Dufour: Schweizer Innovation für Luftfahrt Das fliegende Schweizer Taschenmesser

Von Konrad Mücke 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Innovative Fluggeräte des Schweizer Start-ups Dufour Aerospace mit Elektroantrieben vereinen das Beste aus zwei Welten. Eine Kombination aus Drohne und Helikopter könnte deutlich schnellere und effizientere Notfalleinsätze aus der Luft ermöglichen.

Effizient und umweltgerecht: Jasmine Kent präsentiert das innovative, in der Schweiz entwickelte Fluggerät Aero2 als Kombination aus Flächenflugzeug und Helikopter.  (Bild:  Jan Bolomey)
Effizient und umweltgerecht: Jasmine Kent präsentiert das innovative, in der Schweiz entwickelte Fluggerät Aero2 als Kombination aus Flächenflugzeug und Helikopter.
(Bild: Jan Bolomey)

Die Dufourspitze, 4 634 m ü. M., gilt als höchster Berg der Schweiz. Benannt ist sie nach dem Ingenieur, Topografen und Armeeoffizier Guillaume Henri Dufour. Dieser hatte im Jahr 1864 den Vorsitz der ersten Genfer Konvention inne, mit der das Internationale Rote Kreuz ins Leben gerufen wurde. Daher passt der Name aus zwei Gründen perfekt zum jüngst gegründeten Luftfahrzeughersteller Dufour Aerospace.

Seit dem Beginn im Jahr 2017 möchte das innovative Start-up ganz nach oben. Die Experten entwickeln und bauen dafür richtungsweisende Fluggeräte. «Wir wollen die zwei Welten der Drohnen und der bemannten Luftfahrt zusammenbringen», sagt Jasmine Kent, Mitgründerin und CTO von Dufour Aerospace mit Hauptsitz im Wallis. Neben der Erschliessung neuer Logistikmöglichkeiten sollen Notfalleinsätze revolutioniert werden.

Geschickt kombinieren

Wer das Fluggerät Aero2 betrachtet, neigt unweigerlich den Kopf zur Seite und runzelt die Stirn. Dann folgt intensives Nachdenken. So etwas hat es bisher noch nicht gegeben. Auf dem Foto wirkt es wie ein Rätsel, das zwei Motive – einen Hubschrauber und ein konventionelles Flugzeug – kombiniert. Das innovative Mehrzweckflugzeug verfügt über einen Hybridantrieb. Dank Kippflügeln kann es wie ein Hubschrauber ohne Start- und Landebahn senkrecht starten und landen. Einmal in der Luft kann es bis zu 170 km/h schnell wie ein Flugzeug vorankommen. Das kleine unbemannte Mehrzweckflugzeug ist robust und trägt bis 40 kg Nutzlast bei 150 kg maximalem Startgewicht (MTOW, Maximum Take-Off Weight). Es kann bis drei Stunden in der Luft bleiben (max. endurance). Sogenannte VTOL-Luftfahrzeuge (Vertical Take-Off and Landing) sind äusserst manövrierfähig und verursachen wesentlich niedrigere Betriebskosten als übliche Hubschrauber.

Effizient dank Elektroantrieb

Im Vergleich zu Verbrennungsmotoren hat der elektrische Antrieb eine deutlich höhere Energieeffizienz (90 zu 40 Prozent). Elektromotoren bestehen aus weniger Komponenten und benötigen daher nur wenig Wartung. Dennoch arbeiten sie zuverlässig und sicher. Elektrische Antriebsstränge eröffnen in der Entwicklung von Fluggeräten zukunftsweisende Möglichkeiten. Aufgrund ihrer kompakten Bauform können Elektromotoren direkt an den Positionen angeordnet werden, an denen der Antrieb benötigt wird. Komplizierte Kraftübertragungen entfallen. Gleiches gilt für schwere und wartungsanfällige Hydraulik in Sekundärsystemen. «Das Potenzial von Elektroantrieben in der Luftfahrt ist enorm», sagt Jasmine Kent. Mitgründer und CEO Thomas Pfammatter fügt hinzu: «Aero2 ist so vielseitig wie ein Schweizer Taschenmesser. Dieses innovative kleine unbemannte Flugzeug wird unsere Kunden bei ihren Aktivitäten sehr unterstützen.» In spätestens zwei Jahren soll das Fluggerät Aero2 marktreif und damit massentauglich sein. Noch gibt es aber einige Entwicklungsdetails zu lösen.

Leichtbau gefordert

Speziell bei den Elektromotoren «ist es eine permanente Herausforderung, die besten Ausführungen, also die leistungsstärksten Komponenten, zu finden», sagt Jasmine Kent und führt weiter aus: «Dabei zählen wir jedes Kilogramm, sogar jedes Gramm. Jede Leistungssteigerung hilft uns und ist herzlich willkommen.» Im Moment läuft der Zertifizierungsprozess für das Fluggerät Aero2. Darauf liege das Hauptaugenmerk, sagt Jasmine Kent. Im Vergleich zur Variante Aero3, die bis zu acht Personen sowie grössere Lasten transportieren soll, ist der Weg zur Serienreife für das unbemannte Fluggerät etwas einfacher. Zum einen sind die Entwicklungskosten niedriger, zum anderen gibt es wesentlich weniger regulatorische und bürokratische Hürden. Dass das Fluggerät Aero2 enormes Potenzial hat, steht für die Macher ausser Frage. «Es ist das perfekte Werkzeug für Anwendungen in der Logistik, topografische Vermessungen, Kartierungen, Messungen oder für Anwendungen der öffentlichen Sicherheit», sagt CEO Thomas Pfammatter. Die ersten Interessenten beurteilen das ähnlich. Im Rahmen einer Partnerschaftsvereinbarung hat Dufour bereits 100 Fluggeräte Aero2 und eine gleiche Anzahl Aero3 an Blueberry Aviation verkauft. Der globale Spezialist für Verkehrsflugzeuge und Hubschrauber wird eine Marketingberatung für Dufour Aerospace bieten. «Auf diese Partnerschaft sind wir sehr stolz», betont Jasmine Kent.

Entwicklung beschleunigen

Die Priorisierung zunächst auf unbemannte Fluggeräte hat einen weiteren Grund. Mit ihnen schreitet die Entwicklung der Flugkontrollsysteme schneller und günstiger voran. Mit diesen Erfolgen kann das Start-up weiter Beteiligungskapital auch für die grössere Variante Aero3 gewinnen und Investoren aus aller Welt überzeugen. «Weil der US-Venture-Capital-Markt im Bereich der Aerospace-Technologien schon etwas gesättigt ist, schauen sich diese Investoren auch vermehrt Start-ups in Europa an», erläutert Jasmine Kent, Expertin für digitale Steuerungssysteme, Software und Automatisierung. Die Amerikanerin war über viele Jahre Software-Entwicklerin bei Google, ehe sie im Jahr 2017 zusammen mit den Schweizern Thomas Pfammatter und Dominique Steffen das Unternehmen für Luftfahrt Dufour gründete.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Anwendung in der Luftrettung

Beide innovativen Fluggeräte könnten im medizinischen Einsatz künftig für Furore sorgen und zusätzliche Chancen eröffnen, Menschenleben zu retten. Im Vergleich zu Drohnen hat das Fluggerät Aero2 einen wesentlichen Vorteil. Es kann zentral mit allem Notwendigen ausgestattet und anschliessend gesteuert werden. Der Drohnen-Operator muss nicht mit dem Gerät und seiner Ausrüstung zum Einsatzort fahren. Medizinische Geräte oder Blutkonserven gelangen innerhalb kürzester Zeit an vorbestimmte Orte. Künftig werden sogar Notfallmediziner schneller zu Patienten gelangen. Denn das Fluggerät vermeidet Wartezeiten, die beispielsweise durch Verkehrsstaus auf Strassen die Anreise verzögern. (kmu) SMM

(ID:49880150)