Ein weltweit führender Hersteller elektromechanischer Komponenten zum sicheren und effizienten Schalten in Gleichstromanlagen hat seine Produktion automatisiert und entgratet nun Kunststoffgehäuse mit einer Drahtgurt-Durchlaufstrahlanlage. Vorteilhaft ist der nahezu halbierte Personalbedarf.
Gehäuse aus duroplastischen Kunststoffen im Durchlauf auf einer mit Drahtgurt ausgeführten Strahlanlage zu entgraten erweist sich bei der Schaltbau GmbH in Aldersbach (D) als prozsssicher und wirtschaftlich.
(Bild: Rösler)
Die Schaltbau GmbH ist ein weltweit führender Anbieter von Gleichstromlösungen (DC). Die in München ansässige Unternehmensgruppe hat sich auf Produkte und Lösungen spezialisiert, die die Elektrifizierung in vielen Branchen vorantreiben. Anwender im Schienenverkehr vertrauen seit Jahrzehnten auf das umfangreiche Portfolio aus Schützen, Steckverbindern, Schaltern und Sicherheitskomponenten. Unter der Bezeichnung «Eddicy» stellt der Hersteller innovative Systeme zum sicheren und zuverlässigen Schalten und Schützen von Gleichstromanwendungen in den Bereichen Energie und E-Mobilität her. Gefertigt werden die innovativen Produkte an mehreren Standorten in Deutschland (u. a. im bayerischen Aldersbach), in Europa, in den USA und in Asien.
Automatisieren senkt Kosten
«Um am Standort Aldersbach weiterhin im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu sein, ermitteln wir bei jedem Produktionsschritt Optimierungspotenziale, durch die wir Kosten senken können», berichtet Armin Voggenreiter, Director Operations Aldersbach bei der Schaltbau GmbH. Im Zuge eines Lean-Projekts wurde unter anderem die Fertigung der Gehäuseteile genau unter die Lupe genommen. Die Gehäuse werden aus Melamin- und Polyesterharz-Formmassen im Pressverfahren hergestellt. Dabei entstehen verfahrensbedingt Grate, die entfernt werden müssen. Dies erfolgte bisher zeit- und personalintensiv manuell. Dafür war an jeder Pressmaschine eine Person im Einsatz. Die Automatisierung der Entgratung bot daher deutliches Einsparpotenzial.
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Über diese Aufgabenstellung haben die Projektverantwortlichen von Schaltbau mit zwei Anlagenherstellern gesprochen, deren Maschinen bereits in anderen Produktionsbereichen eingesetzt werden. «Darunter Rösler, das Unternehmen ist seit vielen Jahren unser Partner für Gleitschlifftechnik», konkretisiert Armin Voggenreiter.
Zu den wesentlichen Punkten bei der Auswahl der Strahlanlage zählte, dass der Prozess schonend erfolgt, die Bauteile während der Bearbeitung nicht umgewälzt und Strahlmittelreste weitestgehend entfernt werden, bevor sie aus der Anlage kommen. «Für diese Aufgabenstellung konnte nur Rösler ein Anlagenkonzept vorstellen, das uns zugesagt hat», erinnert sich der Director Operations. Es handelt sich dabei um die flexible Drahtgurt-Durchlaufstrahlanlage RSAB 370-T1+1 zum Bearbeiten der Gehäuse im kontinuierlichen Durchlauf. Die Strahlversuche zum Entgraten der Werkstücke wurden auf einem vergleichbaren System durchgeführt. Die überzeugenden Ergebnisse der Versuche waren ausschlaggebend für die Investition.
Effektiv Entgraten
Nach dem Pressen werden die bis zu 350 x 215 x 45 mm messenden und bis zu 575 g schweren Gehäuse aus Duroplasten auf der Eingabeseite manuell auf das 370 mm breite, verschleissfeste Drahtgliederband aufgelegt.
Aus duroplastischen Kunststoffen gepresste Gehäuse für elektrische Schaltsysteme sind nach dem Entnehmen aus den Pressformen sorgfältig zu entgraten.
(Bild: Rösler)
Die Transportgeschwindigkeit durch die Anlage ist an die jeweiligen Werkstücke und Gratsituationen angepasst und in einem entsprechenden Bearbeitungsprogramm hinterlegt, das vom Bedienpersonal ausgewählt wird. In der Strahlkammer befinden sich zwei speziell zum Bearbeiten von Kunststoffteilen entwickelte Turbinen W32. Sie sind über beziehungsweise unter dem grobmaschigen Drahtgliederband platziert, sodass die Kunststoffteile in einem Durchlauf durch das Strahlmittel – ein Polyamidkorn – rundum entgratet werden.
Reste von Strahlmittel werden im Auslauf der kontinulierlich arbeitenden Anlage zuverlässig von den Kunststoffteilen abgeblasen.
(Bild: Rösler)
Während des Strahlprozesses wird entstehender Staub kontinuierlich abgesaugt. Darüber hinaus sorgen die standardmässige Ablaseeinrichtung und die zusätzliche Druckluftabblasung im Auslaufbereich dafür, dass auf den Bauteilen befindliches Strahlmittel weitestgehend entfernt wird.
Vermindert Personalaufwand: Ein optional angebautes Transportband bringt die vollständig entgrateten Gehäuse zurück zur Aufgabestation, damit das Personal sie dort entnehmen und ablegen kann.
(Bild: Rösler)
Auf der Ausgabeseite gelangen die bearbeiteten Gehäusekomponenten über eine Rutsche auf ein separates Transportbandsystem, das sie zur Beladeseite zurückbefördert, an der sie manuell wieder abgenommen werden. «Durch die Strahlanlage konnten wir den zum Entgraten erforderlichen Personalaufwand um etwa 40 Prozent verringern», berichtet Armin Voggenreiter. Für einen geräuscharmen Betrieb ist die Strahlanlage mit einer Schalldämmkabine eingehaust. Die damit einhergehende Verkürzung des nutzbaren Beladebereichs wurde im Anlagendesign durch einen verlängerten, einlaufseitigen Überstand des Drahtgliederbands ausgeglichen.
Prozesssicher und konform zu ATEX
Eine serienmässige, hocheffektive Strahlmittelaufbereitung mit Siebvorrichtung und Kaskadenwindsichtung gewährleistet, unterstützt durch die automatische Nachdosierung, dass das umlaufende Strahlmittelbetriebsgemisch stets in optimaler Korngrössenzusammensetzung konstant dem Strahlprozess zur Verfügung steht. Ein Antistatiksystem, bei der hier vorgestellten Anlage mit automatischer Nachdosierung ausgestattet, gehört zum Standard. Mit diesem System wird das elektrostatische Anhaften von Stäuben und Strahlmittelkörnern an Werkstücken wirksam minimiert. Daneben ist es auch ein Element der zum Explosionsschutz relevanten Sicherheitsmassnahmen. Zusätzlich ist die Gesamtanlage mit einem entsprechenden Filtersystem ausgestattet.
Stand vom 30.10.2020
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