Interview Additive Fertigung: Chancen, Herausforderungen und Perspektiven

Das Gespräch führte Nastassja Neumaier 4 min Lesedauer

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Die additive Fertigung (Additive Manufacturing, AM) gewinnt zunehmend an Bedeutung – nicht nur im Prototypenbau, sondern auch in der industriellen Serienfertigung ab Losgrösse 1. Die Suhner Gruppe, Hersteller von Industriewerkzeugen, bietet durchdachte Lösungen, die den gesamten Produktionsprozess abdecken – angefangen bei der Gestaltung bis hin zur Nachbearbeitung der 3D-Druck-Werkstücke.

Zoran Vranić, Business Development Manager und Manager Additive Manufacturing bei Suhner: «Die Schweiz bietet als Technologie- und Innovationsstandort ideale Voraussetzungen für Additive Manufacturing (AM).»(Bild:  Suhner)
Zoran Vranić, Business Development Manager und Manager Additive Manufacturing bei Suhner: «Die Schweiz bietet als Technologie- und Innovationsstandort ideale Voraussetzungen für Additive Manufacturing (AM).»
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SMM: Herr Vranić, welchen Mehrwert bietet die additive Fertigung im Vergleich zur konventionellen Fertigung?

Zoran Vranić, Business Development Manager und Manager Additive Manufacturing bei Suhner: Die additive Fertigung ermöglicht die Herstellung komplexer, funktionsintegrierter Bauteile mit hoher geometrischer Freiheit. Dies erlaubt gewichtsoptimierte Strukturen, eine schnellere Produktentwicklung und individualisierte Lösungen – auch im Prototyping und bei Kleinserien. Besonders in der Kombination mit anwendungsgerechter Auslegung, lassen sich wirtschaftliche Vorteile erzielen, etwa durch verkürzte Entwicklungs- und Produktions-Zyklen oder verbesserte Bauteilfunktionen. Die Suhner Gruppe nutzt diese Potenziale gezielt bei der Entwicklung von Maschinenkomponenten und kritischen Metallkomponenten.

Für welche Branchen und Anwendungsfelder bietet sich Additive Manufacturing besonders an?

Z. Vranić: AM eignet sich vor allem für Anwendungen mit hohen Anforderungen an Individualisierung, Leichtbau und Funktionsintegration. Dies betrifft unter anderem die Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt, aber auch den Sondermaschinenbau. Gerade dort, wo Losgrösse 1 gefordert ist, entfaltet die additive Fertigung ihr volles Potenzial – etwa bei komplexen Vorrichtungen, Prototypen oder funktionalen Serienbauteilen.

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Stichwort Materialdiversität: Welche Materialien eignen sich für die additive Fertigung? Wo sind Grenzen gesetzt?

Z. Vranić: Im industriellen Umfeld kommen hauptsächlich metallische Werkstoffe wie Edelstahl, Titan oder Aluminium zum Einsatz. Die Suhner Gruppe bringt hier ihre langjährige Metallbearbeitungskompetenz ein – insbesondere im Hinblick auf nachgelagerte Prozesse wie Trennen, Schleifen oder der Oberflächenveredelung. Herausforderungen bestehen bei Materialien mit speziellen Eigenschaften wie hoher Sprödigkeit oder extremer Härte sowie bei Anforderungen an reproduzierbare Qualität über mehrere Chargen.

Welche Schritte sind für die erfolgreiche Umsetzung eines 3D-Metalldrucks erforderlich? Welche Herausforderungen gibt es beim Pre- und Post-Processing?

Z. Vranić: Ein durchdachter AM-Prozess beginnt bereits in der Konstruktionsphase (Design for Additive Manufacturing) – idealerweise unter Einbezug der späteren Nachbearbeitung. Suhner begleitet Kunden bereits ab der Konzeptphase und unterstützt bei der AM-gerechten Bauteilgestaltung. Im Pre-Processing geht es darum, das Bauteil auf Stützstrukturen, Zugänglichkeiten und Nachbearbeitbarkeit zu optimieren. Eine zentrale Herausforderung im Post-Processing liegt in der Erreichung der geforderten Oberflächenqualität – insbesondere an schwer zugänglichen Stellen und gemäss Kunden- und spezifischen Branchenanforderungen. Hier ist Suhner mit einer umfangreichen Range von Maschinen und Schleifmitteln und abgestimmten Bearbeitungsprozessen bestens aufgestellt.

Welche Technologien und Lösungen bietet die Suhner Gruppe entlang der gesamten Wertschöpfungskette im AM-Bereich?

Z. Vranić: Suhner versteht sich nicht nur als Anbieter von Maschinen und Werkzeugen für die Metallbearbeitungsindustrie, sondern als Entwicklungspartner. Kunden profitieren von fundierter Erfahrung im Bereich Metall, und Oberflächenbearbeitung inklusiv im Post-Processing additiv gefertigter Bauteile. Der Fokus liegt dabei auf der gezielten Nachbearbeitung zur Entfernung von Stützstrukturen, dem Trennen, Schleifen und präzisen Entgraten sowie der definierten Oberflächenveredelung – exakt gemäss Kundenspezifikation. Durch kundenspezifisches Engineering, das bereits im Designprozess ansetzt, wird sichergestellt, dass das AM-Bauteil nicht nur druckbar, sondern auch funktional und wirtschaftlich nutzbar ist.

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Welche Herausforderungen und Lösungen gibt es in Bezug auf die Integration von AM-Prozessen in bestehende Fertigungsanlagen?

Z. Vranić: Die nahtlose Integration additiver Fertigungsprozesse in klassische Produktionsumgebungen erfordert flexible Lösungen. Suhner bietet modulare Bearbeitungssysteme, die sich sowohl in manuelle Arbeitsplätze als auch in automatisierte Fertigungszellen einfügen lassen. Dies umfasst sowohl Einzelarbeitsplätze als auch Systemlösungen mit hoher Prozesssicherheit. Besonders im Bereich der Hybridfertigung – also der Kombination von AM und Zerspanung – kann Suhner durch seine Erfahrung in klassischen maschinellen Bearbeitungsprozessen sowie Post-Processing entscheidende Mehrwerte bieten.

Wie sieht die Schweizer AM-Forschungslandschaft aus und welchen Beitrag leistet die Suhner Gruppe?

Z. Vranić: Die Schweiz verfügt über eine leistungsfähige Forschungslandschaft im Bereich AM, mit starken Partnern wie Empa, ETH Zürich oder Fachhochschulen. Suhner engagiert sich aktiv in Kooperationsprojekten – wie zum Beispiel das ARIS-Entwicklungsprogramm für Flüssigkeitsraketentriebwerke des Swiss Innovation Center Zürich. Suhner trägt zu dieser Mission bei, indem es kritische 3D-gedruckte Bauteile für das Trennungssystem der Rakete liefert. Damit wird das Potenzial unserer additiven Fertigungstechnologie für Kleinserien in der Luft- und Raumfahrtindustrie unter Beweis gestellt.

Inwiefern trägt die additive Fertigung zur Nachhaltigkeit bei und welche Initiativen verfolgt die Suhner Gruppe in diesem Bereich?

Z. Vranić: Additive Fertigung ermöglicht materialeffizientes Produzieren, reduziert Ausschuss und verkürzt Lieferketten. Suhner trägt zur Nachhaltigkeit bei, indem langlebige Werkzeuge und prozessoptimierte Nachbearbeitungssysteme bereitgestellt werden.

Welche Perspektiven sehen Sie für den Schweizer AM-Markt (auch im globalen Vergleich)?

Z. Vranić: Die Schweiz bietet als Technologie- und Innovationsstandort ideale Voraussetzungen für AM – sowohl in der Prototypenentwicklung als auch in der wirtschaftlichen Fertigung von Nischen- und Serienprodukten. Entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit wird sein, wie gut additive Prozesse in bestehende Wertschöpfungsketten eingebunden werden können. Suhner leistet dazu einen konkreten Beitrag – mit technischem Know-how, anwendungsorientierten Lösungen und kundenspezifischem Engineering.

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