Optimierung nutzen zu können, müssen mittels intelligenter Algorithmen Muster aus komplexen Datensammlungen gewonnen werden. Das ist besonders interessant in der Serienfertigung. So kann ein digitaler Fingerabdruck des Prozesses erstellt und Veränderungen respektive Optimierungen können gezielt zur Überwachung und Optimierung genutzt werden. Wie hoch die Effizienzgewinne dabei sind, ist «pauschal schwierig zu sagen», erklärt Plüss. «Aber es liegt generell in der Natur des Menschen, eine gewisse Reserve und Sicherheit einzuplanen. Mittels intelligenter Prozessoptimierung und -überwachung können diese Reserven sichtbar gemacht und abgebaut werden. Man kann also geregelt näher ans Limit gehen.»
Freilich gibt es in der industriellen Praxis Grenzen bei der digitalen Überwachung von Schleifarbeiten. «Nur was man messen und erfassen kann, kann man auch regeln und optimieren», bringt es der United-Grinding-CTO auf den Punkt. Was sich heute schon alles messen und optimieren lässt, um auf effiziente Weise Oberflächen mit dem perfekten Schliff zu schaffen, werden die Aussteller auf der Grinding Hub zeigen. Dort können die Besucherinnen und Besucher die gesamte Wertschöpfungskette der Schleiftechnik live erleben, von der Schleifmaschine selbst über Softwaretools und Prozessperipherie bis hin zu Mess- und Prüfsystemen. SMM