Aluminium Laufen AG: Schwacher Euro belastet Giessereiindustrie

Redakteur: Anne Richter

>> Eigentlich klingen die Zahlen des Giesserei-Verbandes der Schweiz (GVS) positiv: um 15 Prozent nahm die abgelieferte Tonnagemenge der Schweizer Giessereiindustrie im Jahr 2010 im Vergleich zu 2009 zu. Allerdings führte in dieser exportorientierten Branche die anhaltende Kurswertverminderung des Euros zu Margenverlusten in Millionenhöhe. Vor allem für das laufende Jahr 2011 fürchten die Unternehmen ernsthafte Probleme und fordern von der Politik entsprechende Massnahmen.

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Eine Steigerung von mehr als 15 Prozent verarbeitete Tonnage erreichte die Schweizer Giesserei-Industrie 2010 im Vergleich zum Vorjahr (hier: Kokillenguss mit einer Steigerung von 14,8 Prozent). (Aluminium Laufen)
Eine Steigerung von mehr als 15 Prozent verarbeitete Tonnage erreichte die Schweizer Giesserei-Industrie 2010 im Vergleich zum Vorjahr (hier: Kokillenguss mit einer Steigerung von 14,8 Prozent). (Aluminium Laufen)

ari «Ich bin überzeugt, der anhaltend starke Schweizer Franken wird uns in der Zulieferkette erst jetzt richtig belasten. Zuerst führte die Kurswertverminderung zu Margenverlusten, nun steigt auch der Druck im Inland.» legte der Präsident des Giesserei-Verbandes der Schweiz (GVS) und CEO der Benninger Guss AG Eric von Ballmoos die Lage bei Schweizer Giesserei-Unternehmen dar. Anlässlich der Pressekonferenz am 27. Januar 2011 bei der Aluminium Laufen AG in Liesberg veröffentlichte der Verband eigentlich positive Zahlen. Denn die Schweizer Giesserei-Industrie verzeichnete 2010 eine Zunahme der abgelieferten Tonnagen im Vergleich zu 2009 von 15,3 Prozent auf 78’650 Tonnen. Doch die Besorgnis über den zunehmenden Kursverfall des Euros gegenüber dem Franken überlagert die Freude über die überwundene Rezession.

Höhere Gewichtung des Werkplatzes Schweiz

Wie die Kurswertverminderung des Euros aufgefangen werden kann, bleibt auch im laufenden Jahr die meist diskutierte Frage unter den Unternehmensführern der Schweizer Giessereibranche. Rund 80 Prozent der hergestellten Gussprodukte gehen in den Export, vor allem in den Euro-Raum. Zusätzlich stellen zunehmend auch Giesserei-Kunden aus der Schweiz ihre Rechnungen in Euro. Bei aktuellem Eurokurs bedeutet das für die Unternehmen Margenverluste von 15 Prozent die ohne Gegenmassnahmen nicht abgefangen werden können. So fordert der GVS auch ensprechende Konsequenzen von der Politik, um den Werkplatz Schweiz nicht zu gefährden: «Der Werkplatz Schweiz muss wieder mehr gewichtet werden und das Primat des Finanzplatzes muss fallen» fasst Alex Kummer, Direktor der Aluminium Laufen AG zusammen. Von Ballmoos ergänzt: «Wenn die Politik keine Konsequenzen zieht, werden Kosten immer mehr ins Ausland verlagert werden – auch Standortverlagerungen sind ein Thema."

Neben Währungsabsicherungen bei Grossprojekten, die aber mit einem hohen Spekulationsrisiko verbunden sind, sieht Markus Schmidhauser, Geschäftsführer der Wolfensberger AG, beispielsweise auch Lösungen im Aushandeln eines Euro-Solidaritäts-Rabatts mit den Lieferanten im Inland. Darüber hinaus müsse die Möglichkeit eines Euro-Teuerungszuschlags gegenüber den Kunden diskutiert werden: „Dies ist zwar kein einfacher Weg. Dennoch mache ich die Erfahrung, dass bei den Kunden durchaus Verständnis besteht, wenn man als Lieferant eine starke Position hat und die Kunden nicht auf Schweizer Know-how und Qualität verzichten wollen“. Die Suche nach alternativen Beschaffungsquellen im EU-Raum wäre die letzte Möglichkeit, die in Betracht zu ziehen sei, falls sich die Rahmenbedingungen nicht ändern.

Rezession überwunden dank Flexibilität

Abgesehen vom ungünstigen Eurokurs sieht der GVS die Rezession als überwunden. Gemäss einer Umfrage unter den Verbandsvorstandmitgliedern des Verbandes hat sich die Situation für die Schweizer Giessereiindustrie im Jahr 2010 deutlich verbessert. „Dank der hohen Flexibilität und Konzentration auf zukunftsträchtige Segmente mit innovativen Neuentwicklungen sowie einer laufenden Optimierung der Prozesse im Personalmanagement und der Rohstofflagerhaltung wurden wieder positive Zahlen geschrieben“, schildert von Ballmoos.

Insgesamt konnten die abgelieferten Tonnagen 2010 bei den Eisen- und Stahlgiessereien im Vergleich zum Vorjahr um 7,9 Prozent auf 54’450 Tonnen gesteigert werden. Konkret in den einzelnen Werkstoffgruppen betrachtet, verzeichnete Gusseisen mit Kugelgraphit (Sphäroguss) wieder ein Plus von 7,2 Prozent auf 33’250 Tonnen und Gusseisen mit Lamellengraphit (Grauguss) erreichte eine Steigerungsrate von 10,1 Prozent auf 19’450 Tonnen gegenüber dem Vorjahresergebnis. Beim Stahlguss musste jedoch ein leichter Rückgang von Minus 2 Prozent auf 1’750 Tonnen hingenommen werden. Die Schweizer Leichtmetallgiesser steigerten ihre verarbeiteten Tonnagen in 2010 um 39,6 Prozent auf 20’400 Tonnen. Der Leichtmetall-Sandguss erreichte ein Plus von 57,1 Prozent auf 4’300 Tonnen, der Druckguss eine Steigerung von 40,8 Prozent auf 13’350 Tonnen und der Kokillenguss erzielte ein Wachstum um 14,8 Prozent auf 2’750 Tonnen. Bei den Kupferlegierungen konnten ebenfalls wieder Steigerungsraten von 21,5 Prozent auf 3'800 Tonnen verzeichnet werden.

Wachstum im Automobilsektor

Statt der notwendig eingeführten Kurzarbeit in 2009, wurde im vergangenen Jahr sogar wieder in drei Schichten einschliesslich Wochenende bei der Mehrheit der im GVS angeschlossenen Giessereiunternehmen produziert. „Aktuell werden wieder Fachkräfte – Ingenieure, Technologen, Schmelzer und Former – gesucht“, so von Ballmoos. Insbesondere die Produktion für die Automobilindustrie sei voll ausgelastet.

„Die CO2-Problematik und die damit verbundenen, gesetzlich verschärften Rahmenbedingungen zwingen die Automobilindustrie, Leichtbau-Gussteile in allen PKW-Klassen verstärkt einzusetzen“, erklärt dazu Alfred Lichtensteiger, CEO der DGS Druckgusssysteme AG. Diese Entwicklung wirkte sich 2010 im Nutzfahrzeugbereich ebenfalls positiv aus.

Auch Gussprodukte für Schienenfahrzeuge und den Energiesektor sorgten 2010 für hohe Auslastungen. Eine leichte Erholung konnte im Textilmaschinenmarkt verzeichnet werden, wohingegen sich die Entwicklung im Maschinen- und Werkzeugbau weiterhin stagnierend verhielt. „Im Maschinenbau reduzierte sich das Absatzvolumen 2009 um dramatische 50 Prozent. Im vergangenen Jahr war ein leichter Aufschwung spürbar, dieser ist jedoch sehr unstetig und das Niveau von 2008 ist noch lange nicht erreicht“, so von Ballmoos. Anhaltend stark ist die Nachfrage von Gussprodukten für die Nahrungsmittel- industrie und den Medizinalbereich. <<

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