Bühler-CEO Calvin Grieder zur Zukunft des international aufgestellten Schweizer Konzerns

C. Grieder: «Wir halten am Standort Schweiz fest»

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Funktioniert Engineering auch dann, wenn man nicht mehr wirklich produziert am gleichen Standort?

C. Grieder: Nein, das würde nicht funktionieren, deshalb halten wir klar am Produktionsstandort Schweiz fest. Wir verfügen über eine sehr gute Produktion am Werkplatz Schweiz, um genau den Austausch zwischen Entwicklung, Engineering und Produktion zu gewährleisten: Ich bin der Überzeugung, dass das Engineering und die Produktion sehr eng vernetzt sein müssen, um in Zukunft wirtschaftlich produzieren zu können und die richtigen Produkte für die Kunden zu entwickeln.

Das Themenfeld Industrie 4.0 ist auch in der Schweiz angekommen, welche Rolle spielt das bei Ihnen?

C. Grieder: Es spielt für uns eine zunehmend grössere Rolle, weil wir oft individualisierte Produkte entwickeln. Die gesamte digitale Abbildung vom Produktentstehungsprozess über die Logistikketten bis hin zur Ersatzteilversorgung und zum Service ist heute das zentrale Thema rund um Industrie 4.0. Wir haben die Bedeutung dieses Themas erkannt und sind im Begriff, die für uns relevanten Aspekte umzusetzen.

Welche Anforderungen stellt Industrie 4.0 an Ihre Mitarbeiter?

C. Grieder: Unsere Mitarbeiter werden zunehmend gefordert, in Prozessen zu denken und zu handeln. Dafür bilden wir unsere Mitarbeiter kontinuierlich aus. Wir werden das Themenspektrum rund um Industrie 4.0 in die Ausbildungsgänge integrieren. Entscheidend ist, dass wir an allen Standorten hervorragend ausgebildete Mitarbeiter haben. Ich bin hier sehr zuversichtlich, weil auch unsere Mitarbeiter sehr offen sind für Weiterbildungsmassnahmen und sie wissen, dass dies für unser Unternehmen entscheidend ist, um wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben.

Stichwort Syngenta: Immer mehr Schweizer Unternehmen sind in ausländischem Besitz. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

C. Grieder: Ich muss das von einer anderen Sichtweise beurteilen, denn wir sind seit 30 Jahren in China und haben dort 3000 Mitarbeiter. Die Mitarbeiter dort sind sehr loyal, wir verfügen über eine tiefe Fluktuation. Die Chinesen, wenn ich das so verallgemeinern darf, sind ausgezeichnete Unternehmer. Auch sie denken sehr international. Sie werden sich gut positionieren. Wie wir in die Welt gehen, werden das auch die Chinesen machen, das ist ihr gutes Recht. Das wird den Wettbewerbsdruck sicherlich erhöhen – aber damit können wir bei Bühler gut umgehen.

Wie schätzen Sie – mit Ihrem breiten internationalen Erfahrungsschatz – die Zukunft des Werkplatzes Schweiz ein?

C. Grieder: Der Werkplatz wird nur dann eine gute Zukunft haben, wenn wir auch weiterhin auf ausgezeichnete Ausbildung und ständige Innovation setzen und das mit einer möglichst freien Wirtschaft verbinden. Das sind die wichtigsten Assets der Schweiz. Überregulierungen, wie sie aktuell initiiert wurden, bringen den Werkplatz nicht voran. Die Schweiz war immer ein offenes, ein unternehmerisches Land. Das müssen wir auch in Zukunft hochhalten. Wenn wir diese Punkte beachten, hat der Werkplatz einen gute Zukunft. Wir können nur überleben, wenn wir zu den Besten gehören. <<

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