Bühler-CEO Calvin Grieder zur Zukunft des international aufgestellten Schweizer Konzerns

C. Grieder: «Wir halten am Standort Schweiz fest»

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Sie begründen Ihren guten Geschäftsverlauf über Ihr Lebensmittel-Technologiesegment. Sie verfügen aber neben dem Nahrungsmittelbereich über den Geschäftsbereich Advanced Materials mit Druckgussmaschinenbau, Nassvermahlen und Oberflächentechnologiesektor. Wie entwickeln sich diese Sektoren?

C. Grieder: Hervorragend! Unser Advanced-Materials-Bereich hat ein sehr gutes Jahr hinter sich, der Druckguss hat sogar ein Rekordergebnis eingefahren. Wir haben es geschafft, diese Geschäftsbereiche zu einem zweiten Standbein für Bühler zu entwickeln. Der Druckgussbereich verfügt über ein sehr dynamisches Geschäftsumfeld. Deshalb unterliegt er stärkeren Zyklen als das Nahrungsmittelgeschäft. Doch aus diesem Bereich erhalten wir wichtige Inputs wie etwa das Thema Industrie 4.0, mit dem wir zukünftige Prozesse voll digital abbilden wollen. Von solchen Anregungen profitiert dann das ganze Unternehmen.

Wie passen die drei Bereiche von Advanced Materials zusammen?

C. Grieder: Erstens: Auch wenn die konkreten Technologien verschieden sind, bieten wir Prozesslösungen an – wie auch bei der Nahrungsmittelherstellung. Dieser übergreifende Prozess- und Lösungsansatz ist das, was alle Bühler-Bereiche verbindet. Zweitens positionieren wir die drei Business Areas von Advanced Materials als Systemausrüster für die Automobilindustrie. Auf unseren Druckgussanlagen werden weltweit 25 % der Motorenblöcke gefertigt, auf Leybold-Optics-Maschinen rund 50 % aller Scheinwerfer-Reflektoren beschichtet. Aus der Nassvermahlung von Grinding & Dispersion stammen Farben und Lacke – und hier steigen wir jetzt in das Geschäft für Lithium-Ionen-Batterien ein. Dazu haben wir einen komplett neuen Prozess entwickelt, der erstmals kontinuierlich arbeitet. Das braucht deutlich weniger Platz, senkt die Kosten und verbessert die Qualität.

Wie hoch ist Ihre Eigenfertigung?

C. Grieder: Unsere Wertschöpfung liegt über alle internationalen Standorte betrachtet bei zirka 60 Prozent. 40 Prozent decken wir über Zulieferunternehmen ab, wobei wir hier aber auch den grössten Teil des Engineerings beisteuern.

Aufgrund des starken Schweizer Frankens könnten Sie vorteilhaft im Ausland einkaufen, wie sind Sie diesbezüglich verfahren im letzten Jahr?

C. Grieder: Wir kaufen generell viel im Ausland ein, aber das liegt auch in unseren vielen internationalen Produktionsstandorten begründet, um die Logistikketten kurz zu halten. Inhouse fertigen wir die Kerntechnologien in unseren «centers of competence».

Welche Rolle spielt der Schweizer Standort?

C. Grieder: Unsere Konzernzentrale in der Schweiz ist nach wie vor Herz und Hirn von Bühler – auch wenn wir inzwischen viele Anwendungszentren rund um den Globus aufgebaut haben und dies auch noch verstärkt tun werden. Technologie- und Produktentwicklung, Innovationsmanagement und Engineering: Das ist sehr stark in der Schweiz verankert.

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