Delo: Mit Klebstoff wuchten Besser auftragen als entfernen
Mit Hilfe kurzfristig härtender Klebstoffe lassen sich Bauteile exakt wuchten. Beim additiven Prozess wird Masse aufgetragen, statt sie wie bisher üblich zu entfernen. Das Verfahren ist inzwischen industriell in der Serienproduktion nutzbar.
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Auswuchten ist bei den meisten Anwendungen mit rotierenden Bauteilen erforderlich, zum Beispiel bei Elektromotoren, Lüftern, Pumpen und Turbinen. Hohe Wuchtgüte minimiert Schwingungen und Belastungen der Lager, Wellen, Achsen und Gehäuse. Sie ermöglicht höhere Drehzahlen bei niedrigem Geräusch. Zudem verlängert sie die Lebensdauer. Bei bekannten Auswuchtverfahren wird spanend (bohren, schleifen) oder inzwischen auch mit einem Laser Werkstoff abgetragen. Bei der Bauteilauslegung muss bereits zusätzliche «Opfer-Masse» vorgesehen werden, die dann teilweise abgetragen werden kann.
Hinzufügen effizienter als abtragen
Die Präzisionsmaschinenbau Bobertag (PMB) im deutschen Kaiserslautern, Spezialist für Wuchtverfahren und -maschinen, hat jetzt einen besonders wirtschaftlichen Prozess zum präzisen Auswuchten rotierender Bauteile vorgestellt. Nach einer hochgenauen Messung der Unwucht nutzt der Maschinenbauer ein additives Verfahren, um Unwuchten zu korrigieren.
Dabei werden Wuchtmassen des Klebstoffherstellers Delo in Kleinstmengen schnell und genau dosiert, aufgebracht und innert weniger Sekunden ausgehärtet.
Damit gibt es nunmehr einen in der Serienfertigung einsetzbaren hochgenauen Wuchtprozess für Werkstücke, von denen nichts abgetragen werden darf. Mit minimal möglichen Korrekturgenauigkeiten von 0,1 mg lassen sich Restunwuchten von 1 mg x mm verwirklichen. Diese Wuchtgenauigkeit ist beispielsweise in der optischen Industrie gefordert. Wegen seiner sehr hohen Prozesssicherheit ist dieses additive Wuchtverfahren auch für Anwendungen mit mittleren Unwuchten (50 bis
100 mg x mm) interessant, etwa für Kleinlüfter.
Messen, dosieren, auftragen
Zunächst bestimmt eine Messstation in der Auswuchtmaschine die Unwucht. Anschliessend trägt das Mikrodosierventil Delo-Dot D4 die additive Wuchtmasse in ein oder zwei Ebenen berührungslos, präzise und innert kürzester Zeit auf. Als Wuchtmassen dienen mit Licht härtende Klebstoffe hoher Dichte, die speziell modifiziert sind. Durch das Belichten mit UV-Lampen härten die Wuchtmassen innerhalb weniger Sekunden vollständig aus. Abschliessend verifiziert eine Kontrollmessung das Ergebnis. Die Wuchtung ist üblicherweise nach nur einem Korrekturschritt abgeschlossen. Auswuchten kann man direkt in der Messstation. Sollen für eine hochproduktive Serienproduktion sehr kurze Taktzeiten verwirklicht werden, können die Prozessschritte auch in Anlagen auf mehreren Mess- und Wuchtstationen parallel ablaufen.
«Diese Neuentwicklung ist als Standard verfügbar, der einfach umzusetzen und von Klein- bis Grossserie skalierbar ist», erklärt Manfred Bobertag, Geschäftsführer von PMB, und ergänzt: «Gegenüber bestehenden Verfahren profitieren Anwender bei diesem neuen Ansatz von kurzen
Taktzeiten, Spanfreiheit und perfekt steuerbarer Massenkorrektur.» Additiv zu wuchten erweist sich als effizienter als das konventionelle, subtraktive Wuchten, denn es benötigt weniger Werkstoff. Es wird exakt nur die erforderliche Masse beziehungsweise Menge aufgetragen, es geht nichts verloren. Zudem entfallen Reinigungen, um abgetragene Späne oder Schleifstäube zu entfernen.
Mehr als verbinden
«Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Klebstoffe weit mehr können, als Bauteile dauerhaft miteinander zu verbinden», sagt Karl Bitzer, Gesamtleiter Produktmanagement beim Klebstoffhersteller Delo. Klebstoffe lassen sich als multifunktionale Werkstoffe exakt auf unterschiedliche Anwendungen abstimmen. Sie ermöglichen somit auch innovative Prozesse und können wesentlich zu einer effizienten und wirtschaftlichen Fertigung beitragen. - kmu - SMM
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