Bibus AG: Hohe Sicherheit beim Gepäcktransport

Redakteur: Hermann Jörg

>> In den Katakomben des Flughafens Zürich herrscht ein geschäftiges Treiben. Denn während oben die Reisenden eilen, sind im Untergrund 1200 Koffertransportwagen ständig auf dem Weg von den Check-in-Schaltern zu den Gates und wieder zurück. Da hier empfindliche Güter transportiert werden, sorgen gleich mehrere Dämpfungselemente der Bibus AG und der ACE Stossdämpfer GmbH dafür, dass weder Gepäck noch Transportwagen auf den rasanten Fahrten Schaden nehmen.

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Sichere Konstruktion gegen Beschädigungen an Gepäckwagen: Tubus-Strukturdämpfer, Typ TA 40-16, und drei Dämpfungsplatten ACE-SLAB SL-030 unterschiedlicher Stärke. (Bild: ACE, Bibus)
Sichere Konstruktion gegen Beschädigungen an Gepäckwagen: Tubus-Strukturdämpfer, Typ TA 40-16, und drei Dämpfungsplatten ACE-SLAB SL-030 unterschiedlicher Stärke. (Bild: ACE, Bibus)

joe. Flughäfen sind bemüht, die Verweildauer ihrer Gäste so kurz wie möglich zu gestalten. Egal ob geschäftlich oder privat unterwegs – alle wollen verständlicherweise so schnell wie möglich an ihrem Bestimmungsort ankommen und dort gleich auch ihr Gepäck in Empfang nehmen. Dementsprechend zügig muss die Gepäckabfertigung vonstatten gehen. Dazu werden in Zürich-Kloten 1200 Transportwagen eingesetzt, um das Gepäck sicher von A nach B zu bringen. Die 120 Kilogramm schweren Wagen werden voneinander unabhängig und ungekoppelt mittels Linearmotoren angetrieben und erreichen auf ihren achterbahnartigen Bahnen Geschwindigkeiten von bis zu 8 m/s, das entspricht umgerechnet knapp 30 km/h.

Beim Wechsel der verschiedenen Bahnen und bei der Zielankunft kommt es dabei immer wieder zu kleineren und grösseren Auffahrunfällen auf der Kofferachterbahn. In der Vergangenheit setzte der Flughafen Zürich auf einfache Schaumstoffdämpfer, um dieses Aufprallen abzufangen. Aufgrund des geringen Wirkungsgrades dieser Lösungen kam es jedoch immer wieder zu kostspieligen Schäden an den Stossstangen sowie den Leichtmetallchassis der Wagen. Durch die Reparaturmassnahmen war es demnach selten möglich, das Transportsystem mit voller Auslastung zu fahren.

Verringern des Schaden- potenzials als Ziel

Um günstiger und effizienter arbeiten zu können und damit letzten Endes die Wartezeiten der Fluggäste zu verkürzen, wandte sich der Bereich Technischer Unterhalt des Flughafens an die Bibus AG. Das Unternehmen ist als Handels-, Dienstleistungs- und Fabrikationsspezialist bekannt. Die Kernkompetenz der Unternehmensgruppe umfasst Engineering, Logistik sowie Service und macht sie zu einem idealen Geschäftspartner für den Flughafen Zürich. Zudem vertreibt Bibus als Distributor exklusiv in der Schweiz die hochwertigen Dämpfungslösungen der ACE Stossdämpfer GmbH. Nach kurzer Rücksprache mit den Konstrukteuren dieses in Deutschland beheimateten Herstellers und unter Berücksichtigung aller Einsatzparameter entschied man sich im vorliegenden Fall für eine Mehrfachkonstruktion an den einzelnen Wagen des Transportsystems.

Beide Unternehmen, ACE wie Bibus, verstehen sich als Lösungspartner ihrer Kunden. Das zeigt sich daran, dass sie häufig ungewöhnliche Wege gehen, um Kunden zu Wettbewerbsvorteilen zu verhelfen und für diese das bestmögliche Resultat herauszuholen. Der Fall des Flughafen-Transportsystems dokumentiert dies in beeindruckender Weise.

Zwei Produktfamilien beschafft und dennoch Geld gespart

Hier kommen mittlerweile sowohl Dämpfungsplatten aus der Slab genannten Produktserie von ACE als auch Strukturdämpfer des Typs Tubus an der Vorder- und Hinterseite der Wagen zum Einsatz, um diese effizient zu schützen. Sowohl die aus Polyurethan hergestellten Slab-Platten als auch die Tubus getauften rohrförmigen Dämpfer kommen generell immer dann zum Einsatz, wenn eine bewegte Masse nicht positionsgenau abgebremst werden muss. Die zuschneidbaren Platten können aufgrund ihrer hohen inneren Dämpfung Stösse von bis zirka 1 m/s abfangen. In Zürich sind gleich drei verschiedene Platten des Typs SL-030 mit unterschiedlichen Stärken aufeinandergeklebt und dann an den Wagenenden angebracht worden, um Geschwindigkeiten von bis zu 3 m/s tolerieren zu können und damit den Grossteil aller zu erwartenden Stösse unschädlich zu machen.

Verbundkonstruktion macht Sinn

Erst bei noch höheren Geschwindigkeiten werden die aus Co-Polyester-Elastomer bestehenden Tubus angefahren. Sie sind dann in der Lage, die weiter anfallenden Kräfte aufzunehmen. Eine Kombination verschiedener Sicherheitsprodukte macht in diesem Fall gleich in mehrfacher Hinsicht Sinn. Ein Aufeinanderkleben von acht Schichten Slab-Platten an beiden Enden der Wagen würde deren Ausmasse unpraktikabel werden lassen, die Tubus sind dagegen deutlich platzsparender. Da sie jedoch auf maximal 5 m/s ausgelegt sind, kommen auch sie ohne die zusätzliche Slab-Hilfe mit dieser Aufgabenstellung nicht zurecht. Leistungsstärkere Industrie-Stossdämpfer einzusetzen, wäre in der Anschaffung zu kostspielig und hätte ein weiteres Problem: Selbst ihre hohen Standzeiten von mehreren Millionen Lasthüben wären der Vielzahl der kleinen Aufpraller an den Wagen auf Dauer nicht gewachsen. Die Lebensdauer der preiswerteren Tubus liegt mit etwa 1 Million Hüben nicht ganz im gleichen Bereich, doch da bei der Doppelkonstruktion die Slab-Platten für den überwiegenden Teil der Stösse zuständig sind, spielt dies keine Rolle.

Bei Bedarf auch Sonderanfertigungen

In Zürich sind aus der 80 Einzelprodukte umfassenden Tubus-Familie diejenigen Strukturdämpfer des Typs TA 40-16 verbaut. Die von ihnen aufgenommenen, bis zu 80 Nm/Hub betragenden Kräfte werden bei ihnen, wie bei allen anderen Strukturdämpfern aus dem Hause ACE, durch Reibung in Wärme umgewandelt. Ein Teil der auftretenden Energie wird somit abgebaut, während der andere Teil durch die Rückstellung des Körpers in seine Ursprungslage wieder abgegeben wird.

Die TA-Baureihe zeichnet sich durch hier benötigte degressive Kennlinien aus. Für andere Einsatzfälle bieten die Dämpfungsspezialisten Bibus und ACE auch Typen mit linearen oder progressiven Kennlinien an. Sonderanfertigungen werden je nach Bedarf hergestellt. Das Beispiel des Flughafens Zürich zeigt, dass dies auch produktgruppenübergreifend möglich ist. Und so sind von Konstrukteurseite her alle Vorkehrungen getroffen, dass es am Flughafen Zürich «unter Tag» in Zukunft eher noch geschäftiger zugehen kann als bisher. <<

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