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Unternehmer und Verbandsrepräsentanten zeigen sich demgegenüber viel entspannter. So gibt Heinz-Jürgen Prokop, Geschäftsführer bei Trumpf in Ditzingen, den Rat, die Sorge um einen «Know-how-Drain» nicht zu gross werden zu lassen. Man dürfe in einer globalisierten Welt nicht so viel Nationalgefühl bei solchen Vorgängen aufbringen. Erfolgreiche internationale Unternehmen wie DMG Mori, bei denen erst kürzlich die japanische Seite ihren Anteil auf über 75 % erhöht hatte und nun einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag schliessen wolle, zeige doch, dass es auf die Köpfe in den Unternehmen ankomme und kein direkter Nachteil für europäische Standorte zu befürchten sei.
Bereits am Tonfall der Reaktion vom Geschäftsführer des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken, Wilfried Schäfer, auf dieselbe Frage kann man Unverständnis für die Frage an sich herauslesen: «Unternehmen, die von nichtdeutschen Investoren übernommen wurden, geht es ja nicht schlecht.» Und das liege daran, dass Wissen nicht einfach zu exportieren sei. Zudem erinnert er daran, dass auch deutsche Unternehmen kräftig im Ausland investieren.
Das ist richtig, allerdings sehen Experten sehr unterschiedliche Motivationen: Deutsche Unternehmen, die ein «Going abroad» planen, verfügen in den meisten Fällen über starke Marken, starke Technologien und eine starke, professionelle Unternehmensorganisation. Was deutsche Firmen motiviert, ist der meist gesättigte, begrenzte Heimatmarkt, weiss Barbara Scharrer, Rechtsanwältin mit mehr als 15 Jahren Strategie- und Investitionsberatungserfahrung für den deutschsprachigen Mittelstand und Konzerne in Asien. Für chinesische Unternehmen sei die Sachlage genau umgekehrt, betont sie. Das Potenzial im chinesischen Heimatmarkt sei gross. Um dieses Potenzial richtig zu adressieren, würden über Auslandsinvestments Technologien, Management-Know-how und internationale Marken zugekauft, die das chinesische Unternehmen im Heimatmarkt stärken sollten.
Chinesische Investments als Normalität
«Ich bin überzeugt, dass wir noch immer erst am Anfang stehen», sagt Scharrer. Chinesische Investments in Deutschland und Europa würden weiter zunehmen, immer professioneller durchgeführt und in ein paar Jahren keine grosse Aufmerksamkeit mehr erregen. «Auch hier kann man bald von einem ,the new normal' sprechen, um den vom chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang für das gedämpfte chinesische Wirtschaftswachstum geprägten Ausspruch ,the new normal' zu übertragen», blickt sie in die Zukunft.
Völlig normal klingt es auch bei Hans-Georg Frey, Vorstandsvorsitzender der Jungheinrich AG. In seiner Funktion als Vorsitzender des Ostasiatischen Vereins berichtet er, dass in aller Regel nach der Übernahme die Eigenständigkeit des erworbenen Unternehmens ausdrücklich vom Investor erwünscht ist und auch umgesetzt wird. Häufig wird das Management komplett übernommen und Geschäftsführer oder leitende Angestellte in die Gremien des Investors inkludiert.
«Trotz unterschiedlicher Erfahrungen überwiegen die positiven Eindrücke. Dies gilt natürlich nicht für jeden Einzelfall», schränkt Frey ein. Zu beobachten sei allerdings auch, dass Technologie zum Teil dann von Deutschland nach China verlagert wird. «Ich denke, dass das Interesse insbesondere an deutschen Industrieunternehmen unverändert bleiben wird.» Auch er sieht unterschiedliche Motivationen der Internationalisierung: «Deutsche Unternehmen zielen bei ihren Investitionen in China in erster Linie auf Markterschöpfung und in zweiter Linie auf Fertigungsmöglichkeiten. Wir gehen davon aus, dass im Laufe der Zeit der Marktzugang für deutsche Firmen in China sich weiterhin verbessern wird.»
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