Mit Werkzeugen von Iscar bleifreies Messing einfach zerspanen Bleifrei-Messing: richtig schöne, kurze Späne

Quelle: Pressemitteilung 5 min Lesedauer

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Internationale Regularien begrenzen die Bleianteile in Kupferlegierungen. Das ist gut für Gesundheit und Natur, stellt Hersteller und Zerspaner aber vor grosse – oder vielleicht besser lange – Herausforderungen. Denn ohne Blei in der Legierung bilden sich oft lange Späne. Zusammen mit Experten der Wieland-Gruppe haben sich die Werkzeugspezialisten von Iscar des Themas angenommen. Im Techcenter in Ettlingen (D) erarbeiteten sie gemeinsam eine breite Palette an Bohrern, Fräsern, Dreh- und Stechwerkzeugen, mit denen sich bleifreies Messing problemlos zerspanen lässt.

Bei den Tests zeigte sich, dass Standardwerkzeuge von Iscar wie der «LOGIQ6TURN» hervorragend im bleifreien Material funktionieren.(Bild:  Iscar)
Bei den Tests zeigte sich, dass Standardwerkzeuge von Iscar wie der «LOGIQ6TURN» hervorragend im bleifreien Material funktionieren.
(Bild: Iscar)

1820 aus einer Glockengiesserei in Ulm hervorgegangen, ist die Wieland-Gruppe heute ein international agierender Anbieter von Kupferlegierungen, Halbfabrikaten aus Kupfer sowie von Komponenten- und Systemlösungen.

Wieland: 10 000 Mitarbeitende – 80 Produktionsstätten

Mit einem globalen Netz von mehr als 80 Produktionsstätten, Service- und Handelshäusern sowie rund 10 000 Mitarbeitenden bietet das Unternehmen ein breites Produkt-, Technologie- und Serviceportfolio. Vom Prototyp bis zur Serienfertigung entwickelt Wieland Lösungen unter anderem für die Automotive-, Luft- und Raumfahrt-, Elektronik-, Kälte- und Klimatechnik-Branche.

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Wieland: bleifreie «ecoline-Serie» entwickelt

REACH Annex 17, RoHS, DWD und ELV – zahlreiche internationale Regularien begrenzen den Bleigehalt in Kupferlegierungen. Bislang eingesetzte und bewährte Werkstoffe sind damit auf lange Sicht nur noch bedingt nutzbar. Deshalb hat Wieland mit der «ecoline-Serie» eine Familie an bleifreien Produkten entwickelt, die diese ersetzen sollen.

Doch deren Zerspanung stellt neue Anforderungen, denn Blei verleiht den bleihaltigen Messinglegierungen spezifische Eigenschaften, verbessert zum Beispiel ihre Zerspanbarkeit und die Werkzeugstandzeit.

Geringer Bleigehalt – grosse Herausforderungen

Industriell wichtige Zerspanungsmessinge enthalten beispielsweise zwischen 0,5 und 3,5 Prozent Blei in kleinen Partikeln als Spanbrecher. Das Element liegt im Materialgefüge in fein dispersen Partikeln vor. Je mehr Blei enthalten ist, umso besser lässt sich der Werkstoff bearbeiten. Blei sorgt für eine gewisse Schmierung beim Zerspanen und für kurze Späne.

«Die Herausforderung besteht darin, diese Charakteristika auch bei Bleifreiheit sicherzustellen», erklärt Angelos Tanios, Prozessingenieur bei Wieland. Um diese Eigenschaften im bleifreien Messing verfügbar zu machen, setzt Wieland bei seinen «ecoline-Legierungen», wie zum Beispiel «eco SZ3», Silizium und Phosphor ein.

Phosphide sind in der Legierung ähnlich wie Bleipartikel

Die sich bildenden Phosphide sind in der Legierung ähnlich wie Bleipartikel verteilt und dienen als Sollbruchstellen für die Späne. Damit erreichen die neuen Werkstoffe eine sehr gute Zerspanbarkeit. Nichtsdestotrotz stellen bleiarme oder -freie Werkstoffe Herausforderungen an den Zerspanprozess, um die ausserordentliche Performance bleihaltiger Werkstoffe zu erreichen.

«Bei Tests beobachteten wir teilweise einen erhöhten Verschleiss an den Schneiden, und es bildeten sich stellenweise Grate an Bauteilen», sagt Christian Erb, Application Engineer bei Wieland. «Kritisch ist auch, dass lange Späne entstehen können, die sich um Werkzeuge wickeln, den Prozessraum in der Maschine verstopfen und schliesslich auch das Entfernen der Späne aus der Anlage erschweren.»

Bleifreies Material muss sich prozesssicher bearbeiten lassen

Dem Team um Christian Erb und Angelos Tanios war klar, dass sich auch das bleifreie Material wirtschaftlich und prozesssicher bearbeiten lassen müsste – mit dem passenden Werkzeug.

Deshalb wandten sie sich an ihren langjährigen Werkzeugpartner Iscar und schilderten Florian Schöffler, Beratung und Verkauf, und Anwendungstechniker Martin Staudacher das Thema. Da noch nicht viele Unternehmen mit dem neuen bleifreien Messing arbeiten, fehlten auch den Werkzeugspezialisten Erfahrungswerte für Empfehlungen.

«Aber wir haben für solche Fälle ja ein Ass im Ärmel – unser Techcenter in Ettlingen», sagt Florian Schöffler. Auf dem bestens ausgestatteten «Spielplatz für grosse Jungs» testet Iscar einerseits die eigenen Produkte, löst aber andererseits vor allem auch die technischen Probleme seiner Kunden. «Also luden wir das Wieland-Team nach Ettlingen ein, um gemeinsam Lösungen auszuknobeln», sagt Martin Staudacher. «Im Techcenter konnten wir ausprobieren, was am besten funktioniert. Probieren geht ja erfahrungsgemäss über studieren.»

Das Techcenter bringt die Lösung

In der «ecoline-Familie» von Wieland finden sich Legierungen mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften, um die verschiedenen Anforderungen der Anwender abzubilden. Für die Versuche im Techcenter stellten die Materialexperten aus Ulm Drei-Meter-Stangenmaterial aus eco SZ3 (CuZn40SiP) in Durchmessern von 26 und 38 Millimetern zur Verfügung. «Wir haben uns für diese Legierung entschieden, weil sie in ihren Eigenschaften den weitverbreiteten Messingen CW614 und CW617 am nächsten kommt», sagt Christian Erb. «So können wir einen breiten Anwendungsbereich abdecken.»

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Bei bleihaltigem Material funktionieren in der Regel extrem scharfe Werkzeuge, etwa Alu-Geometrien, am besten. «In SZ3 führten aber genau diese Werkzeuge bei unseren Tests zu extrem langen Spänen», sagt Werner Lederbogen, Arbeitsvorbereitung bei Wieland. «Wir wechselten deshalb auf weniger scharfe Stahlgeometrien mit Schutzfase. Das hat dann prima geklappt.» Marco Huck, Application Engineer im Techcenter bei Iscar, ergänzt: «Besonders Schneidstoffe mit passendem C-Spanformer sowie einer sehr glatten und polierten Beschichtung erlauben einen guten Spanablauf.» Welches Coating genau sich schliesslich als das Beste für bleifreie Werkstoffe erweisen wird, lasse sich erst sagen, wenn es bei einem konkreten Anwendungsfall auch um Standzeiten der Werkzeuge gehe.

Versuche auf Lang- und Kurzdrehern

Das 26er-Material sollte auf dem Langdreher zerspant werden. Um die typischen Bearbeitungen in der Industrie abzubilden, entstand ein Bauteil, das einem Anschlussstück nachempfunden ist – in einem Rutsch und fast ausschliesslich mit Standardwerkzeugen.

Zum Ab- und Einstechen nutzte das Techcenter-Team den ressourcenschonenden «DOGRIP» mit einem nur einen Millimeter schmalen Schneideinsatz. Bohrungen setzten sie mit einem «SOLIDDRILL-Vollhartmetall (VHM)-Bohrer» und mit «SUMOCHAM-Wechselkopfbohrern» mit 32 und 4 Millimetern Durchmesser. Beim Drehen und Vordrehen leisteten «ISOTURN-Werkzeuge» mit «F1M-Spanformer» gute Dienste. Mit dem neuen dreischneidigen «PICCO3CUT» brachten sie Fasen ein und schlichteten die Innenkorrekturen, Schlüsselflächen frästen sie mit einem vierschneidigen «MULTIMASTER-VHM-Fräser» in der verschleissfesten, TiAlN-PVD-beschichteten Feinstkornsorte IC908.

Das Gewinde mit 1,5er-Steigung schnitten die Zerspaner mit einem «IscarTHREAD-Gewindefräser» mit ISO-WSP. Nur für den Formeinstich kam ein Sonderwerkzeug zum Einsatz: Er wurde mit einem genau angepassten fünfschneidigen «PENTA-27-Schneideinsatz» mit eingelasertem Spanformer gesetzt. «Der gesamte Prozess von der Stange bis zum fertigen Teil dauert so nur rund zwei Minuten und bringt sehr gute Ergebnisse», sagt Thomas Eiberle, Einrichter bei Wieland.

Testobjekt Gleitlagerbuchse

Das Material mit 38 Millimetern Durchmesser zerspanten die Tüftler auf einem Kurzdreher. Als Testobjekt entstand eine Gleitlagerbuchse, für die tatsächlich existierende Komponenten Modell standen. Das Stangenmaterial wurde mit dem neuen dreischneidigen «QUICKTLOCK» mit extrem stabiler Klemmung geschruppt und mit dem «LOGIQ6TURN» geschlichtet, der positiven Wendeschneidplatte mit sechs 55-Grad-Schneiden. Ein vierschneidiger «MULTIMASTER-VHM-Fräser» setzte die Schlüsselflächen. Mit einem «DR-TWIST-Bohrer» mit 32 Millimetern Durchmesser brachte das Team eine Stirnbohrung ein und drehte sie mit einer «WHISPERLINE-Bohrstange» aus.

Für den Einstich nutzten die Zerspaner auch hier den «DOGRIP» mit der Schnittbreite von nur einem Millimeter. «Bei der erfolgreichen Bearbeitung auf dieser Maschine unterstützte zudem das Schnellwechselsystem ‹Varia-VX› unseres Partners EWS, das die Rüstzeit reduziert und das Drehmoment sicher überträgt. Dazu kommt der kollisionsoptimierte Werkzeugadapter ‹SPANNTOP mini 65› unseres Partners Hainbuch, mit dem wir ganz nah ans Futter fahren können», erklärt Jörg Huber, Application Engineer im Techcenter bei Iscar.

Das Werkzeug macht’s: durchgehend schöne kurze Späne

Die Testergebnisse auf beiden Anlagen überzeugten. Mit den eingesetzten Werkzeugen kann das Expertenteam die Bauteile sowohl auf dem Lang- wie auf dem Kurzdreher prozesssicher und in einem Zug herstellen.

«Wir haben durchgehend schöne kurze Späne und die Oberflächenqualität stimmt auch», sagt Christian Erb zufrieden. Angelos Tanios bringt die Erkenntnisse auf den Punkt: «Mit dem passenden Werkzeug lässt sich eben auch bleifreies Material problemlos zerspanen.»

(böh)

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