Energieeffizienz

Das VW-Ökoprogramm und die Folgen

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Bei Antrieben heisst das konkret: VW gibt nur bestimmte Komponenten frei. Die Standardisierung sorge ausserdem für geringeren Aufwand bei der Ersatzteilversorgung - auch ein wichtiger Aspekt mit Blick auf die Effizienz. Kustra und sein Team sorgen mit mehreren Pilotprojekten in verschiedenen Fertigungsbereichen sowie Doktorarbeiten für frischen Ökowind in der Produktion. Ein wichtiger Baustein hierbei ist auch die Kooperation mit Hochschulen und Instituten.

Anschluss für mobile Messtechnik wünschenswert

Wolfsburg hat aber auch einen Wunsch an die Hersteller. «Uns würde bei den Maschinen schon interessieren, wie viel Energie sie bei bestimmten Anwendungen verbrauchen», meint der oberste Standortplaner Michalzik. «Diese Werte könnten dann vor der Vergabe einer Ausschreibung in die Bewertung einer Maschine eingehen. Die Angaben zum Energieverbrauch sind heute noch relativ schwach.»

Nicht nur Komponenten werden vorgeschrieben. «Anlagen mit einer Antriebsleistung von mehr als 100 Kilowatt müssen eine eigene Messtechnik besitzen», betont Bosse. «Maschinen mit mehr als 30 bis maximal 100 Kilowatt Antriebsleistung, sind mit einem Anschluss für mobile Messtechnik auszustatten.» Das heisst: VW erlaubt konsequenterweise nur noch den Kauf von energieeffizienten Werkzeugmaschinen und sonstigen Betriebsmitteln. Es gäbe daher keine neuen Anlagen, die Kustra und sein Team nicht in Sachen Energieeffizienz bewerten.

Der wichtige, alles entscheidende Faktor lautet «Total Cost of Ownership (TCO)». Informationen der Arbeitskreise oder auch von «massnahmen@web» schwören Volkswagen auf die neue TCO-Denkweise ein. «Das ist ein Umdenkprozess, der uns alle betrifft», meint der Abteilungsleiter. «Passenderweise habe ich einen Doktoranden, der mit Vorträgen und Energiemessungen viele für das zunehmend bedeutende Thema sensibilisiert.»

Retrofitting für ältere Anlagen

Ein Retrofitting steht bei vielen älteren Anlagen an, die aufgrund des guten mechanischen Zustands noch nicht gegen neue Anlagen ausgewechselt werden müssen. VW modernisiert zum Beispiel bis 2014 im Presswerk in Wolfsburg viele Fertigteilstrassen. In Zusammenarbeit mit Systemlieferanten stellt die Planungsabteilung Pressen auf die Rückgewinnung der elektrischen Leistung um. Die beim Bremsen gewonnene Energie wird kinetisch gespeichert oder für den Antrieb von Servomotoren genutzt. «Unsere Messungen ergaben eine Energieeinsparung von bis zu 60 Prozent», freut sich Kustra.

Es gibt aber auch Massnahmen, die nichts kosten, aber viel bringen. «Wir haben untersucht, welche Anlagen während der Produktionspausen am Wochenende laufen, die eigentlich stehen könnten», ergänzt Andreas Neumann vom VW Kraftwerk. Seine Mitarbeiter erfassen ihre Messungen in Listen und informieren den Standortarbeitskreis darüber, welche Teile sich abschalten lassen. Um mehr Transparenz zu gewinnen, nutzen die Kraftwerk-Fachleute die Erneuerung des alten Stromnetzes in Wolfsburg dazu, in vielen Bereichen Messstationen zum Erfassen des Energieverbrauchs zu installieren. Bosse: «Dank der von Herrn Neumann installierten Messtechnik können wir uns nun genau anzeigen lassen, was eine Massnahme im Vergleich etwa zum Vormonat gebracht hat.»

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