Interview: Bertrand Piccard, Solar Impulse

Bertrand Piccard: «Ich bin bereit»

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Was sind die Risikofaktoren bei der Weltumrundung mit Solar Impulse?

B. Piccard: Alles, denn so etwas wurde noch nie gemacht. Es gibt keine Vergleiche. Alles ist neu: die Meteorologischen Modelle, die Flugstrategien, die Technologien, alles ist neu.

Bei Solar Impulse gibt es mehr Technik als bei Breitling Orbiter. Gibt das auch mehr Vertrauen?

B. Piccard: Nein, nicht unbedingt. Es gibt dadurch auch mehr Dinge, die schief gehen können. Zudem fliegen wir die einzelnen Etappen alleine, was eine grosse Herausforderung ist. Für die Ozeanüberquerungen rechnen wir mit jeweils fünf Tagen, d.h. wir sind fünf Tage alleine im Flugzeug. Hier geht es nicht nur um Technologie und Luftfahrt. Es ist auch ein spirituelles Erlebnis.

Ist dieser spirituelle Bereich der, den Sie am wenigsten kontrollieren können?

B. Piccard: Es ist schwierig, aber wir vertrauen auf uns. Wir können zum Beispiel nur jeweils für 20 Minuten schlafen, das aber etwa 10 bis 15 mal am Tag. Dieses Training absolvierten wir während 86 Stunden. Danach fühlten wir uns topfit. Wissen Sie, wenn Sie sich in ihrer «Bequemlichkeitszone» befinden, sind Sie nicht so effizient, wie wenn sie sich in einem Abenteuer befinden. In einem Abenteuer haben Sie keine Gewohnheiten mehr, Sie müssen alles neu machen. Das fördert die Kreativität und Leistung.

Welches ist Ihrer Meinung nach die grösste technologische Neuerung, die Sie mit Solar Impulse entwickelt haben?

B. Piccard: Das sind eindeutig die neuen Materialien. Sie sind fantastisch und eröffnen uns vollkommen neue Möglichkeiten. Wir wussten zu Beginn des Projektes, dass wir ein Flugzeug mit der Spannweite eines Jumbo-Jets konstruieren müssen, d. h. von 72 m Länge. Gleichzeitig durfte das Flugzeug aber nicht schwerer als 2300 kg sein. Das schien unmöglich, denn kein Flugzeug- oder Segelflugzeugkonstrukteur glaubte, dass man das konstruieren kann. Heute haben wir ein Flugzeug, das fliegt. Und es ist leichter als alle Flugzeuge der Vergangenheit. Die Materialien sind so leicht und gleichzeitig so stark, dass wir dieses technologische Wunder bauen konnten. Es handelt sich um Materialien, wie Kohlefaser, Kunststoff oder Titan. Wir haben Schichten von Kohlefasern, die 25 g pro m2 wiegen. Ein normales Blatt wiegt 80 g pro m2. Unsere Kohlefaser wiegt zusammen mit dem Klebstoff dreimal weniger als ein Blatt Papier.

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