Ausbildungszentrum St. Gallen

Redakteur: Lya Bartholet

>> Jedes Jahr besuchen rund 200 Lernende aus den Kantonen St. Gallen, Liechtenstein und beiden Appenzell die Einführungs- und Ergänzungskurse im Ausbildungszentrum der SWISSMECHANIC in St. Gallen. Ausgebildet werden schwerpunktmässig Lernende in den MEM-Berufen wie: Polymechaniker, Produktionsmechaniker, Automatiker, Automatikmonteur, Mechanikpraktiker. Ausserdem werden weiterhin Praktika für Kunststofftechnologen und Konstrukteure angeboten.

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Rama Frischknecht. (Bild: SWISSMECHANIC)
Rama Frischknecht. (Bild: SWISSMECHANIC)

CB. Vor bald zwei Jahren konnten die neuen Räume bezogen werden. Die Sektion musste den alten Standort verlassen und hatte es zunächst nicht ganz einfach, das neue Domizil an der Oberstrasse zu finden. Die Schulungsräume wirken grosszügig und neu. Man riecht die Anstreichfarbe sogar noch ein wenig. Vor allem in den Büroräumen hat man dabei ein mutiges Farbkonzept umgesetzt. Ein Teil der Infrastruktur, wie z.B. die Cafeteria, kann das Personal mit den Mitarbeitenden des Swisscom-Centers im selben Gebäude teilen. Im Zentrum arbeiten sechs Ausbilder zu 100 % und Hanspeter Scheu, der Leiter, zu 60 %. Ausserdem gibt es eine Sekretariatsstelle zu 50 %. Das gesamte Investitionsvolumen belief sich auf ca. CHF 800 000. Das Zentrum ist aufgrund seines Einzugsgebietes und seiner Grösse sicher eher in der Lage, sein Angebot und seine Infrastruktur zu optimieren.

Die aktuelle Infrastruktur ist in Top-Zustand und imposant. Natürlich sind die Maschinen, wie es sich gehört, in Reih und Glied aufgestellt. Erwähnt sei einmal die CNC-Einrichtung:

  • 2 CNC-Fräsmaschinen DMU-50 T, 2 CNC-Drehmaschinen Schäublin 140-CNC A2-5 mit angetriebenen Werkzeugen, 13 Programmierplätze mit DNC-System
  • An konventionellen Fräsmaschinen hat es: 4 Mikron WF2, 10 Kunzmann WF3, 8 DMU 35 M
  • An konventionellen Drehmaschinen: 4 Colchester 3250, 14 (!) Schaublin 150 A, 1 Schaublin 70
  • Bohrmaschinen wären: 1 Fehlmann P 10, 5 Fehlmann P 18S/T, 12 Fehlmann P 20

Zudem gibt es zahlreiche weitere Ausbildungsmöglichkeiten u.a. an Autogen-Schweissplätzen, Schleifmaschinen und vielem mehr. Arbeitsplätze für manuelle Arbeiten werden sogar 42 angeboten. Es hat insbesondere auch einen sehr präsentablen Vortrags- und Schulungsraum mit Flachbildschirmen und ca. 30 Plätzen.

Hanspeter Scheu

Hanspeter Scheu ist von Beruf Werkzeugmacher und Elektromonteur und hat die Funktion als strategischer Leiter des Ausbildungszentrums St. Gallen. Er ist der Präsident der Bildungskommission der SWISSMECHANIC-Dachorganisation und tätig als Prüfungsexperte für Poly- und Produktionsmechaniker.

Die Konstellation der Zentrumsleitung ist wohl einmalig. So liegt die operative Leitung bei Rama Frischknecht und die strategische bei Hanspeter Scheu. Diese Zusammenarbeit, die bereits seit 2005 erfolgreich besteht und durch eine gegenseitige Akzeptanz möglich ist.

Hanspeter Scheu ist seit 2004 Präsident der Sektion St. Gallen / Appenzell. Ausserdem ist er immer noch einen Tag pro Woche als Teilhaber der Firma Scheu AG in Ebnat-Kappel tätig. Seit letztem Jahr ist er zugleich Präsident der Bildungskommission bei der Dachorganisation und damit auch im Vorstand von SWISSMECHANIC. In der Berufsbildung stehen zurzeit wichtige Fragen an, die einer klaren Haltung seitens des Verbandes bedürfen. Aufgrund seiner langen Erfahrung als Lehrmeister und Ausbildner fühlt er sich jedoch ideal für die Aufgabe gerüstet.

Auf das Ausbildungszentrum und die noch nicht lange zurückliegende Umzugsaktion ist Hanspeter Scheu zu Recht stolz. Die Auslastung ist gut. Ebenso ist die Belegung von einer Grösse, dass geringfügige Belegungsschwankungen über Pensenanpassungen aufgefangen werden könnten. Fragen bleiben zur künftigen Entwicklung bei der Anzahl Lernenden und auch ein wenig von deren schulischen Grundlagen. Die Zukunft des Zentrums erscheint zwar gewährleistet, aber die demographische Entwicklung setzt klare Fragezeichen. Hanspeter Scheu erscheint es durchaus wünschenswert, mittelfristig auch Weiterbildungsmodule ganz spezifisch und selektiv in gewissen maschinellen und mechanischen Fertigkeiten für erwachsene Mitarbeiter der Firmen unserer Sektionen anzubieten. Damit könnte zum einen die Auslastung noch verbessert werden und zugleich dem Fachkräftemangel in einem gewissen Masse begegnet werden. Wichtig wäre, dass diese Kursmodule nicht einfach nur mit einer Besuchsbestätigung, sondern mit einem überprüfbaren Zertifikat abgeschlossen würden.

Hanspeter Scheu hat aber auch noch ein paar andere Ideen in petto. Eine besteht zwar erst in Ansätzen, aber macht Hoffnung: Eine Traditionsfirma mit zahlreichen nostalgischen Kunden lässt gewisse Produkteserien auslaufen, weil es für sie zu aufwändig ist, das Prägewerkzeug zu erneuern. Die Nachfrage bleibt aber hoch. Hierin sieht er Chancen, eine absolute Win-win-Situation zu schaffen. Es würde von den Auszubildenden das Prägewerkzeug als IPA oder Ausbildungsobjekt auf professionellem Niveau erarbeitet. Zugleich würde keine der Sektionsfirmen konkurriert. Er hofft, dass die bisherigen Gespräche zum Ziel führen. Hanspeter Scheu sieht noch verschiedene andere Möglichkeiten, das topmoderne Ausbildungszentrum zu diversifizieren und breiter abzustützen, ohne den Auftrag aus den Augen zu verlieren: die Ausbildung unserer mechanisch-technischen Zukunft. Wir sind gespannt.

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